Medizin am Abend Berlin: Strategie gegen Mers-Seuche – Kamel-Impfstoff wirksam
Ein deutsch-niederländisches Forscherteam hat Dromedare gegen das
Mers-Virus erfolgreich geimpft. Sie gelten als Überträger der
Infektionskrankheit auf den Menschen.
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Das Mers-Virus löst eine Erkrankung der Atemwege aus, die bei
Menschen tödlich verlaufen kann.
Als
Überträger des Virus gelten
Dromedare, einhöckrige Kamele. Forscher um Professor Dr. Albert
Osterhaus von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, um
Professor Dr. Gerd Sutter, Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen
der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München
(LMU) und um Professor Dr. Bart L. Haagmans vom Erasmus Medical Center
(MC) in Rotterdam haben ihren Impfstoffkandidaten MVA-MERS-S nun
erfolgreich an Dromedaren getestet. „
Wir haben zum ersten Mal gezeigt,
dass durch unseren Impfstoff die Viruslast in Kamelen signifikant
reduziert wird“, sagt Gerd Sutter. Die Ergebnisse veröffentlicht das
Forscherteam im renommierten Magazin Science.
Dromedare gelten als Überträger des MERS-Virus. Das Virus löst eine
Erkrankung der Atemwege aus, die bei Menschen tödlich verlaufen kann. Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Der
Impfstoffkandidat MVA-MERS-S wurde von Gerd Sutter bereits vor zwei
Jahren entwickelt. Der Virologe hat in Zusammenarbeit mit Forschern der
Philipps-Universität Marburg und des Erasmus MC ein Mers-Gen in ein
abgeschwächtes Pockenvirus (MVA) geschleust und so ein Impfvirus
hergestellt.
Die Wirksamkeit von MVA-MERS-S wurde in den vergangenen
Jahren bereits in mehreren Tests nachgewiesen. In der aktuellen
Untersuchung wurde der Impfstoff erstmals an Kamelen getestet.
Impfstoff schützt vor zwei Krankheiten
Das Mers-Virus wurde 2012 in Saudi-Arabien identifiziert, bislang wurden
weltweit 1.400 Infektionen bei Menschen gemeldet, wovon etwa ein
Drittel einen tödlichen Verlauf nahm. Eigentlich befällt das Virus
Dromedare, wie Untersuchungen zeigen. In den Tieren wurden unter anderem
Antikörper gegen das Virus nachgewiesen.
Die Infektion verläuft bei den
Tieren unauffällig, doch offenbar sind sie die Quelle für die
menschlichen Infektionen.
Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist
möglich.
Eine hochwirksame Impfung der Tiere gilt als ideale Strategie
gegen das Mers-Virus: Sie würde ihm seinen Wirt nehmen, die Krankheit
könnte nicht mehr zum Menschen überspringen, so die Überlegung, und die
Gefahr einer Seuche wäre gebannt.
Der Impfstoff aus dem Labor von Gerd Sutter bietet einen weiteren
Vorteil:
„MVA-MERS-S schützt zugleich gegen die Pockenerkrankung bei
Kamelen, einer den Menschenpocken sehr ähnlichen Infektion, die für die
Tiere lebensgefährlich sein kann“, sagt Bart L. Haagmans vom Erasmus MC.
Bei Kamelen äußert sich eine Infektion mit dem Mers-Virus vor allem in
den oberen Atemwegen. In der aktuellen Studie haben die Forscher acht
Kamele gezielt mit dem Erreger angesteckt. Die eine Gruppe wurde drei
Wochen zuvor sowohl intranasal als auch intramuskulär mit MVA-MERS-S
geimpft. „Durch die Impfung hatten die Tiere bereits ausreichend
Antikörper entwickelt, sodass eine Virusvermehrung und Erkrankung
geblockt werden konnten“, sagt Dr. Asisa Volz von der LMU. Die
Antikörper konnten sowohl in der Nasenschleimhaut als auch im Blut der
Tiere nachgewiesen werden. Die nicht-geimpften Tiere entwickelten
dagegen
die typische Nasen- und Nasennebenhöhleninfektion mit Symptomen
wie bei einem kräftigen Schnupfen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die
Impfung mit MVA-MERS-S die Anzahl ansteckender Mers-Erreger in der
Nasenschleimhaut von Kamelen deutlich reduziert“, sagt Albert Osterhaus
von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.
Klinischer Test am Menschen in Vorbereitung
MVA-MERS-S gilt auch als Impfstoffkandidat für Menschen. Nach mehreren
Tests erfüllt MVA-MERS-S inzwischen bereits wichtige Voraussetzungen, um
im Rahmen einer klinischen Studie erstmals am Menschen getestet zu
werden. Gerd Sutter leitet dafür am Deutschen Zentrum für
Infektionsforschung das Projekt „GMP manufacture and Phase I clinical
investigation of MVA-MERS-S, an experimental prophylactic vaccine
against the Middle East Respiratory Virus Syndrome“.
Bislang gibt es noch keinen Impfstoff, der Menschen im Fall einer
größeren Ansteckungswelle schützen könnte.
In Südkorea erkrankten im
Frühsommer dieses Jahres mehr als 180 Menschen. Der Ausbruch ging auf
einen einzelnen Patienten zurück, der zuvor arabische Länder bereist
hatte.
- Alle bisher bestätigten Infektionen hängen direkt oder indirekt
mit der arabischen Halbinsel zusammen, daher heißt das Virus „Middle
East Respiratory Syndrome Coronavirus“ (MERS-CoV).
- In Deutschland gab es
bislang drei Patienten mit einer Mers-Infektionen, die sich zuvor im
saudi-arabischen Raum angesteckt hatten.
Die Originalpublikation
An orthopoxvirus-based vaccine reduces virus excretion after MERS coronavirus infection in dromedary camels
Bart L. Haagmans, Judith M.A. van den Brand, V. Stalin Raj, Asisa Volz,
Peter Wohlsein, Saskia L. Smits, Debby Schipper, Theo M. Bestebroer,
Nisreen Okba, Robert Fux, Albert Bensaid, David Solanes Foz, Thijs
Kuiken, Wolfgang Baumgärtner, Joaquim Segalés Coma, Gerd Sutter, Albert
D.M.E. Osterhaus
Science, DOI: 10.1126/science.aad1283
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Professor Dr. Albert Osterhaus
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Sonja von Brethorst
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