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Die Leberzirrhose

Mit dem diesjährigen Motto „Leber gut – alles gut“ setzen die Ausrichter die Bedeutung der Leber als zentrales Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers in den Fokus und weisen darauf hin, dass in vielen Fällen die Entstehung einer Leberzirrhose vermeidbar ist.

Die Leberzirrhose ist in Deutschland ein bedeutendes gesundheitliches Problem: Schätzungen zufolge leiden etwa 500.000 Menschen an dieser chronischen Erkrankung. Im Vergleich mit allen chronischen Krankheiten, die in Deutschland einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen, hat die Leberzirrhose die höchste Sterberate. Die Erkrankung betrifft überwiegend Menschen mittleren und höheren Alters, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen.

Bei einer Leberzirrhose handelt es sich um eine ernstzunehmende chronische Lebererkrankung in einem späten Stadium. Das ehemals gesunde Lebergewebe ist dabei zu großen Teilen durch Narbengewebe ersetzt. Diese Bindegewebsbildung nennt man im ersten Stadium Fibrose. Diese geht der Leberzirrhose voraus. Durch die zunehmende bindegewebige Vernarbung wird die Funktionsfähigkeit der Leber erheblich beeinträchtigt und mündet in der Leberzirrhose: Alle Funktionen des lebenswichtigen Organs sind gestört, von der Entgiftung und dem Eiweißaufbau bis hin zur Speicherung von Kohlenhydraten oder der Bildung von Gallensäure.

Eine unbehandelte Leberzirrhose kann zu schweren Komplikationen wie Leberversagen und Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) führen. Wenn das Fortschreiten der Zirrhose die Leberfunktionen immer weiter einschränkt und ein komplettes Leberversagen droht, kann eine Lebertransplantation die einzige Rettung für den Betroffenen sein.

Die Leberzirrhose entwickelt sich oft über Jahre hinweg und bleibt in vielen Fällen lange unentdeckt, da sie in den frühen Stadien nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Oberbauchbeschwerden verursacht. Warum es so wichtig ist, die Leber untersuchen zu lassen, erläutert Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung: „Die Früherkennung einer Lebererkrankung wie der Leberzirrhose kann Leben retten, denn eine rechtzeitige Diagnose und Therapie der krankhaften Umbauprozesse kann die Krankheit deutlich verlangsamen oder sogar stoppen. Vorsorgeuntersuchungen und ein gesunder Lebensstil sind entscheidende Faktoren, um das Risiko für eine Leberzirrhose zu verringern. Vor allem der Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum, eine ausgewogene Ernährung sowie die Kontrolle von Risikofaktoren wie Diabetes und Fettleibigkeit können dazu beitragen, die Leber gesund zu halten. Die Diagnose einer Leberzirrhose erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Bluttests, Ultraschalluntersuchungen und eventuell einer Leberbiopsie, bei der eine Gewebeprobe entnommen wird. Auch moderne Bildgebungsverfahren wie die Elastografie, eine Art spezieller Ultraschall, können eingesetzt werden, um den Grad der Leberverhärtung zu messen.“

Häufigste Ursachen einer Leberzirrhose

Leberzirrhose kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, die eine Leber über längere Zeit schädigen, die häufigsten sind:

• Alkoholmissbrauch: Langjähriger, übermäßiger Alkoholkonsum ist die häufigste Ursache für Leberzirrhose in Deutschland. Chronischer Alkoholkonsum schädigt die Leberzellen und führt allmählich zur Bildung von Narbengewebe. Seit Sommer 2023 lautet der Fachbegriff für diese Erkrankung, die einer Leberzirrhose vorausgeht, Alkohol-assoziierte Lebererkrankung (ALD).

• Metabolische dysfunktions-assoziierte Steatotische Lebererkrankung (MASLD): Adipositas, Diabetes mellitus und ein ungesunder Lebensstil tragen zur Entwicklung der MASLD bei, die ebenfalls in eine Zirrhose übergehen kann. MASLD ist eine der am schnellsten zunehmenden Ursachen für Lebererkrankungen weltweit. Auch eine Ursachen-Kombination ist möglich: Wenn ein Patient mit MASLD zusätzlich einen erhöhten Alkoholkonsum hat, lautet die Diagnose: Metabolische dysfunktions-assoziierte Steatotische Lebererkrankung mit erhöhtem Alkoholkonsum (MetALD).

• Chronische Virushepatitis: Infektionen mit den Hepatitis-Viren B, C und D sind weltweit eine führende Ursache für Leberzirrhose. Diese Viren verursachen chronische Entzündungen der Leber, die langfristig zu einer Zirrhose führen können.

• Autoimmunerkrankungen: Krankheiten wie die Autoimmunhepatitis (AIH) oder Primär Biliäre Cholangitis (PBC) können die Leber schädigen, indem das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Leberzellen angreift. Infolge dieser Erkrankungen kann es zu einer Leberzirrhose kommen.

• Toxine und Medikamente: Die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente oder der Kontakt mit giftigen Substanzen kann ebenfalls zu einer Leberschädigung führen, die in eine Leberzirrhose münden kann.

• Auch Seltene Lebererkrankungen können zu einer Zirrhose führen.

Therapie der Leberzirrhose

Die Leberzirrhose im fortgeschrittenen Stadium ist nicht heilbar. Allerdings kann die erfolgreiche Behandlung der jeweiligen Grunderkrankung erreichen, dass die Leberschädigung zum Stillstand kommt: Hierzu gehören antivirale Therapien gegen Hepatitis B, C und D, Immunsuppression bei Autoimmunhepatitis oder spezifische Medikamente bei PBC und anderen Lebererkrankungen. In einigen solcher Fälle wie zum Beispiel nach geheilter Hepatitis C wurden sogar Fälle beobachtet, in denen sich Narbengewebe zurückbildete und wieder vermehrt von gesundem Lebergewebe ersetzt wurde.

Die Behandlung der Zirrhose selbst zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern oder zu verlangsamen, Komplikationen zu behandeln und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Auch eine gezielte Ernährungstherapie spielt bei der Behandlung von Leberzirrhose eine zentrale Rolle. Die individuelle Anpassung der Ernährung sollte stets in Absprache mit einem Ernährungsberater oder Arzt und gemäß den aktuellen Leitlinien erfolgen.

Vorhofflimmern und Schlaganfall

Viele Patient:innen mit Vorhofflimmern erleiden Schlaganfälle, andere kardiovaskuläre Komplikationen oder sterben am Herztod. 

Eine frühe rhythmuserhaltende Behandlung kann einige dieser Ereignisse verhindern, wird jedoch älteren Patient:innen mit Begleitkrankheiten oft nicht angeboten. 

Die Katheterablation ist die wirksamste rhythmuserhaltende Therapie, wurde aber bisher vorwiegend bei jüngeren Menschen getestet. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) initiierte daher die EASThigh – AFNET 11 Studie, um zu untersuchen, ob eine frühe Katheterablation die Folgen bei Patient:innen mit Vorhofflimmern und Begleitkrankheiten verringern kann. Am 14.10.2024 wurde die erste Patientin eingeschlossen.

Weltweit leidet eine wachsende Zahl von Menschen an Vorhofflimmern. Die Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Herzschwäche, Tod und Demenz. Viele Patient:innen entwickeln Vorhofflimmern im hohen Alter, und ältere Menschen mit kardiovaskulären Begleiterkrankungen haben das höchste Risiko für vorhofflimmerbedingte Komplikationen.

Die 2020 erfolgreich abgeschlossene EAST – AFNET 4 Studie und nachfolgende Subanalysen haben gezeigt, dass eine frühzeitig eingeleitete systematische rhythmuserhaltende Therapie bei allen Patient:innen, die Antiarrhythmika oder eine Vorhofflimmerablation erhalten, die mit Vorhofflimmern verbundenen Komplikationen im Vergleich zur üblichen Behandlung verringern kann (1). Diese Ergebnisse und nachfolgende Analysen anderer Studien führten zu einem Paradigmenwechsel bei der Behandlung von Vorhofflimmern hin zu einem früheren und breiteren Einsatz der rhythmuserhaltenden Therapie.

Vorab festgelegte sekundäre Analysen der EAST – AFNET 4 Daten ergeben, dass Patient:innen mit Vorhofflimmern und mehreren zusätzlichen Erkrankungen am meisten von einer frühen rhythmuserhaltenden Therapie profitieren (2). Diese positive Wirkung einer frühen rhythmuserhaltenden Behandlung wird durch das Erreichen eines Sinusrhythmus vermittelt (3). Die Vorhofflimmerablation ist die wirksamste rhythmuserhaltende Behandlung und daher eine attraktive Therapie zum Rhythmuserhalt bei Patient:innen mit vielen Begleiterkrankungen, die viele weitere Medikamente benötigen und ein hohes Risiko für Vorhofflimmer-Rezidive haben.

Die EASThigh – AFNET 11 (Early atrial fibrillation ablation for stroke prevention in patients with high comorbidity burden) Studie testet deshalb die frühzeitige Vorhofflimmerablation in den Pulmonalvenen als rhythmuserhaltende Therapie der ersten Wahl bei älteren Patient:innen mit mehreren Begleiterkrankungen, definiert durch einen CHA2DS2VASc Score von 4 oder höher.

Bei Eintritt in die Studie werden alle Teilnehmer:innen nach dem Zufallsprinzip einer von zwei gleich großen Gruppen zugeordnet, wo sie entweder eine frühe Vorhofflimmerablation mit etablierten Single-Shot-Geräten oder die heute übliche Behandlung mit Antikoagulation und leitliniengerechter Behandlung bestehender Begleiterkrankungen erhalten. EASThigh – AFNET 11 plant den Einschluss von etwa 2350 Patient:innen an 200 Standorten in Europa, Kanada und Australien. Zur Beurteilung der Wirksamkeit (primary outcome) werden kardiovaskuläre Todesfälle, Schlaganfälle und Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzschwäche untersucht. Die Sicherheit wird anhand von Komplikationen im Zusammenhang mit der Ablation und anhand von Todesfällen bewertet (safety outcome).

Die rhythmuserhaltende Therapie und insbesondere die Ablation von Vorhofflimmern wird bei älteren Patient:innen mit Vorhofflimmern und Begleiterkrankungen noch nicht häufig eingesetzt. Die Studie wird die Sicherheit und Wirksamkeit der frühen Vorhofflimmerablation in dieser unzureichend erforschten Bevölkerungsgruppe untersuchen. Obwohl die Vorhofflimmerablation eine ausgereifte Technologie ist, gibt es nur wenige kontrollierte Studien zur Sicherheit der Vorhofflimmerablation bei älteren Menschen mit Vorhofflimmern und Begleiterkrankungen. Die EASThigh – AFNET 11 Wissenschaftler:innen wollen diese Evidenzlücke schließen.

Der internationale Studienleiter von EASThigh – AFNET 11 und Vorstandsvorsitzende des AFNET, Prof. Paulus Kirchhof, Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), Hamburg, verdeutlicht die Rolle der Katheterablation: "Die komplikationsverhindernde Wirkung des frühen Rhythmuserhalts beruhte in der EAST – AFNET 4 Studie vor allem auf dem sicheren Einsatz von etablierten Antiarrhythmika. EASThigh – AFNET 11 untersucht eine effektivere rhythmuserhaltende Therapie, nämlich die Vorhofflimmerablation. Dies ist ein logischer und wichtiger nächster Schritt, um die Rolle der frühzeitigen Vorhofflimmerablation zur Unterstützung unserer Patient:innen mit Vorhofflimmern zu bestimmen.“

Prof. Andreas Goette, St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn, Deutschland, Mitglied des wissenschaftlichen Lenkungsgremiums von EASThigh – AFNET 11 und des AFNET Vorstands, formuliert die Erwartungen an die Studie wie folgt: "Die Ergebnisse werden in die Praxisleitlinien und in die Routineversorgung einfließen und dazu beitragen, die beste Behandlung für Patient:innen mit Vorhofflimmern und mehreren Begleiterkrankungen zu definieren. Die Ergebnisse der EASThigh – AFNET 11 Studie haben ein großes Potenzial, zu einem gesünderen Altern in einer großen Bevölkerungsgruppe mit erhöhtem Risiko für vorzeitigen Tod, Schlaganfall und Herzschwäche beizutragen."

Der Ko-Leiter der EASThigh – AFNET 11 Studie, Dr. Andreas Rillig, UKE, erklärt: „Um die Sicherheit zu maximieren und eine konsistente Wirksamkeit zu gewährleisten, soll die frühe Vorhofflimmerablation in EASThigh – AFNET 11 durch eine Single Shot-Kryoballon-basierte Isolierung der Lungenvenen durchgeführt werden. EASThigh – AFNET 11 ist eine Teamleistung, dank derer es gelungen ist, heute die erste Patientin zu randomisieren."

EASThigh – AFNET 11 ist wie EAST – AFNET 4 eine wissenschaftsinitiierte Studie (IIT), die zwei zugelassene Behandlungsstrategien bei Patient:innen mit Vorhofflimmern vergleicht. Sponsor der Studie ist AFNET. Die Studie wurde vom Global Cardiovascular Research Funders Forum befürwortet wird derzeit von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS), anderen öffentlichen Geldgebern und von Medtronic finanziert. Zu den Mitgliedern des Lenkungsgremiums gehören Paulus Kirchhof AFNET und Hamburg, Andreas Rillig, Hamburg, Jason Andrade, Vancouver, Kanada, Andreas Goette, AFNET und Paderborn, José Merino, Madrid, Spanien, Andreas Metzner, Hamburg, Jens Cosedis Nielsen, Aarhus, Dänemark, Andre Ng, Leicester, Großbritannien, Sam Riahi, Aalborg, Dänemark, Prash Sanders, Adelaide, Australien, Ulrich Schotten, AFNET und Maastricht, Niederlande, Kevin Vernooy, Maastricht, Stephan Willems, AFNET und Hamburg und Antonia Zapf, AFNET und Hamburg, sowie ein Patient:innenvertreter, der die Perspektive der Betroffenen mit einbringt.


Publikationen

(1) Kirchhof P, Camm AJ, Goette A, Brandes A, Eckardt L, Elvan A, Fetsch T, van Gelder IC, Haase D, Haegeli LM, Hamann F, Heidbüchel H, Hindricks G, Kautzner J, Kuck K-H, Mont L, Ng GA, Rekosz J, Schön N, Schotten U, Suling A, Taggeselle J, Themistoclakis S, Vettorazzi E, Vardas P, Wegscheider K, Willems S, Crijns HJGM, Breithardt G, for the EAST–AFNET 4 trial investigators. Early rhythm control therapy in patients with atrial fibrillation. N Engl J Med 2020; 383:1305-1316. DOI: 10.1056/NEJMoa2019422
(2) Rillig A, Borof K, Breithardt G, Camm AJ, Crijns HJGM, Goette A, Kuck KH, Metzner A, Vardas P, Vettorazzi E, Wegscheider K, Zapf A, Kirchhof P. Early rhythm control in patients with atrial fibrillation and high comorbidity burden. Circulation. 2022 Sep 13;146(11):836-847. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.122.060274
(3) Eckardt L et al. Attaining sinus rhythm mediates improved outcome with early rhythm control therapy of atrial fibrillation: the EAST – AFNET 4 trial. Eur Heart J, 2022 Oct 21;43(40):4127-4144. DOI: 10.1093/eurheartj/ehac471

Registrierung: NCT06324188


EAST – AFNET 4 Studie

EAST – AFNET 4 wurde 2020 abgeschlossen. In der wissenschaftsinitiierten Studie wurden zwei unterschiedliche Behandlungsstrategien bei Vorhofflimmern verglichen wurden. Die EAST – AFNET 4 Studie testete, ob eine frühe und umfassende rhythmuserhaltende Therapie bei Patient:innen mit Vorhofflimmern kardiovaskuläre Komplikationen besser verhindert als die übliche Behandlung.

Insgesamt 2789 Menschen mit frühem Vorhofflimmern (weniger als ein Jahr nach der ersten Diagnose) und mindestens zwei Herz-Kreislauf-Erkrankungen (annähernd ein CHA₂DS₂-VASc-Score von mindestens 2) nahmen an der EAST – AFNET 4 Studie teil. Sie wurden von 2011 bis 2016 in 135 Kliniken und Praxen in elf europäischen Ländern in die Studie eingeschlossen. Die Studienteilnehmer:innen wurden einer der beiden Behandlungsgruppen „früher Rhythmuserhalt“ oder „übliche Behandlung“ nach dem Zufallsprinzip zugeordnet (Randomisierung). Die Patient:innen in beiden Gruppen erhielten eine von den Leitlinien empfohlene Behandlung kardiovaskulärer Begleiterkrankungen, Blutgerinnungshemmung und Frequenzregulierung.

Alle Patient:innen der Gruppe „früher Rhythmuserhalt“ erhielten nach der Randomisierung zusätzlich Antiarrhythmika oder eine Katheterablation (von den lokalen Studienteams ausgewählt). Die rhythmuserhaltende Therapie wurde durch Vorhofflimmerablation und/oder Antiarrhythmika eskaliert, wenn ein rezidivierendes Vorhofflimmern klinisch oder per EKG dokumentiert wurde, einschließlich der Überwachung mit vom Patienten selbst betriebenen EKG-Geräten.

Patient:innen der Gruppe „übliche Behandlung“ wurden zunächst frequenzregulierend behandelt. Eine rhythmuserhaltende Therapie entsprechend den geltenden Leitlinien wurde nur eingesetzt, um durch Vorhofflimmern verursachte Symptome zu bessern, die trotz optimaler Frequenzregulierung auftraten.

In mehreren Veröffentlichungen wurde über die Auswirkungen der frühen rhythmuserhaltenden Therapie in verschiedenen Subpopulationen berichtet sowie über die Wechselwirkung der frühen rhythmuserhaltenden Therapie mit genetischen Daten und Biomolekülkonzentrationen in der EAST – AFNET 4 Biomolekülstudie.


EAST – AFNET 4 Subanalysen

• Rillig A et al. Early rhythm control therapy in patients with heart failure. Circulation 2021;144(11):845-858. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.056323
• Metzner A et al. Anticoagulation, therapy of concomitant conditions, and early rhythm control therapy: a detailed analysis of treatment patterns in the EAST - AFNET 4 trial. EP Europace 2022; 24:552–564. DOI: 10.1093/europace/euab200
• Willems S et al. Systematic, early rhythm control therapy equally improves outcomes in asymptomatic and symptomatic patients with atrial fibrillation: the EAST-AFNET 4 Trial. Eur Heart J. 2022; 43:1219-1230. DOI: 10.1093/eurheartj/ehab593
• Goette A et al. Presenting Pattern of Atrial Fibrillation and Outcomes of Early Rhythm Control Therapy. J Am Coll Cardiol. 2022; 80:283-95. DOI: 10.1016/j.jacc.2022.04.058
• Rillig A et al. Early rhythm control in patients with atrial fibrillation and high comorbidity burden. Circulation. 2022 Sep 13;146(11):836-847. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.122.060274
• Eckardt L et al. Attaining sinus rhythm mediates improved outcome with early rhythm control therapy of atrial fibrillation: the EAST – AFNET 4 trial. Eur Heart J, 2022 Oct 21;43(40):4127-4144. DOI: 10.1093/eurheartj/ehac471
• Jensen M et al. Early rhythm-control therapy for atrial fibrillation in patients with a history of stroke: a subgroup analysis of the EAST- AFNET 4 trial. Lancet Neurol 2023; 22: 45–54. DOI: 10.1016/PIIS1474-4422(22)00436-7
• Van Gelder IC et al; EAST-AFNET 4 Trial Investigators. Sex Differences in Early Rhythm Control of Atrial Fibrillation in the EAST-AFNET 4 Trial. J Am Coll Cardiol. 2023 Feb 28;81(8):845-847. DOI: 10.1016/j.jacc.2022.12.011
• Gottschalk S et al. Cost- effectiveness of early rhythm-control versus usual care in atrial fibrillation care: an analysis based on the German subsample of the EAST-AFNET 4 trial. EP Europace 2023 May 19;25(5). DOI: 10.1093/europace/euad051
• Kany S et al. Association of genetic risk and outcomes in patients with early rhythm control therapy in atrial fibrillation: results from the EAST-AFNET4 study. Cardiovasc Res 2023 Aug 7;119(9):1799-1810. DOI: 10.1093/cvr/cvad027
• Fabritz L et al. Blood-based cardiometabolic phenotypes in atrial fibrillation and their associated risk: EAST-AFNET 4 biomolecule study. Cardiovasc Res 2024. DOI: 10.1093/cvr/cvae067
• Rillig A et al. Safety and efficacy of long-term sodium channel blocker therapy for early rhythm control: the EAST-AFNET 4 trial. Europace 2024 Jun 3;26(6). DOI: 10.1093/europace/euae121


Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres Forschungsnetzwerk, in dem Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen aus Kliniken und Praxen zusammenarbeiten, um die Behandlung von Vorhofflimmern durch koordinierte Forschung in Deutschland, Europa und weltweit zu verbessern. Dazu führt das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. wissenschaftsinitiierte, nicht-kommerzielle, klinische Studien (investigator initiated trials = IIT), Register und translationale Forschungsprojekte in Deutschland und weltweit durch. Das AFNET wurde vor über 20 Jahren erschaffen und anfangs vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Der heutige Verein AFNET e.V. wurde 2010 gegründet und führt die Arbeiten fort. Projekte und Infrastrukturen des AFNET erhalten finanzielle Unterstützung vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), aus EU-Forschungsmitteln und von Industriepartnern. Das AFNET verfügt über langjährige Erfahrung in der Behandlung von Vorhofflimmern, unterstützt aber auch Forschungsarbeiten in anderen Bereichen, die für die kardiovaskuläre Versorgung relevant sind. Außerdem veranstaltet das AFNET regelmäßige Konsensuskonferenzen mit der European Heart Rhythm Association (EHRA). Die Erkenntnisse aus der mittlerweile 20jährigen klinischen und translationalen Forschung des Forschungsnetzes haben das Leben von Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbessert und Behandlungsleitlinien beeinflusst.


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Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)
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Einfluss von Operationen und Opiaden

Macht eine postoperative Schmerztherapie mit Opioiden süchtig? 

In den USA und einigen anderen Ländern der Welt, die mit massivem Opioid-Fehlgebrauch zu kämpfen haben, wird dies vermutet und hat bereits zu der Empfehlung geführt, auf dieses Schmerzmittel während und nach Narkosen zu verzichten. 

Auch in Deutschland ist der Gesamt-Opioidverbrauch seit Jahren relativ hoch – eine Forschungsgruppe unter Leitung des Universitätsklinikums Jena untersuchte nun, ob Operationen eine längerfristige Opioideinnahme auslösen könnten und ob bestimmte Eingriffe dazu besonders beitragen.

Dazu wurden in den Daten von allen im Jahr 2018 operierten BARMER Versicherten analysiert, ob in den beiden Quartalen nach einer Operation eine Opioidverschreibung erfolgte. 


Um den Einfluss von Operation, Narkose und postoperative Schmerztherapie als mögliche Auslöser für eine langfristige Opioideinnahme untersuchen zu können, wurden Menschen mit Krebserkrankungen bzw. einer vorbestehenden Opioideinnahme von der Analyse ausgeschlossen. 


Die gute Nachricht: Bei allen mehr als 200.000 operierten Patientinnen und Patienten wurden sechs Monate nach der Operation nur 1,4 Prozent derartige Schmerzmittel verschrieben. 


„Diese Zahl ist in Nordamerika drei- bis viermal höher“, betont Johannes Dreiling, Erstautor der Studie aus Jena.

Die Studie verglich jedoch auch erstmals detailliert Unterschiede zwischen einzelnen Operationen – mit teils erstaunlichen Ergebnissen. 


So lag nach Wirbelsäulen-, Schulter- und Sprunggelenksoperationen sowie Gelenkersatz-Wiederholungseingriffen der langfristige Opioidkonsum um den Faktor 3 bis 7 höher als der Durchschnitt. 


Absoluter „Spitzenreiter“ waren jedoch Amputationen, nach denen ca. 15 bis 20 Prozent der Betroffenen längere Zeit Opioide verschrieben bekamen. 


Ursula Marschall, Leiterin Versorgungsforschung der BARMER: „Diese Ergebnisse deuten an, dass Opioide nach Operationen nicht generell verdammt werden sollten, zumal sie weniger organschädigende Wirkungen haben als viele andere Schmerzmittel. Aber nach bestimmten Operationen müssen wir Patientinnen und Patienten enger als bisher betreuen und begleiten, um Schmerz- und Medikationsprobleme, sowie eine möglicherweise beginnende Abhängigkeit rechtzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln.“

Neben der Operation konnten in der Studie noch weitere Risikofaktoren für einen längerfristigen Opioidgebrauch identifiziert werden. Dazu gehören eine Verschreibung von Antidepressiva und anderen Schmerzmitteln bereits vor der Operation, Alkoholmissbrauch sowie vorbestehende chronische Schmerzen. „Unsere Arbeit belegt erneut, welches Potential, aber auch welche Limitationen Auswertungen von Routine- und Registerdaten haben. So können Krankenkassendaten sehr exakte Angaben zur Medikamentenverschreibung liefern. Es ist jedoch schwierig herauszufinden, warum diese Medikamente eingenommen wurden. Daher können wir nicht genau erkennen, bei welchen Menschen die Opioideinnahme gerechtfertigt war. Die Analyse von Krankenkassendaten wird aber auch in Zukunft ein wichtiger Baustein der Versorgungsforschung sein“, so Letztautor Daniel Schwarzkopf.

Die Studie ist im Rahmen des Projektes LOPSTER entstanden, das vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert wurde.

Universitätsklinikum Jena
Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) ist die einzige Hochschulmedizin Thüringens und mit fast 7.000 Mitarbeitenden der größte Arbeitgeber der Region. An der Medizinischen Fakultät werden 2.700 Medizin-, Zahnmedizin- und Masterstudierende ausgebildet, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 50 Nationen forschen hier an der Weiterentwicklung der Medizin. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Sepsis- und Infektionsforschung, dem Altern und alternsassoziierten Erkrankungen sowie der Medizinischen Optik und Photonik. In den Kliniken und Polikliniken des UKJ werden jährlich mehr als 300.000 Patientinnen Patienten stationär und ambulant versorgt. www.uniklinikum-jena.de

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PD Dr. phil./med. habil. Daniel Schwarzkopf
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Jena
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Klinikum 1
07747 Jena
daniel.schwarzkopf@med.uni-jena.de

Originalpublikation:
Dreiling J, Rose N, Arnold C, Baumbach P, Fleischmann-Struzek C, Kubulus C, Komann M, Marschall U, Rittner HL, Volk T, Meißner W, Schwarzkopf D: The incidence and risk factors of persistent opioid use after surgery—a retrospective secondary data analysis. Dtsch Arztebl Int 2024; 121: online first. https://www.aerzteblatt.de/int/archive/article/241469 , DOI:10.3238/arztebl.m2024.0200

Frauen in den Wechseljahren ...auch im Beruf

Über 7,5 Millionen berufstätige Frauen in Deutschland befinden sich in den Wechseljahren. 

Viele leiden unter Symptomen wie Hitzewallungen, Konzentrationsproblemen und Stimmungsschwankungen, die ihre Arbeitsleistung beeinträchtigen. 

Dennoch bleibt das Thema häufig ein Tabu und wird selten in betrieblichen Gesundheitsprogrammen behandelt. 

Das vom IFAF Berlin geförderte Projekt "MenoSupport" hat sich in den letzten beiden Jahren mit dieser Thematik beschäftigt. 

Zum Projektabschluss ist eine Publikation mit den Ergebnissen entstanden, sie erscheint im Januar 2025 im Transcript Verlag.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Nitsche konzentrierte sich das Team der HTW Berlin darauf, ein Gesundheitsmanagementkonzept (BGM) zu entwickeln, das speziell auf die Bedürfnisse von Frauen in den Wechseljahren abgestimmt ist. 


Ziel des Projekts war es, Unternehmen praktische Lösungen an die Hand zu geben, um eine unterstützende Arbeitsumgebung für betroffene Frauen zu schaffen. 


Das daraus entstandene Buch Wechseljahre am Arbeitsplatz: Handlungskonzept für ein innovatives betriebliches Gesundheitsmanagement, verfasst von Dr. Jennifer Chan de Avila und Prof. Dr. Sabine Nitsche, fasst die Forschungsergebnisse zusammen und bietet Unternehmen einen umfassenden Leitfaden. Es wird im Januar 2025 im Transcript Verlag als Open Access-Publikation erscheinen.

MenoMATRIX und MenoMAPP: Wichtige Forschungsergebnisse der HTW Berlin

Ein Ergebnis des Projekts ist die MenoMATRIX, ein innovatives Rahmenwerk, das die physischen, psychischen und sozio-affektiven Dimensionen der Wechseljahre berücksichtigt. Dieses Instrument hilft Unternehmen dabei, den Unterstützungsbedarf ihrer Mitarbeiterinnen zu ermitteln und maßgeschneiderte Maßnahmen zur Unterstützung zu entwickeln. Das Buch stellt außerdem den MenoMAPP-Prozess vor. Hierbei handelt es sich um einen schrittweisen Ansatz, der Unternehmen bei der Entwicklung, Umsetzung und Evaluation von Maßnahmen zur Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren leitet. Der vierstufige Prozess — Messen, Analysieren, Planen und Praktizieren — bietet Organisationen praktische Werkzeuge, um ein inklusives und unterstützendes Arbeitsumfeld zu schaffen, das das Wohlbefinden von Frauen in den Wechseljahren verbessert und gleichzeitig die allgemeine Mitarbeitendenzufriedenheit und -bindung erhöht.

Zukünftige Perspektiven

Da das entwickelte Rahmenwerk und der MenoMAPP-Prozess auf großes Interesse gestoßen sind, evaluiert das Team der HTW Berlin aktuell Optionen für Pilotprojekte mit Unternehmen. Ziel ist es, die Praxistauglichkeit der Instrumente in realen Arbeitsumgebungen zu testen und Unternehmen dabei zu unterstützen, effektive Strategien zur Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren zu entwickeln.

Ein Aufruf zum Wandel

Die Forschung der HTW Berlin liefert praxisnahe und umsetzbare Strategien, um eine wechseljahresfreundliche Unternehmenskultur zu schaffen. 


Das Buch fordert Unternehmen auf, das Schweigen über die Wechseljahre zu brechen und aktiv Maßnahmen zu ergreifen, um das Wohlbefinden von Frauen zu fördern. 


Dies ist nicht nur eine Frage der Inklusion und Gerechtigkeit, sondern bietet Unternehmen auch die Chance, die Mitarbeitendenzufriedenheit zu steigern und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Über die Autorinnen

Prof. Dr. Sabine Nitsche ist Professorin für Management an der HTW Berlin und spezialisiert auf internationales Personalmanagement. Sie hat zahlreiche Forschungsprojekte im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements geleitet.

Dr. Jennifer Chan de Avila ist Expertin für Gender und Diversität und promovierte an der Freien Universität Berlin. 


Sie ist außerdem zertifizierte Wechseljahre-Doula und Beraterin für Wechseljahre am Arbeitsplatz.

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Prof. Dr. Sabine Nitsche
Telefon: 030 5019-2406
E-Mail: Sabine.Nitsche@HTW-Berlin.de

Gesundheit mit der 4 Tage Woche

Wirtschaftswissenschaftlerin stellt Studien-Ergebnisse zum Vier-Tage-Pilotprojekt vor

Seit Anfang 2024 nahmen 45 Organisationen aus verschiedenen Branchen an einem sechsmonatigen Pilotprojekt zur Einführung der Vier-Tage-Woche teil. Die Ergebnisse der deutschlandweiten Studie zeigen eine signifikant positive Veränderung der Lebenszufriedenheit.


Das Wohlbefinden steigt, wenn die Arbeitszeit sinkt – bei gleichbleibender oder sogar leicht steigender Produktivität. Das belegt eine deutschlandweite Studie der Universität Münster unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Julia Backmann und Co-Leitung von Dr. Felix Hoch.


 „Die Vier-Tage-Woche führte zu einer signifikant positiven Veränderung der Lebenszufriedenheit, die sich hauptsächlich durch die zusätzliche Freizeit ergab“, betont die Forscherin. Vor dem Pilotprojekt äußerten demnach 64 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Wunsch, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Nach der Einführung der Vier-Tage-Woche sei dieser Wert auf 50 Prozent gesunken.

Seit Anfang 2024 nahmen 45 Organisationen aus verschiedenen Branchen in Deutschland an einem sechsmonatigen Pilotprojekt der Berliner Unternehmensberatung Intraprenör und der Organisation „4 Day Week Global“ zur Einführung der Vier-Tage-Woche teil. Am 18. Oktober (Freitag) stellte die Wirtschaftswissenschaftlerin mit Carsten Meier, Co-Initiator des Pilotprojekts und Geschäftsführer von Intraprenör, die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse vor.

Die Organisationen versprachen sich von der Teilnahme an der Studie Antworten auf die Fragen, ob die Vier-Tage-Woche eine Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, eine bessere Mitarbeitergesundheit und eine tragfähige Zukunftsausrichtung zur Folge haben kann und wie sich die Veränderungen auf die Produktivität auswirken. „Zwar zeigten sich leichte Steigerungen in den finanziellen Leistungskennzahlen wie Umsatz und Gewinn, diese unterschieden sich jedoch nicht signifikant vom Vorjahr. Dennoch deuten die gleichbleibenden Kennzahlen trotz reduzierter Arbeitszeit auf mögliche Produktivitätsgewinne hin“, erläutert Julia Backmann. Selbstauskünfte der Geschäftsführung und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stützten die Annahme, dass sich die Produktivität während des Pilotprojekts verbesserte. „Tendenziell haben beide Seiten einen Produktivitätsanstieg wahrgenommen.“

Die reduzierte Arbeitszeit wurde nicht durch erhöhte Überstunden ausgeglichen. Stattdessen nahmen die Belegschaften verschiedene Anpassungen vor. 


Jeweils über 60 Prozent nannte die Reduzierung von Ablenkungen und die Optimierung von Prozessen, gut die Hälfte der Unternehmen veränderte die Meetingkultur, indem sie beispielsweise die Frequenz und die Länge der internen Treffen verringerte. Ein Viertel der Befragten führte neue digitale Werkzeuge ein, um die Effizienz weiter zu steigern. „Das Potenzial der verkürzten Arbeitszeit scheint unter komplizierten Prozessen, Meetings und geringer Digitalisierung zu schlummern“, erläutert Co-Initiator Carsten Meier. „Unternehmen müssen in die notwendige Veränderungsarbeit investieren, um eine Vier-Tage-Woche herauszubekommen.“

Die Mitarbeiter berichteten von signifikanten Verbesserungen ihrer mentalen und körperlichen Gesundheit, unterstreicht Julia Backmann. Die Beschäftigten berichteten von weniger Stress und Burnout-Symptomen. Physiologische Daten wurden in der Studie zudem mit Fitness-Trackern gemessen. Die Einführung der Vier-Tage-Woche führte demnach zu einem Anstieg der täglichen Aktivitätslevel, gemessen an Schrittzahlen und körperlicher Bewegung. Zudem schliefen die Testpersonen der Vier-Tage-Woche im Durchschnitt 38 Minuten länger pro Woche als die Kontrollgruppe. Die Werte – gemessen in Stressminuten pro Tag über eine Smartwatch – fielen in der Vier-Tage-Woche-Gruppe niedriger aus als bei der Kontrollgruppe.

Die Organisationsdaten zeigen zwar einen leichten Rückgang der monatlichen Krankentage, der Unterschied war im Vergleich zu 2023 statistisch jedoch nicht signifikant. Anders als bei ähnlichen Studien im Ausland fand das Team der Universität Münster keine Hinweise darauf, dass die Vier-Tage-Woche das umweltbewusste Verhalten oder den ökologischen Fußabdruck positiv beeinflusst. Beispielsweise zeigt sich eher, dass die Teilnehmer häufiger Inlandsreisen unternahmen als zuvor.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Vier-Tage-Woche hierzulande nicht mit dem Projekt endet. Mehr als 70 Prozent der Organisationen gaben an, sie über die sechsmonatige Pilotphase hinaus fortsetzen zu wollen, entweder durch Verlängerung der Testphase oder durch eine vollständige Implementierung.

Methode

Die Forschung umfasste drei Wellen der Datenerhebung. Das Forschungsteam führte Interviews sowie quantitative Befragungen der Mitarbeitenden und Organisationen durch und sammelten physiologische Daten, beispielsweise von Smartwatch-Trackern und durch den Nachweis des Stresshormons Cortisol in Haarproben. Organisationskennzahlen rundeten das Gesamtbild ab. Daten von Kontrollgruppen innerhalb der Organisationen, die die Vier-Tage-Woche nicht vollständig eingeführt hatten, wurden ebenfalls erhoben.
Die Organisationen entschieden selbst, wie sie die Vier-Tage-Woche umsetzen wollten. 60 Prozent von ihnen wendeten sie auf die gesamte Belegschaft an. Größere Organisationen führten die Vier-Tage-Woche nur für bestimmte Mitarbeitende oder Teams ein. Die Modelle unterschieden sich im Umfang der Arbeitszeitreduzierung und in der Flexibilität der freien Tage. Die Mehrheit (85 Prozent) gewährte einen freien Tag pro Woche an einem festgelegten oder rotierenden Tag.

Die teilnehmenden Organisationen deckten eine Vielzahl von Branchen ab, darunter Beratung und Dienstleistungen, Fertigung, soziale Dienste, IT und Medien. Die Größe reichte von Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden (15 Prozent) bis hin zu Groß-Organisationen mit mehr als 250 Mitarbeitenden (14 Prozent). Der Großteil der Organisationen bestand aus kleinen (10-49 Mitarbeiter) und mittelgroßen (50 bis 249 Mitarbeiter) Organisationen. Die Organisationen konnten bis zu 15 digitale Workshops besuchen, zum Beispiel zur Identifizierung des passenden Modells und Optimierung von Arbeitsprozessen. Zusätzlich konnten sie an digitalen und persönlichen Netzwerktreffen teilnehmen, um Erfahrungen und Erkenntnisse auszutauschen.

Während 51 Prozent der Organisationen den offiziellen Starttermin am 1. Februar 2024 einhielten, begannen Andere zwischen Januar und Juni. Im Oktober 2024 haben 41 Organisationen die Testphase entweder abgeschlossen oder stehen kurz davor. Von den ursprünglich 45 Organisationen brachen zwei ihre Teilnahme aufgrund wirtschaftlicher Herausforderungen oder mangelnder interner Unterstützung für die Vier-Tage-Woche ab – beides größere Organisationen.

Hintergrund

In mehreren Ländern, beispielsweise in den USA, Portugal und Großbritannien, gab es Experimente und Projekte zur Vier-Tage-Woche. In Partnerschaft mit der Non-Profit-Organisation „4 Day Week Global“ organisierte das Berliner Beratungsunternehmen Intraprenör die erste groß angelegte Pilotstudie zur Vier-Tage-Woche für Deutschland. Bei der Pilotstudie handelte es sich um einen wissenschaftlich und organisatorisch begleiteten, sechsmonatigen Test der Vier-Tage-Woche in Organisationen. Dabei lag der Fokus auf der Erprobung einer reduzierten Arbeitszeit bei gleichbleibendem Gehalt und gleichbleibender Produktivität.

Prof. Dr. Julia Backmann ist Lehrstuhlinhaberin für Transformation der Arbeitswelt, Co-Direktorin des Centers for Business Transformation an der Universität Münster und wissenschaftliche Leiterin der Pilotstudie zur Vier-Tage-Woche. Dr. Felix Hoch ist akademischer Rat am Lehrstuhl für Transformation der Arbeitswelt der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie wissenschaftliche Co-Leitung der Pilotstudie zur Vier-Tage-Woche. Carsten Meier ist Managing Partner und Co-Founder der Unternehmensberatung Intraprenör sowie Co-Initiator der Pilotstudie zur Vier-Tage-Woche in Deutschland.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildung en VOR ORT


Prof. Dr. Julia Backmann und Dr. Felix Hoch
Lehrstuhl für Transformation der Arbeitswelt
Schlossplatz 3
48149 Münster
Deutschland
tow@wiwi.uni-muenster.de
Weitere Informationen finden Sie unter
Zusammenfassung der Studie auf den Seiten des Lehrstuhls für Transformation der Arbeitswelt

Pflege Verantwortung und Beruf

Chef wir müssen reden. 

Mein 81-jähriger Vater ist gestürzt und hat sich die Hüfte gebrochen.” 

Kann jederzeit passieren – und dann? 

Das Landesprogramm Vereinbarkeit von Beruf & Pflege NRW ist genau auf solche Situationen spezialisiert und bietet für solche Fälle sein Know-how an. 

Es unterstützt sowohl Arbeitgebende als auch Arbeitnehmende dabei, Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und privater Pflegeverantwortung zu schaffen. Aktuell hat das Landesprogramm zwei Videos erarbeitet, in denen die Aufgabe von Pflege-Guides und der „betriebliche Pflegekoffer“, eine Informationssammlung, vorgestellt werden.

Unternehmen begegnen den Herausforderungen des demografischen Wandels mit vielfältigen Aktivitäten. 


Dies gilt auch im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und privater Pflegeaufgabe. Immerhin werden rund 84 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland zuhause von Angehörigen und Bekannten betreut - viele der Helfer sind berüfstätig und müssen Job und Hilfe unter einen Hut bringen. Hier greift das Landesprogramm Vereinbarkeit Beruf & Pflege NRW, das im Kuratorium Deutsche Altershilfe koordiniert wird. Es unterstützt Unternehmen und Mitarbeitende u. a. durch die Entwicklung und Umsetzung tragfähiger Lösungen zur Vereinbarkeit und die Qualifizierung von betrieblichen Pflege-Guides. Bereits mehr als 440 Unternehmen, Betriebe, Organisationen und Behörden nutzen die Möglichkeiten des Landesprogramms und haben die Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gezeichnet.

Damit stärken sie die Bindung zu ihren Mitarbeitenden, erhalten wertvolle Arbeitszeit und haben Vorteile bei der Rekrutierung.

Betriebliche Pflege-Guides sind Vertrauenspersonen zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Sie werden im Rahmen des Landesprogramms kostenfrei für Unternehmen durch die AOKen Rheinland / Hamburg und NordWest in 2,5 Tagen qualifiziert.

Als Vereinbarkeits-Partner haben sie Zugriff auf das Webportal, das mit relevanten Informationen zu einer pflegefreundlichen Ausrichtung des Unternehmens beiträgt sowie auf den digitalen betrieblichen Pflegekoffer. Hier finden Pflege-Guides, Personalabteilung und Arbeitgeber rasch regional zugeschnittenes Informationsmaterial sowie Tipps rund um Pflege und Unterstützung, die sie auch an die pflegenden Erwerbstätigen weitergeben können.

Die beiden Videos im Youtube-Kanal des Landesprogramms stellen die Pflege-Guides und den betrieblichen Pflegekoffer vor.

Infos und Video zu Pflege-Guides:


Infos: https://kda.de/duerfen-wir-vorstellen-die-pflege-guides-sie-helfen-bei-der-verei...


Video: https://www.youtube.com/watch?v=6ds8b39UyQ4

Infos und Video zum betrieblichen Pflegekoffer:


Infos: https://kda.de/betrieblicher-pflegekoffer-informiert-arbeitgeber-und-arbeitnehme...


Video: https://berufundpflege-nrw.de/beitraege/erklaervideo-was-ist-der-betriebliche-pf...

Das Servicezentrum Pflegevereinbarkeit im Kuratorium Deutsche Altershilfe beantwortet gerne Fragen: berufundpflege@kda.de

Informationen zum Landesprogramm Beruf & Pflege NRW: 


https://berufundpflege-nrw.de/

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Adelheid von Spee und Dr. Sarah Hampel im Landesprogramm Beruf & Pflege NRW im Kuratorium Deutsche Altershilfe:
berufundpflege@kda.de

Originalpublikation:
https://www.youtube.com/watch?v=6ds8b39UyQ4 


Erklärvideo zu Pflege-Guides

https://berufundpflege-nrw.de/beitraege/erklaervideo-was-ist-der-betriebliche-pf... , 


Erklärvideo zum betrieblichen Pflegekoffer
Weitere Informationen finden Sie unter
, Informationen zu Pflege-Guides
, Informationen zum betrieblichen Pflegekoffer

Hormone und deren Wirkung

Die Wirkung eines Hormons im Körper ist stark abhängig von seiner Konzentration im Blut. 

Diese Blutplasmakonzentration wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

 

Pulsatile Sekretion:

  • Amplitude der Sekretionspulse: Je größer die Amplitude, desto mehr Hormon wird freigesetzt
  • Anzahl der Sekretionspulse: Mehr Episoden der Freisetzung führen zu einer erhöhten Hormonausschüttung

 

Endogene Rhythmen:

  • z.B. der zirkadiane Rhythmus, der den Tag-Nacht-Zyklus des Körpers widerspiegelt

 

Feedback-Regelkreise / Rückkopplungsregelkreise:

  • Ein Hormon kann seine eigene Ausschüttung beeinflussen:
    • Bei positiver Rückkopplung wird die Freisetzung angeregt.
    • Bei negativer Rückkopplung wird die Freisetzung gehemmt.
  • Beispiel: Die Sekretion der Schilddrüsenhormone  über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse wird durch eine negative Rückkopplung beeinflusst. TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) wird vom  Hypothalamus ausgeschüttet und stimuliert die Hypophyse zur Bildung von TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). TSH regt die Schilddrüse zur Bildung von T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) an, die im peripheren Gewebe wirken. Hohe T3- und T4-Konzentrationen hemmen über eine negative Rückkopplung die Ausschüttung von TSH und TRH.

Diabetesbedingte Nierenerkrankunh

Forschende der Universitätsmedizin Leipzig haben einen neuen Mechanismus entschlüsselt, der eine zentrale Rolle in der Entwicklung der diabetesbedingten Nierenerkrankung spielt. 

Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht ein Gerinnungsprotein. 

Dieses ist bereits im frühen Stadium der Erkrankung in Urinproben Betroffener nachweisbar und kann als Marker für die Diagnose dienen. 

Seine Konzentration lässt Rückschlüsse auf die Schwere der Erkrankung zu. 

Ein neuer Behandlungsansatz könnte in der gezielten Hemmung dieses Gerinnungsproteins bestehen. 

Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Wissenschaftler:innen im renommierten Fachjournal Nature Communications.

Die diabetische Nierenerkrankung – eine Begleiterkrankung des Diabetes – gilt als die weltweit häufigste Ursache für chronische Nierenerkrankungen und Nierenversagen. 

Sie geht mit Veränderungen der Struktur sowie der Funktionen der Niere einher und führt schließlich zu Nierenschäden.

Signalmechanismus löst oxidativen Stress aus

Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Leipzig konnte nun einen Signalmechanismus identifizieren, der die Schädigung der Nierenzellen verursacht. Daran beteiligt ist der Gerinnungsfaktor FXII (F12), auch Hageman-Faktor genannt.


 „Dieser wird bei erhöhtem Blutzucker vermehrt im Körper gebildet”, erläutert Ahmed Elwakiel, Erstautor der Studie und Wissenschaftler an der Universitätsmedizin Leipzig. 


Unabhängig von seiner normalen Funktion in der Blutgerinnung entfaltet FXII an den tubulären Epithelzellen der Nieren eine andere Wirkung: 

Über einen Rezeptormechanismus bildet er mit zwei weiteren Proteinen, die unterschiedliche Funktionen im Körper haben, einen Komplex, der wie ein molekularer An-Aus-Schalter funktioniert. Dieser gibt das Signal, vermehrt freie Sauerstoff-Radikale zu bilden. 

Oxidativer Stress und DNA-Schädigung der Zelle sind das Ergebnis.


 „Anders als normalerweise in der Zellkommunikation bleibt der Schalter jedoch an, es gibt keine Pause”, so Ahmed Elwakiel. Auf Dauer kann der kontinuierlich zunehmende Schaden weder aufgefangen noch repariert werden. 

Die Niere funktioniert dann nicht mehr richtig. 

Mit der Zeit verschlimmert sich das Problem.

Gerinnungsfaktor als diagnostischer Marker geeignet

„In unserer Studie zeigen wir, dass FXII auch im Urin von Diabetes-Patientinnen und -Patienten mit Nierenerkrankung nachweisbar ist”, erläutert Prof. Dr. Berend Isermann, Senior-Autor der aktuellen Publikation. „Dabei korreliert die FXII-Konzentration mit der Schwere der Erkrankung: umso höher der Wert, desto mehr ist die Niere bereits geschädigt. 

Daher eignet sich der Wert als diagnostischer Marker”, so der Leiter des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik. Bereits im Anfangsstadium sei FXII nachweisbar und somit auch ein wichtiger Indikator für die Erfolgsaussichten einer Behandlung.

Für das Vorkommen von FXII im menschlichen Organismus und sein Zusammenspiel mit der Diabetes-Erkrankung analysierten die Forscher:innen klinische Werte, Nieren-Biopsien sowie Urinproben mehrerer menschlicher Kohorten: darunter aus der LIFE Adult-Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig sowie der HEIST-DiC-Kohorte der Universität Heidelberg.

Möglicher Therapie-Ansatz

Auch im Mausmodell zeigte sich der Zusammenhang zwischen FXII und der Beeinträchtigung der Nierenfunktion deutlich: Hierfür verglichen die Wissenschaftler:innen die Nierenfunktion von diabetischen Mäusen, die FXII bildeten, mit Mäusen, in denen sie die Herstellung von FXII vorübergehend blockiert hatten. „Die Nierenfunktion der Mäuse, die FXII bildeten, war deutlich schlechter”, so Elwakiel. Auch eine Hemmung der FXII-Herstellung nach Nierenschädigung konnte die Nierenfunktion weitgehend verbessern. Somit könnte der von den Wissenschaftlern entdeckte Ansatz auch bei bereits etabliertem Nierenschaden einen heilenden Effekt haben. „Eine weitere Herangehensweise ist, die Bildung des gesamten signalauslösenden Komplexes zu verhindern”, so der Pharmakologe. In in-vitro-Zellexperimenten konnte der Mechanismus so gestoppt werden.

Negative Nebenwirkungen auf die Blutgerinnung durch die Hemmung von FXII seien nicht zu erwarten, so die Autor:innen der Studie. „Der Organismus verfügt über verschiedene Blutgerinnungsfaktoren, er braucht FXII nicht unbedingt. 

Aus anderen Studien wissen wir, dass seine Hemmung keine verstärkten Blutungen zur Folge hat”, so Elwakiel.

Birgit Pfeiffer

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Ahmed Elwakiel, M.Sc.
Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik
Universitätsklinikum Leipzig
Tel.: 0341-9722372
ahmed.elwakiel@medizin.uni-leipzig.de

Prof. Dr. med. Berend Isermann
Professor für Labormedizin, Universität Leipzig
Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik,
Universitätsklinikum Leipzig
Telefon: 0341-9722200
E-Mail: berend.isermann@medizin.uni-leipzig.de

Originalpublikation:
Originalpublikation: Elwakiel, A., Gupta, D., Rana, R. et al. Factor XII signaling via uPAR-integrin β1 axis promotes tubular senescence in diabetic kidney disease. Nat Commun 15, 7963 (2024). 

https://doi.org/10.1038/s41467-024-52214-8

Die Uebernahme und Unterstuetzung bei der Pflege

Fast ein Viertel (23,1 %) der 43- bis 65-Jährigen in Deutschland hat im Jahr 2023 regelmäßig eine oder mehrere Personen aufgrund von Gesundheitsproblemen unterstützt oder gepflegt – das sind fast 5,5 Millionen Menschen. 

Diese Übernahme von Unterstützung und Pflege ist nicht nur für viele emotional belastend, sondern hat langfristig negative Auswirkungen auf die Erwerbtätigkeit und somit auch auf die Alterssicherung Angehöriger.

Umso wichtiger wäre es, wenn die verschiedenen politischen Maßnahmen zur Vereinbarkeit, wie beispielweise die Pflegezeit oder Familienpflegezeit, von den Betroffenen in Anspruch genommen würden. Die Analysen auf Basis des Deutschen Alterssurveys zeigen jedoch, dass dies nur auf knapp vier Prozent der Befragten zutrifft. Untersucht wurde daher weiter, was die Gründe für die Nichtinanspruchnahme sind: Mehr als jeder/jedem Fünften sind die Angebote nicht bekannt (21,8 Prozent), und 16,4 Prozent der Befragten geben an, keinen Anspruch zu haben, knapp jede/r Zehnte befürchtet den bürokratischen Aufwand (9,7 Prozent). Doch überraschend ist vor allem der sehr große Anteil der Befragten, die angeben, dass sie diese Angebote nicht benötigen (61,6 Prozent).

Aus diesen Ergebnissen lassen sich mögliche Maßnahmen ableiten, um mehr Menschen zu erreichen: Die existierenden Angebote müssen bekannter gemacht werden, der Kreis Anspruchsberechtigter sollte erweitert werden, und im Hinblick auf die finanziellen Nachteile sollte eine Abkehr vom zinslosen Darlehen im Rahmen der Pflegezeit, der Familienpflegezeit und der Begleitung in der letzten Lebensphase erfolgen und eine Entgeltersatzleistung eingeführt werden. Zudem könnten berufliche Nachteile reduziert werden, indem die Anspruchsdauern den Pflegerealitäten angepasst werden.

Zum meist genannten Grund für die Nichtinanspruchnahme erläutert Dr. Ulrike Ehrlich: „Bei den knapp 62 Prozent, die angeben, die Angebote nicht zu benötigen, stellt sich die Frage, ob tatsächlich keine Unterstützung gewünscht ist oder ob die Maßnahmen die tatsächlichen Bedürfnisse der Pflegenden zu wenig berücksichtigen. Zu vermuten ist, dass die zeitlichen Freiräume, die die Gesetze bieten, durchaus erforderlich sind, um Pflege mit Erwerbstätigkeit vereinbaren zu können. Doch möglicherweise nehmen pflegende Angehörige Arbeitszeitanpassungen nicht im Rahmen des Pflegezeitgesetzes oder des Familienpflegezeitgesetzes vor, sondern z. B. durch innerbetriebliche Aushandlungen. Als nicht nötig werden die Maßnahmen dann vielleicht deshalb eingeschätzt, weil die finanziellen Vorteile gegenüber anderen Regelungen gering sind, denn das Darlehen im Rahmen dieser Gesetze gleicht den Verdienstausfall nur zur Hälfte aus und muss nach der Freistellung zurückgezahlt werden.“

Die detaillierten Ergebnisse sind nachzulesen in: Ehrlich, U., Bünning, M., & Kelle, N. (2024). Doppelbelastung ohne Entlastung? Herausforderungen und gesetzliche Maßnahmen für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in einer alternden Gesellschaft [DZA Aktuell 03/2024]. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen. 

https://doi.org/10.60922/a3f4-7758

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte. Im Rahmen der Studie werden seit beinahe drei Jahrzehnten Menschen auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regelmäßig befragt. Der Deutsche Alterssurvey wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

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Dr. Ulrike Ehrlich
https://www.dza.de/ueber-uns/mitarbeiterinnen/profilseite/ehrlich-ulrike


ulrike.ehrlich@dza.de

Originalpublikation:
Ehrlich, U., Bünning, M., & Kelle, N. (2024). Doppelbelastung ohne Entlastung? Herausforderungen und gesetzliche Maßnahmen für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in einer alternden Gesellschaft [DZA Aktuell 03/2024]. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen. https://doi.org/10.60922/a3f4-7758

Welche Reha passt zu Ihnen ....

Informationsangebot reha-passt.de für Versicherte und Gesundheitsfachkräfte

Die Website reha-passt.de will den Zugang zur medizinischen Rehabilitation erleichtern und Versicherten eine aktive Mitgestaltung ihrer Reha ermöglichen. Im Fokus stehen psychische Belastungen. Online-Fragebogen für die Evaluation steht seit dem 11. Oktober zur Verfügung.

Ein einfacher Zugang zur medizinischen Rehabilitation und eine leichte Orientierung im breiten Angebotsspektrum sind für Patientinnen und Patienten wichtige Voraussetzungen, um die vielfältigen Rehabilitationsangebote der Deutschen Rentenversicherung nutzen zu können. Vor diesem Hintergrund präsentiert das Forschungsprojekt „Reha passt“ des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) ab Oktober 2024 eine neue multimediale Website: reha-passt.de. Die Arbeitsgruppe Rehabilitationswissenschaften am Zentrum für Psychische Gesundheit (ZEP) hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein leicht zugängliches Informationsangebot für Reha-Bedürftige mit psychischen (Begleit-)Erkrankungen oder beruflichen Problemen zu entwickeln und zu erproben. Auch Gesundheitsfachkräfte aus der Allgemeinmedizin und Psychotherapie finden hier wertvolle Informationen für die Beratung ihrer Patientinnen und Patienten.

Verhaltensmedizinisch orientierte Reha (VOR) und medizinisch-beruflich orientierte Reha (MBOR)

Die Webseite bietet Informationen rund um die medizinische Rehabilitation. Insbesondere werden die innovativen Konzepte der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR) und der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) vorgestellt. Ein Schwerpunkt liegt auf Menschen mit psychischen Belastungen, da diese – oft in Kombination mit beruflichen Belastungen - zunehmend Anlass für Rehabilitationsanträge sind. Bei der Aufbereitung der Inhalte wird besonderer Wert auf eine multimediale und leicht zugängliche Darstellung gelegt, so gibt es unter anderem einen Selbsttest und kurze Erklärvideos. Dadurch soll die Gesundheitskompetenz der breiten Zielgruppe potenzieller Rehabilitandinnen und Rehabilitanden gefördert werden.

„Mit 'Reha passt' verfolgen wir das Ziel, dass Versicherte ihre Rehabilitation aktiv mitgestalten können und über die notwendigen Informationen verfügen. Sie sollen fundierte Entscheidungen über die für sie passende Reha-Form treffen können", erklärt Prof. Dr. Heiner Vogel, Leiter der AG Rehabilitationswissenschaften des UKW. „Die Website wird nicht nur den Versicherten, sondern auch den Fachkräften in den Rehabilitationseinrichtungen sowie den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten als wertvolles Informationstool zu den verschiedenen Reha-Formen dienen.“

Seit dem  11. Oktober gibt es einen Online-Fragebogen für die Evaluation der Website reha-passt.de

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist auch die Evaluation des Informationsangebots. Es soll überprüft werden, wie sie von den verschiedenen Nutzergruppen angenommen wird, wie praktikabel und nützlich sie ist, und ob die Gesundheitskompetenz der Versicherten mit der Website verbessert werden kann. Dazu werden ab dem 11. Oktober 2024 alle Besucherinnen und Besucher der Website – sowohl Gesundheitsfachkräfte als auch Patientinnen und Patienten – eingeladen, die Seite mittels eines Online-Fragebogens zu bewerten. Die Ergebnisse der Befragung ermöglichen eine zielgruppenorientierte Weiterentwicklung des Internetportals.

Das Projekt wird durch die Deutsche Rentenversicherung Bund von Januar 2023 bis Dezember 2025 gefördert.

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Dr. Matthias Lukasczik, Universitätsklinikum Würzburg
Arbeitsgruppe Rehabilitationswissenschaften im Zentrum für Psychische Gesundheit
Kontakt@reha-passt.die


Weitere Informationen finden Sie under


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