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Disease-Management-Programm (DMP) für Osteoporose-Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: DGE: Knochenbrüche vermeiden und Schmerzen reduzieren – Endokrinologen begrüßen neues DMP Osteoporose

Mitte Januar hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ein Disease-Management-Programm (DMP) für Osteoporose-Patientinnen und -patienten beschlossen. 

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) begrüßt die Einführung eines strukturierten Behandlungsprogramms für Menschen, bei denen eine medikamentös behandlungsbedürftige Osteoporose diagnostiziert worden ist. 

Die Fachgesellschaft weist jedoch auf weiterhin bestehende Defizite bezüglich der Früherkennung hin, die für eine frühzeitige Behandlung bei Knochenschwund wichtig ist. 

Die DGE fordert daher mehr Aufklärung der Bevölkerung.  
  • Von Osteoporose sprechen Medizinerinnen und Mediziner, wenn im Knochen immer mehr Knochengewebe abgebaut wird und Knochenbrüche wahrscheinlicher werden. 
  • Die auch unter dem Namen Knochenschwund bekannte Stoffwechselerkrankung betrifft vor allem ältere Menschen und speziell Frauen nach der Menopause. 

Etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland haben eine Osteoporose, etwa 80 Prozent von ihnen sind Frauen. Die Hälfte aller Osteoporose-Patienten wird in ihrem weiteren Leben eine osteoporosebedingte Fraktur erleiden, schätzen Experten.

Ein Knochenschwund beginnt schleichend, ohne dass die Betroffenen etwas bemerken.

„Häufig wird die Osteoporose erst erkannt, wenn Knochen oder Wirbelkörper bereits gebrochen sind“, erklärt Professor Dr. med. Heide Siggelkow, Ärztliche Leiterin MVZ ENDOKRINOLOGIKUM Göttingen und Mitglied der Sektion Knochenstoffwechsel der DGE.

Da die Erkrankung mit starken Schmerzen einhergehen kann, sind die Betroffenen häufig in Bewegungen und Beweglichkeit eingeschränkt. 

Kommt Gangunsicherheit dazu, kann es leicht zu Stürzen kommen. 

„Eine der Folgen nach einem Sturz ist der Oberschenkelhalsbruch, in dessen Folge die Patienten sehr häufig pflegebedürftig werden und ins Pflegeheim übersiedeln müssen“, ergänzt Siggelkow.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie weist schon seit langer Zeit auf große Defizite in der Versorgung hin und kritisiert vor allem, dass zahlreiche Betroffene selbst nach Knochenbrüchen nicht ausreichend medikamentös behandelt werden. 

Zur Behandlung gibt es gute Medikamente.

Aber auch die nichtmedikamentöse Therapie – gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, wenig Alkohol und der Verzicht auf Nikotin – gehört ebenso wie Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen zu einer guten Prävention weiterer Knochenbrüche.

„Es reicht aber nicht, Patienten dies einmal aufzuzählen und dann zu hoffen, dass sie es erfolgreich umsetzen“, sagt Siggelkow.

„Das neue DMP garantiert eine leitliniengestützte Behandlung und sieht zudem Schulungen für die Patienten vor.

Das wird die Behandlungsqualität auf Dauer erhöhen“, vermutet die Expertin.


„Zu lange wurde die Osteoporose bei vielen Patienten nicht adäquat behandelt.

Mit dem DMP steigt nun die Chance, dass viele der Patienten mit einem hohen Risiko für einen osteoporotischen Knochenbruch nicht nur eine wirksame Medikation erhalten, sondern auch durch Schulungen, Ernährungsberatungen und Rehasport oder Funktionstraining unterstützt werden“, ergänzt Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE aus Mainz.

So kann es gelingen, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten, Schmerzen zu lindern und Frakturen sowie deren Komplikationen zu verhindern. Für den DGE-Mediensprecher muss aber auch mehr für die Prävention getan werden. „Wir wünschen uns mehr Aufklärung der Bevölkerung“, so Weber. Hierbei könnten neben Hausärzten und Apothekern auch Gesundheitsfachkräfte wie Physio- oder Ergotherapeuten helfen.

  • In das DMP Osteoporose können Frauen ab dem vollendeten 50. und Männer ab dem vollendeten 60. Lebensjahr aufgenommen werden, wenn bei ihnen die Indikation einer medikamentösen behandlungsbedürftigen Osteoporose vorliegt. 

Der Start des DMP Osteoporose wird sicher noch ein paar Monate auf sich warten lassen, denn vorerst müssen das Bundesministerium für Gesundheit das Programm prüfen und die gesetzlichen Krankenkassen entsprechende Umsetzungsverträge mit Ärzten und Krankenhäusern schließen.

„Wer dann ins DMP Osteoporose aufgenommen worden ist, wird profitieren, denn die Behandlung basiert auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und der aktuellen AWMF-S3 Leitlinie Osteoporose des Dachverbandes Osteologie e. V.“, betont Siggelkow, die auch Mitglied in der Leitlinienkommission des Dachverbands Osteologie ist.

In bestimmten festgelegten Abständen finden Kontrolluntersuchungen statt, sodass Veränderungen im Krankheitsverlauf sofort erkannt und doppelte Untersuchungen vermieden werden. 

Denn der behandelnde Arzt koordiniert alle Schritte und dokumentiert sie.

 „Ein wichtiger und richtiger Schritt für eine bessere Behandlung von Osteoporose-Patienten“, resümiert Siggelkow.

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Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen – zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken – „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen wie Speichel- oder Schweißdrüsen ihre Sekrete nach „außen“ ab.


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Leitlinie Osteoporose

http://www.endokrinologie.net


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Kontraktion und Entspannung der Muskeln im Dickdarm werden durch Nervenzellen im Darm

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Darmbakterien steuern die Darmbewegung

Darmbakterien unterstützen eine gesunde Verdauung, indem sie den Nervenzellen im Darm helfen, die Kontraktion und Entspannung der Muskelwand des Dickdarms zu regulieren. 

Dies haben Forschende des Crick-Instituts in London, der Universität Bern und des Inselspitals, Universitätsspital Bern entdeckt.  

Billionen von Darmbakterien (grün) beeinflussen nicht nur das Immunsystem oder Gehirn, sondern steuern auch Nervenzellen, die für die Darmbewegung und somit eine gesunde Verdauung zuständig sind.
Billionen von Darmbakterien (grün) beeinflussen nicht nur das Immunsystem oder Gehirn, sondern steuern auch Nervenzellen, die für die Darmbewegung und somit eine gesunde Verdauung zuständig sind. Bahtir Yilmaz, Universität Bern
 
  • Damit Nahrung durch den Darm wandern und der Kot ausgestossen werden kann, muss der Darm den Inhalt systematisch vorwärtsbewegen, indem er ihn über seine Länge nach und nach zusammendrückt. 

Diese Kontraktion und Entspannung der Muskeln im Dickdarm werden durch Nervenzellen im Darm reguliert.

  • Anomalien der Darmbewegung verursachen häufig Krankheiten wie das Reizdarmsyndrom oder die nach einer Operation auftretenden Störungen der Darmfunktion. 

Nun haben Forschende des Crick-Instituts in London, des Department for BioMedical Research der Universität Bern (DBMR) und des Inselspitals, Universitätsspital Bern entdeckt, wie diese Nervenzellen – und somit die Darmbewegung – durch bestimmte Darmbakterien beeinflusst werden. Dabei handelt es sich um einen erstmals beschriebenen Mechanismus. Die Studie wurde im Journal «Nature» publiziert.


Prof. Dr. Andrew Macpherson Department for BioMedical Research (DBMR), Universität Bern, und Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital, Universitätsspital Bern
 Prof. Dr. Andrew Macpherson Department for BioMedical Research (DBMR), Universität Bern, und Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, Inselspital, Universitätsspital Bern zvg

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Der Darm enthält Billionen von Bakterien, die durch die Produktion von Stoffen wie Vitaminen und Aminosäuren die Funktion vieler Organe in unserem Körper, einschliesslich des Gehirns, beeinflussen.

Zudem weist der Darm mehr Nerven auf als das Rückenmark. 

  • Es ist bereits belegt, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem Vorhandensein bestimmter Bakterien im Dickdarm und der Geschwindigkeit, mit der sich die Nahrung durch den Darmtrakt bewegt.


Bisher war jedoch unklar, inwiefern Darmbakterien für das Funktionieren der Millionen von Nervenzellen im Verdauungssystem zuständig sind.

Den Forschenden um Prof. Andrew Macpherson vom Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern und Inselspitals, Universitätsspital Bern, sowie um Dr. Yuuki Obata, Dr. Brigitta Stockinger und Dr. Vassilis Pachnis vom Crick Institute in London ist es nun gelungen, gewisse von Darmbakterien produzierte Stoffe zu identifizieren, die auf Nervenzellen einwirken, die wiederum für die Darmbewegung zuständig sind.

Dabei bestand die Schwierigkeit darin, herauszufinden, welche Stoffe für die Signalgebung in den Nervenzellen verantwortlich sind.

«Das Nervensystem im Darm ist ein extrem kompliziertes Netzwerk, das sich nur schwer von den anderen Zellen in der Darmstruktur trennen lässt», erklärt Andrew Macpherson, Ko-Letztautor der Studie. «Zudem werden viele verschiedene Stoffe produziert, so dass man nach einer Nadel im Heuhaufen sucht.»

Bakterien aktivieren Rezeptor

Um die Wirkung von Darmbakterien auf die Darmbewegung zu untersuchen, setzten die Forschenden sogenannte keimfreie Mäuse ein, deren Darm nicht von Bakterien besiedelt ist, und verglichen diese mit Tieren mit Darmbakterien.

  • Sie entdeckten, dass die keimfreien Tiere tatsächlich eine reduzierte Darmbewegung aufwiesen im Vergleich zu Tieren, die mit gutartigen Bakterien besiedelt waren. 

«Dabei stellte sich heraus, dass ein spezieller Rezeptor, der sogenannte Arylkohlenwasserstoffrezeptor AhR, bei den Darmnervenzellen durch die Anwesenheit von Darmbakterien «eingeschaltet» wird», sagt Yuuki Obata vom Crick Institute, Hauptautorin der Studie.

Dass AhR für die Funktion von Immun- und anderen Zellen im Darm sehr wichtig ist, war bereits bekannt. «Unsere Arbeit zeigt, dass dieser Rezeptor auch von Darmnervenzellen verwendet wird, um die Anwesenheit von Bakterien zu erkennen und die Darmbeweglichkeit zu regulieren – und so eine gesunde Verdauung zu fördern», erklärt Vassilis Pachnis, Ko-Letztautor am Crick Institute.

Möglicher Therapieansatz
  • «Störungen der Darmbewegung sind extrem häufig und verursachen viel Leid bei Patientinnen und Patienten nach chirurgischen Eingriffen oder bei Personen, die am Reizdarmsyndrom erkrankt sind», sagt Macpherson. 
«Unsere Ergebnisse liefern eine Erklärung, warum bestimmte Patientinnen und Patienten, deren Darm mit anderen Bakterienstämmen besiedelt ist, für diese Darmprobleme anfälliger sind», so Macpherson weiter.

Brigitta Stockinger vom Crick Institute, Ko-Letztautorin, ergänzt:

«Wir hoffen, dass in Zukunft die Aktivität von AhR in den Nervenzellen gezielt verändert werden könnte, um die Folgen einer abnormen Darmbeweglichkeit zu lindern, die häufig mit Magen-Darm-Erkrankungen einhergeht.»

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Prof. Dr. Andrew Macpherson
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Originalpublikation:
Yuuki Obata, Álvaro Castaño, Stefan Boeing, Ana Carina Bon-Frauches, Candice Fung, Todd Fallesen, Mercedes Gomez de Agüero, Bahtiyar Yilmaz, Rita Lopes, Almaz Huseynova, Stuart Horswell, Muralidhara Rao Maradana, Werend Boesmans, Pieter Vanden Berghe, Andrew J. Murray, Brigitta Stockinger, Andrew J. Macpherson and Vassilis Pachnis: Neuronal programming by microbiota regulates intestinal physiology. Nature, 5. Februar 2020, in print.

Untersucher-CAVE: Clostridium difficile- wann erfolgt die Besiedlung?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Krankheitserregendes Darmbakterium hartnäckiger als gedacht

Das krankheitserregendes Bakterium Clostridium difficile kann lebensgefährlichen Durchfall erzeugen und wird für die Mehrzahl von Darminfektionen in Spitälern verantwortlich gemacht. 

Obwohl bislang oft ein Zusammenhang mit der Gabe von bestimmten Antibiotika vermutet wurde, zeigt eine Studie des Mikrobiologen Martin Polz in Nature Microbiology, dass dies nur eine lückenhafte Erklärung ist. 

Das Forschungsteam vom Massachusetts Institute of Technology und der Universität Wien fand heraus, dass Clostridium-Infektionen jeglichem Durchfall – egal ob behandelt oder unbehandelt – folgen können und die Erkrankung auch über viele Monate hinweg wieder aufflammen kann. 
 
  • Das Bakterium Clostridium difficile kann Giftstoffe ausscheiden, die unter Umständen eine Darmentzündung mit schweren, oft unheilbaren, Durchfällen verursachen. 

Um den hoch ansteckenden Keimen beizukommen, setzen Krankenhäuser bislang auf intensive Hygieneprogramme sowie die Variation bei der Gabe von Antibiotika – dennoch konnten die Fälle nicht nennenswert gesenkt werden.

  • Es scheint sehr wahrscheinlich, dass das krankheitserregende Stäbchenbakterium vor allem außerhalb von Spitälern übertragen wird. 

Da Clostridium difficile auch den Darm nach einer Infektion mit anderen Durchfallerregern besiedeln, kann es auch sein, dass derlei Infektionen oft fehldiagnostiziert werden.

Das internationale Forschungsteam um Martin Polz vom Massachusetts Institute of Technology und der Universität Wien nutzte in der aktuellen Studie zunächst öffentlich verfügbare Sequenzierungsdaten und analysierte das bisherige Vorkommen. Obwohl alle Daten unterschiedliche Aspekte der Kolonisierung und Ausbreitung aufzeigen, entdeckten die Wissenschafter*innen eine Person, deren Werte die wichtigsten Beobachtungen aus der Studie besonders veranschaulichten. Im Rahmen einer Langzeitbeobachtung, konnte Clostridium difficile auch unmittelbar nach der Genesung von einer Lebensmittelvergiftung nachgewiesen werden.

 "Während dieser Zeit schwankte das Vorkommen von einem Tag zum nächsten um mehrere Größenordnungen – oft tagelang unter die Nachweisgrenze, bevor es dann zu einem Wiederaufleben kam", erklärt Polz.

Dieses Muster der Besiedlung nach mehr oder weniger starken Darmerkrankungen konnte in weiterer Folge an mehreren Personen beobachtet werden, was letztendlich nahelegt, dass Clostridium difficile Menschen erst in den Tagen unmittelbar nach der Erkrankung besiedelt. 

  • Das Bakterium kann über Jahre hinweg im menschlichen Darm verbleiben und das Vorkommen von Tag zu Tag erheblich schwanken. 

"Bisher hat man geglaubt, dass Clostridium difficile vor allem in Krankenhäusern übertragen wird und sich dort in Menschen, deren Darmflora durch Gabe von Antibiotikagabe geschwächt ist, ansiedeln kann.

Die aktuellen Ergebnisse deuten allerdings darauf hin, dass der Keim wesentlich häufiger auftritt und jeglicher Darmstörung – egal ob durch Antibiotika, anderen Infektionskrankheiten oder einfachen Reisedurchfall verursacht – folgen kann", so der Mikrobiologe abschließend.

Publikation in Nature Microbiology:
Diarrheal events can trigger long-term Clostridium difficile colonization with recurrent blooms, VanInsberghe, D., Elsherbini, J., Varian, B., Poutahidis, T., Erdman, S., Polz, M.F.,
DOI: 10.1038/s41564-020-0668-2

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Originalpublikation:
Diarrheal events can trigger long-term Clostridium difficile colonization with recurrent blooms, VanInsberghe, D., Elsherbini, J., Varian, B., Poutahidis, T., Erdman, S., Polz, M.F., Nature Microbiology.
DOI: 10.1038/s41564-020-0668-2

 

Corona-Patienten: Genug Akutbetten - zu wenig Pflegepersonal

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Genug Betten, aber zu wenig Pflegepersonal für Corona-Patienten

Wenn die Zahl von Corona-Patienten in Deutschland steigen sollte, hat Deutschland voraussichtlich genug Akutbetten, aber zu wenig Pflegepersonal für ihre Betreuung. 

Das errechnete jetzt Prof. Bernd Mühlbauer, der an der Westfälischen Hochschule Gesundheitsmanagement lehrt. 


Gesundheitsmanager Prof. Bernd Mühlbauer hat nachgerechnet, ob Deutschland genügend Krankenhausbetten und Pflegepersonal für Corona-Patienten hat.
 Gesundheitsmanager Prof. Bernd Mühlbauer hat nachgerechnet, ob Deutschland genügend Krankenhausbetten und Pflegepersonal für Corona-Patienten hat.
Foto: WH/BL Westfälischer Hochschule
 
  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rät bei der Behandlung der Corona-Epidemie zu Wachsamkeit und guter Vorbereitung. 

Wie gut die Versorgungskapazitäten sind, rechnete Prof. Bernd Mühlbauer, Gesundheitsmanager an der Westfälischen Hochschule, jetzt nach. Grundlage seiner Berechnungen ist die Spanne zwischen der durchschnittlichen Belegung der Krankenhäuser und ihrer möglichen maximalen Kapazität.

  • „Bei maximaler Auslastung aller verfügbaren Krankenhausbetten und einer Isolationsdauer infizierter Patienten von etwa zwei Wochen können in Deutschland theoretisch fast zwei Millionen Patienten im Jahr versorgt werden. 

Tatsächlich ist es aber nur ein Drittel davon, wenn die Patienten in Einzelzimmern isoliert werden müssen.

 Das führt zu einer durchschnittlichen Aufnahmekapazität von einem Patienten pro Tag und Krankenhaus“, so Mühlbauer.

Dass sich die Patienten jedoch statistisch gleichmäßig verteilen, ist kaum zu erwarten. 

  • Das Nadelöhr für die Patientenbetreuung ist für Mühlbauer die Personallage in den Krankenhäusern: 

„Zusätzliches Personal ist faktisch nicht zu beschaffen.“

Folglich steige die Belastung für das ärztliche und pflegerische Personal, was wiederum zu Fehlzeiten infolge von Erkrankungen des Personals führen kann und damit zu einer weiteren Belastung der übrigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Mühlbauers Rat:

Wichtig sei es, Verdachtsfälle frühzeitig, sprich vor der Krankenhauseinweisung zu diagnostizieren und sie so lange unter der Kontrolle der Gesundheitsämter zuhause zu isolieren. 

  • So könne eine zu hohe Einweisungsrate „bei Verdacht“ verhindert werden.


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Prof. Bernd Mühlbauer
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Sepsis: Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Viren

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Maßgeschneiderte Immuntherapie bei Sepsis

Die personalisierte Immuntherapie gibt Hoffnung, die Sterblichkeit bei Sepsis-Patienten zu senken. 

Das neue Forschungsprojekt ImmunoSep, eine internationale Zusammenarbeit von 14 Partnern, erforscht den Nutzen der Präzisionsmedizin zur Behandlung dieser lebensbedrohlichen Erkrankung und ebnet gleichzeitig den Weg für weitere Forschung auf diesem Gebiet. 

Das vom Radboud University Medical Center, Nijmegen, Niederlande, koordinierte Projekt wird in den nächsten vier Jahren mehr als zehn Millionen Euro aus dem Rahmenprogramm „Horizon 2020“ der Europäischen Union erhalten. 

Die Universität Bonn ist daran beteiligt und erhält rund 750.000 Euro Fördermittel.  
  • Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die durch die Reaktion des Körpers auf eine Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Viren verursacht wird. 
  • Am häufigsten betrifft sie Erwachsene über 65 Jahre, Kinder unter einem Jahr, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Lungenkrankheiten, Krebs und Nierenerkrankungen sowie Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. 

Sepsis tritt mit schätzungsweise 50 Millionen Fällen weltweit pro Jahr auf.

Sie ist eine der häufigsten Todesursachen für Krankenhaus-Patienten in europäischen Ländern mit einer hohen Sterblichkeitsrate von 30 bis 40 Prozent.

Auch wenn die Verschreibung von Antibiotika und die Einrichtung von Intensivstationen die Zahl der Sepsis-bezogenen Todesfälle bereits stark reduziert haben, soll die Einführung eines Immuntherapie-Ansatzes den Ausgang der Krankheit für die Betroffenen deutlich verbessern.

Hier kommt ImmunoSep ins Spiel. Während frühere Studien einen einheitlichen Behandlungsansatz gefördert haben, konzentriert sich dieses multinationale Projekt auf die Erforschung der personalisierten Immuntherapie. 

„Zum Wohle des Patienten wird ImmunoSep neuartige wissenschaftliche Grundprinzipien auf die direkte klinische Praxis anwenden.

Wir haben das Projekt daher an der Schnittstelle zwischen Spitzenwissenschaft, translationalen und klinischen Programmen und der Integration der Sozialwissenschaften in die tägliche klinische Praxis positioniert.

Unser Ziel ist eine rasche Umsetzung `von der Idee zur Anwendung´, ausgehend von der molekularen Grundlagenforschung bis hin zur translationalen Medizin und Epidemiologie“, sagt Prof. Mihai Netea.

Er ist Leiter der Abteilung für Experimentelle Medizin, Abteilung für Innere Medizin am Radboud University Medical Center (RadboudUMC), sowie Abteilungsleiter für Immunologie und Stoffwechsel am Life & Medical (LIMES) Institut der Universität Bonn. Zusammen mit Prof. Evangelos Giamarellos-Bourboulis von der National and Kapodistrian University of Athens koordiniert er ImmunoSep.

„Mit Hilfe modernster Sequenziertechnologien an Immunzellen im Blut von Sepsis-Patienten versuchen wir, Muster in den zellulären Programmen zu finden, die uns helfen, diejenigen Patienten zu identifizieren, die eine zusätzliche Therapie erhalten“, sagt Prof. Dr. Joachim L. Schultze, Mitglied des Exzellenzclusters ImmunoSensation und Leiter der Plattform für Single Cell Genomics und Epigenomics an der Universität Bonn und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) sowie Leiter der Abteilung Genomik & Immunregulation am LIMES-Institut der Universität Bonn.

„Wir wollen einen neuen Weg zur Behandlung schwerer Infektionen durch eine personalisierte Behandlung eröffnen, die einen qualitativen Sprung im Ergebnis der Sepsis darstellen und eine Grundlage für die künftige Präzisionsmedizin bei immunologischen Erkrankungen schaffen kann“, sagt Prof. Giamarellos. ImmunoSep bringt Partnerinstitutionen aus Österreich, Frankreich, Griechenland, Deutschland, Israel, den Niederlanden, Rumänien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich zusammen. Projektauftakt ist bei einem ersten Treffen vom 10. bis 11. Februar 2020 in Nijmegen, Niederlande.

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http://www.immunosep.eu

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Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Telefon: 0228 / 73-4728
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: j.seiler@uni-bonn.de

Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
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Nordrhein-Westfalen 


Untersucher-CAVE: Statine - Cholesterinsenker - Muskelschmerzen/Muskelsymptome?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Cholesterinsenker: Forscherinnen kommen Ursache von Muskelschmerzen durch Statine auf die Spur

Patienten, die Statine einnehmen, um ihren Cholesterinspiegel im Blut zu senken, klagen relativ häufig über Muskelbeschwerden. 

Warum diese auftreten, ist bislang weitgehend ungeklärt. 

In einer aktuellen Studie haben die Pharmazeutinnen Professor Alexandra K. Kiemer und Jessica Hoppstädter von der Universität des Saarlandes einen möglichen ursächlichen Zusammenhang gefunden: 

  • Statine führen ihren Ergebnissen zufolge dazu, dass der Körper vermehrt ein Protein namens „Gilz“ produziert, das die Muskelzellen beeinträchtigt.

Ihre Studie veröffentlichen die Forscherinnen in der Fachzeitschrift „The FASEB Journal“: https://faseb.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1096/fj.201902557RRR



Prof. Dr. Alexandra K. Kiemer und ihre Arbeitsgruppe bringen erstmals Statine und ihre Muskel-Nebenwirkungen mit dem Protein "Gilz" in Verbindung.Prof. Dr. Alexandra K. Kiemer und ihre Arbeitsgruppe bringen erstmals Statine und ihre Muskel-Nebenwirkungen mit dem Protein "Gilz" in Verbindung. Foto: Iris Maurer


Cholesterinsenker zählen weltweit zu den meistverordneten Arzneimitteln.

Ärzte greifen dabei vor allem nach Statinen, die im Allgemeinen gut verträglich sind.

Relativ häufig klagen die Patientinnen und Patienten jedoch über Muskelsymptome, die in Form von Schmerzen oder einer Muskelschwäche auftreten können.

„Zahlen aus klinischen Anwendungsstudien zufolge treten diese in fünf bis zu 29 Prozent der Fälle auf. Sowohl ältere und weibliche Patienten, aber auch Personen, die körperlich aktiv sind, scheinen ein höheres Risiko zu tragen“, erklärt Alexandra K. Kiemer, Professorin für Pharmazeutische Biologie an der Universität des Saarlandes. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland über sechs Millionen Patientinnen und Patienten mit Statinen behandelt. Daher ist von mehreren Hunderttausend bis zu 1,8 Millionen Betroffenen auszugehen, bei denen Muskelbeschwerden auftreten.

Welche Vorgänge dabei im Körper genau ablaufen und die Symptome auslösen, ist bis heute ungeklärt.

Alexandra K. Kiemer und ihre Forschergruppe könnten nun die tatsächliche Ursache der Muskelschmerzen gefunden haben:  

Sie machen ein Protein namens „Gilz“ für die entsprechenden Vorgänge im Körper verantwortlich.

„Gilz ist eine Kurzform für Glucocorticoid-induzierter Leuzin Zipper“, erklärt Kiemer. Ihre Arbeitsgruppe befasst sich seit Jahren und in vielen Studien mit diesem Protein.

„Eigentlich ist die Hauptfunktion von Gilz im Körper, Entzündungsprozesse zu unterdrücken.

  •  Statine schützen vor Herzinfarkten einerseits, indem sie den Cholesterinspiegel senken, andererseits aber auch, indem sie Gefäßentzündungen verringern. 

Daher vermuteten wir einen Zusammenhang zwischen Statinen und Gilz.

 Links: Zellkulturen mit reifen Muskelfasern (grün). Mitte: Verringerte Differenzierung in Muskelfasern nach Statin-Behandlung. Rechts: Ohne Gilz: Mit Statinen behandelte Zellen bleiben ungeschädigt.
Links: Zellkulturen mit reifen Muskelfasern (grün). Mitte: Verringerte Differenzierung in Muskelfasern nach Statin-Behandlung. Rechts: Ohne Gilz: Mit Statinen behandelte Zellen bleiben ungeschädigt. Mikroskop-Aufnahme: Jenny Vanessa Valbuena Perez

Unsere Daten weisen darauf hin, dass Gilz im Körper Gutes, aber auch Schlechtes bewirken kann“, erläutert die Pharmazeutin. Sie bringt das Protein erstmals mit den Statinen und ihren Nebenwirkungen in Verbindung.

Auf diesen Anfangsverdacht hin analysierten die Pharmazeutinnen für ihre Studie zunächst zahlreiche Datensätze aus weltweit verfügbaren Forschungsdatenbanken: Sie werteten diese daraufhin aus, ob Statine Gilz beeinflussen. Nachdem ihr Verdacht sich erhärtet hatte, konnten die Forscherinnen ihre Vermutung in Versuchsreihen an lebenden Zellen bestätigen.

„Statine bewirken, dass das Protein Gilz in den Zellen vermehrt gebildet wird. 
  • Dadurch beeinträchtigen sie die Muskelzellen. 
  • Denn die vermehrte Gilz-Produktion führt dazu, dass die Muskelzellen eher absterben.
  • Zusätzlich wird die Bildung neuer Muskelfasern gehemmt“, erklärt Kiemer. Die Forscherinnen schalteten daher Gilz in lebenden Zellen aus und beobachteten dann die Wirkung der Statine. 

„Wenn wir die Behandlung mit Statinen an Muskelzellen oder ganzen Muskelfasern durchführen, bei denen Gilz genetisch ausgeschaltet wurde, bleibt die eben beschriebene Schädigung praktisch komplett aus“, stellt die Wissenschaftlerin fest.

Es gibt Hinweise darauf, dass besonders körperlich aktive Menschen nach der Einnahme von Statinen unter den Muskelsymptomen leiden. 

Zudem scheinen Statine den Trainingserfolg zu beeinträchtigen. 

Die Pharmazeutinnen um Alexandra K. Kiemer planen daher eine neue Studie gemeinsam mit der Sportmedizinerin Anne Hecksteden aus der Arbeitsgruppe von Professor Tim Meyer an der Universität des Saarlandes:

„Wir haben Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Statinen, körperlichem Training und dem Protein Gilz gibt und diesen wollen wir näher beleuchten“, erklärt Alexandra K. Kiemer.

Die Studie ist in der Fachzeitschrift „The FASEB Journal“ veröffentlicht: "The Glucocorticoid-Induced Leucine Zipper Mediates Statin-Induced Muscle Damage", https://faseb.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1096/fj.201902557RRR
DOI: 10.1096/fj.201902557RRR

Cholesterinsenker: Forscherinnen kommen Ursache von Muskelschmerzen durch Statine auf die Spur

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Originalpublikation:
Die Studie ist in der Fachzeitschrift „The FASEB Journal“ veröffentlicht: "The Glucocorticoid-Induced Leucine Zipper Mediates Statin-Induced Muscle Damage", https://faseb.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1096/fj.201902557RRR
DOI: 10.1096/fj.201902557RRR

Gefährdungen durch die psychische Belastung der Arbeit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Psychosozialen Risiken im Betrieb wirksam begegnen

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber, die Arbeit so zu gestalten, dass Gefährdungen für die Gesundheit vermieden werden. 

  • Das schließt auch Gefährdungen durch die psychische Belastung der Arbeit ein, etwa infolge zu hoher Arbeitsmengen oder überlanger Arbeitszeiten. 

Mit dem Feldforschungsprojekt „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in der betrieblichen Praxis“ untersuchte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) konkrete Vorgehensweisen in den Betrieben. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen des Projektes hat die BAuA jetzt in einem gleichnamigen baua: Bericht kompakt veröffentlicht. 
 
In der Studie wird anschaulich, dass psychosoziale Risiken komplexe Beurteilungs- und Gestaltungsprobleme sind, die sich mit den im betrieblichen Arbeitsschutz vertrauten Verfahrensweisen nicht ohne weiteres lösen lassen.

Nur in einer Minderheit der Betriebe liegen bislang Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastung vor.

Kleine Betriebe führen mehrheitlich keine Gefährdungsbeurteilung durch, aber auch viele große Betriebe lassen psychosoziale Risiken in der Gefährdungsbeurteilung häufig außen vor. 

Die im Projekt vorgenommenen Feldstudien machten gleichwohl auch deutlich, dass zielgerichtete Maßnahmen zur Vermeidung von psychosozialen Risiken nicht nur und ausschließlich im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen unternommen werden, sondern mitunter unabhängig davon auch in anderen Kontexten, in denen Arbeit im Betrieb tagtäglich bewertet und gestaltet wird. 

  • Die Studie belegt exemplarisch, dass zielgerichtete Maßnahmen zur Reduzierung psychosozialer Risiken im Betrieb in ganz unterschiedlichen Kontexten nötig und möglich sind, 
  • in der Arbeitszeit- und Leistungspolitik,
  • in der Personalplanung,
  • in der Qualifizierung, 
  • als Aufgabe fürsorglicher Mitarbeiterführung,
  • ebenso wie als Bestandteil professioneller Berufsausübung. 

Im Interesse des Gesundheitsschutzes gilt es, Anstrengungen zur Gefährdungsvermeidung in allen diesen Kontexten systematisch und zielgerichtet zu fördern.

  • Die Ergebnisse der Studie helfen, Herausforderungen und Schwierigkeiten des Umgangs mit psychosozialen Risiken besser zu verstehen. 

Sie machen aber auch die vielfältigen Möglichkeiten und Lösungsansätze deutlich, die in der betrieblichen Praxis erschlossen und genutzt werden.

Eine umfangreiche Liste der Publikationen von Projektergebnissen rundet den baua: Bericht kompakt ab.

„Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in der betrieblichen Praxis. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen aus einem Feldforschungsprojekt“; Dr. David Beck, Dr. Katja Schuller; baua: Bericht kompakt; Dortmund; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2020. 3 Seiten, DOI: 10.21934/baua:berichtkompakt20200115.

Den baua: Bericht kompakt gibt es im PDF-Format zum Herunterladen im Internetangebot der BAuA unter

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Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.
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Untersucher-CAVE: Lebensbedrohliche Herzmuskelentzündung - Impella-Pumpe

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Rettende Pionierarbeit

DHZB-Mediziner konnten einer 37-jährigen Frau mit lebensbedrohlicher Herzmuskelentzündung ein Kunstherz oder eine Transplantation ersparen – dank einer schlauchförmigen Mikropumpe direkt im Herzen. 

Das System – eigentlich nur für den kurzfristigen Betrieb konzipiert – unterstützte den Kreislauf über Wochen, so dass die Entzündung erfolgreich medikamentös therapiert werden konnte. 

Dr. Felix Schönrath, Franziska Bleis und PD Dr. Evgenij Potapov
Dr. Felix Schönrath, Franziska Bleis und PD Dr. Evgenij Potapov Maier/DHZB
 
Franziska Bleis aus Teltow bei Berlin steht mitten im Leben: in einer glücklichen Partnerschaft, als Mutter einer 8-jährigen Tochter und Personalleiterin einer großen kardiologischen Praxis.

  • „Ein grippaler Infekt, der sich ein bisschen auf die Lungen gelegt hat“, denkt sie, als sie Anfang Dezember nach einer Erkältung erste Atembeschwerden bekommt. 
  • Was sollte auch Schlimmes sein? Schließlich ist sie erst 37 Jahre alt, sportlich und kerngesund. 

Auch der Hausarzt bestätigt die Einschätzung seiner Patientin.



 Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Unterstützung für Labor+Hausärzte

Doch am Abend des 15. Dezember wird aus den Beschwerden plötzlich Luftnot. 

Als biologisch-technische Assistentin und durch ihre kardiologische Praxiserfahrung weiß Franziska Bleis, dass sie nun sofort ins Krankenhaus muss.

Im Berliner Helios-Klinikum Emil von Behring stellt das Ärzteteam sofort die richtige Diagnose: 

Ursache der Atemnot ist nicht die Lunge, sondern eine schwere Entzündung des Herzmuskels. Noch in der Nacht verschlechtert sich der Zustand der Patientin rapide. Der EF-Wert, ein Maß für die Pumpfunktion des Herzens, liegt bei gesunden Menschen bei mindestens 55 Prozent.

Bei Franziska Bleis werden noch 10 Prozent gemessen.

Über einen Katheter schieben die Ärzte deshalb eine schlauchförmige „Impella“-Pumpe von der Leiste aus direkt in Franziska Bleis‘ Herz und retten ihr damit das Leben.

Dann wird sie ins Deutsche Herzzentrum Berlin verlegt.

Hier stehen die Spezialisten und ihre Patientin vor einer schwierigen Entscheidung. Denn eigentlich ist die Impella-Pumpe nur als Notfall-System für wenige Stunden zugelassen.

Als dauerhafte Lösung kämen nun eine Herztransplantation oder die Implantation einer langfristigen Kreislaufpumpe in Frage.

  • Eine Transplantation ist wegen der langen Wartezeiten aber keine realistische Alternative und bei einer akuten Myokarditis auch nicht möglich. 

Für den Einsatz einer dauerhaften Kreislaufpumpe wäre eine offene Herz-OP nötig – die die Ärzte ihrer Patientin aber ersparen wollen. Denn ihres Erachtens besteht die Chance, dass sich Franziska Bleis‘ Herz wieder erholen könnte. Und diese Chance beschließen Ärzte und Patientin zu nutzen.

Oberarzt Dr. Evgenij Potapov, Leiter des Kunstherzprogramms am DHZB, implantiert nun eine neue „Impella“ in Franziska Bleis‘ Herz.

Diesmal allerdings nicht über die Leiste, sondern über die Arterie an der Achsel. 

Vorteil dieser Variante: Die Patientin kann später einmal aufstehen und – unter ständiger intensiver Überwachung – am vorsichtigen Training ihres Herz-Kreislauf-Systems mitwirken.

Drei Wochen lang liegt Franziska Bleis auf der Intensivstation, bekommt Medikamente gegen die Entzündung. Ärzte und Pflegende sind jede Minute darauf vorbereitet, dass die Impella-Pumpe im Langzeitbetrieb versagen könnte. Doch das System hält – und sehr langsam, aber stetig, gewinnt Franziska Bleis‘ Herz seine Kraft zurück. Anfang Februar läuft sie bereits wieder mühelos über die Station, das Pump-Aggregat kann sie auf einem Rollständer neben sich herschieben.

Mit jedem Tag sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die junge Frau eine dauerhafte künstliche Herzpumpe oder gar ein Spenderherz benötigt.

Auch in den aus dem Herzen über einen Herzkatheter entnommen winzigen Proben bestätigt sich eine deutliche Besserung der Entzündung. 

Mit diesem Wissen und verschiedenen Tests, die eine Verbesserung der Pumpleistung bestätigen, entschließen sich die Ärzte am 4. Februar, die Impella wieder zu entnehmen.

„Bisher wurde ein so langfristiger Impella-Einsatz noch nicht sehr häufig durchgeführt, deshalb bewegen wir uns auf klinisch noch unbekanntem Terrain“, sagt Oberarzt Dr. Felix Schönrath, kardiologischer Leiter des Herzinsuffizienz- und Transplantationsprogramms am DHZB:

„Wir freuen uns aber sehr, dass wir mit dieser Pionierarbeit unserer Patientin so gut helfen konnten und hoffen, diesen Erfolg auch wiederholen zu können.

 Leider ist in vielen Fällen eine Erholung des Herzmuskels ausgeschlossen, so dass diesen Menschen auch weiterhin nur mit ‚Kunstherzen‘ oder einer Transplantation geholfen werden kann.“

Franziska Bleis konnte jetzt aus dem DHZB entlassen werden.

Sie ist sich bewusst, dass ihre Erkrankung noch nicht vollständig überwunden ist, sie sich auch weiterhin schonen und häufigen Kontrollen unterziehen muss.

Aber ihre Zuversicht überwiegt – und die große Vorfreude auf Zuhause.

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Einladung zur FMS Fibromyalgie-Syndrom Vergleichsstudie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Warum Gesunde für Kranke so wichtig sind! – Vergleichsstudie geht Fibromyalgie-Syndrom auf den Grund

Eine Mundspülung soll wichtige Informationen für die Schmerzforschung liefern. Wissenschaftler der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum rufen gesunde Frauen auf, an ihrer Vergleichsstudie teilzunehmen, um Hinweise zur Entstehung des Fibromyalgie-Syndroms zu finden. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Operationssaal  

 DNA-Strang: Mit Hilfe der DNA werden Erbinformationen von gesunden und kranken Teilnehmern verglichen.
DNA-Strang: Mit Hilfe der DNA werden Erbinformationen von gesunden und kranken Teilnehmern verglichen. pixabay

Warum Gesunde für Kranke so wichtig sind! – Vergleichsstudie geht Fibromyalgie-Syndrom auf den Grund 

Menschen mit einem Fibromyalgie-Syndrom (FMS) leben mit starken chronischen Schmerzen am gesamten Körper.

  • Aufgrund der Symptome leiden sie zusätzlich unter Schlafstörungen und großen psychischen Belastungen. 

Etwa drei Prozent der Bevölkerung sind von dieser Erkrankung betroffen, vor allem Frauen. 

Früher als Weichteilrheuma bezeichnet, konnte vor wenigen Jahren nachgewiesen werden, dass dem Syndrom eine Schädigung des Nervensystems zugrundeliegt, die einen muskulären Schmerz verursacht. 

Ein erster Nachweis zum besseren Verständnis war erbracht, die Ursachen aber noch nicht gefunden.

Wissenschaftler der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum suchen derzeit für ihre Vergleichsstudie gesunde Frauen, die mit Hilfe einer einfachen Mundspülung einen Beitrag leisten können, Hinweise zur Entstehung des Fibromyalgie-Syndroms zu finden.


Prof. Dr. Martin Diers ist zuständig für die Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin in der LWL-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum.

Prof. Dr. Martin Diers ist zuständig für die Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin in der LWL-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum. LWL-Universitätsklinikum Bochum/Kaltenhäuser

Prof. Dr. Martin Diers, zuständig für die Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin in der LWL-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, benötigt für seine Studie dringend gesunde Probandinnen zwischen 40 und 60 Jahren, da vor allem Frauen vom FMS betroffen sind: 

„Gerade bei Vergleichsstudien sind wir auf die Daten von Gesunden und Kranken angewiesen, damit wir diese gegenüberstellen und Unterschiede generieren können. Nur so können wir ein genaues Krankheitsbild von Schmerz-Syndromen erfassen und dann gezielt Behandlungsfelder schaffen.“  
  • Viele Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, erhalten nicht die richtige Behandlung, da es diese oftmals noch gar nicht gibt. 
  • Um Betroffene angemessen therapieren zu können, ist es daher zunächst wichtig, die Schmerzursache zu ermitteln und zu verstehen, wieso ein chronischer Schmerz überhaupt erst entsteht.

Die FMS-Studie befasst sich mit der Erforschung molekulargenetischer Faktoren.

Das heißt, mit Hilfe der über eine Mundspülung erfassten DNA werden die relevanten Erbinformationen von gesunden und kranken Teilnehmern verglichen.

Im Rahmen eines Fragebogens werden zusätzlich Informationen zur psychischen und körperlichen Befindlichkeit gesammelt und den DNA-Daten gegenübergestellt.

Hierfür schickt die Teilnehmerin den Fragebogen und das Gefäß mit der Mundspülung im frankierten Briefumschlag zurück. Es entstehen keine Kosten.
Interessierte können sich mit dem Stichwort „Gesunder Proband FMS-Forschung“ per E-Mail: verhaltensmedizin@rub.de anmelden. 

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Rosa Sommer M.A. LWL-Universitätsklinikum Bochum der Ruhr-Universität Bochum

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Wann gehe ich wieder zur Arbeit.....? To work, or not to work, that is the question

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Krank zur Arbeit: 

Wie kommt die Forschung dem Präsentismus und seinen Folgen auf die Spur?

Die Grippewelle hat Europa wieder im Griff, und damit einher geht für viele Berufstätige die Frage: 

Wann gehe ich (noch oder wieder) zur Arbeit und wann bleibe ich besser zuhause? 

Welche Folgen entstehen für mich und für meine*n Arbeitgeber*in mit Blick auf Produktivität, Kosten und Zusammenarbeit? 

Studien zeigen, dass rund ein Drittel der Arbeitnehmer*innen auch krank zur Arbeit gehen. 

Heiko Breitsohl forscht an der Abteilung Personal, Führung und Organisation zum so genannten „Präsentismus“. 

In einer aktuellen Übersichtsarbeit kommt er gemeinsam mit Kolleg*innen zum Schluss: 

  • Wir wissen zu wenig über das „Phänomen Präsentismus“ und seine Bedeutung und Folgen werden gravierend unterschätzt. 
 
Präsentismus hat viele Ursachen, wie Heiko Breitsohl berichtet:

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„Viele Menschen arbeiten heute in prekären Beschäftigungsverhältnissen und haben daher die oft berechtigte Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.“

Die Untersuchungen zeigen aber auch andere Gründe auf:

 „Viele haben das Gefühl, dass sonst die Arbeit liegen bleibt und später umso geballter auf einen zukommt, oder sie haben ein starkes Verantwortungsgefühl gegenüber ihrer beruflichen Tätigkeit.

In manchen Unternehmen gibt es auch Regelungen, die vorsehen, dass es sich lohnt, nicht in Krankenstand zu gehen.

Dies sind beispielsweise Boni, die dann bezahlt werden, wenn man unter einer gewissen Anzahl an Krankenstandstagen bleibt.“

Oft sei es aber die Arbeitskultur in einem Team oder in einem Betrieb, die – eher unausgesprochen und zwischen den Zeilen – vermittelt, wie man sich zu verhalten hat.

Orientierungshilfe bietet da häufig die Führungskraft: 

„Geht sie krank arbeiten, hat das Einfluss auf das eigene Verhalten“, führt Heiko Breitsohl aus.

Die Frage, wie sich Präsentismus auf die Leistungsfähigkeit von Unternehmen auswirkt, steht nun zunehmend im Fokus der Forschung.

Offensichtlich ist, so Heiko Breitsohl:

  • „Für die Organisationen ist Präsentismus mit Produktivitätsverlusten und damit entstehenden Kosten verbunden, da ArbeitnehmerInnen, die krank zur Arbeit gehen, nicht ihre normale Produktivität aufrechterhalten können. 
  • Auf individueller Ebene führt Präsentismus zu einer Verschlechterung der Gesundheit und zu darauffolgenden längeren Ausfallzeiten.“

Im Detail ist die Sache aber noch komplizierter, insbesondere ist es schwierig, die Folgen des Präsentismus konkret zu messen:

„Präsentismus ist zum Teil ein unsichtbares Phänomen.“ 

In ihrer Arbeit „To work, or not to work, that is the question – Recent trends and avenues for research on presenteeism” zeigen Breitsohl und seine Kolleg*innen verschiedene Wege auf, wie sich Präsentismus und der damit einhergehende Produktivitätsverlust messen lassen können.

Insbesondere sei es kritisch zu sehen, wenn die Höhe der Kosten des Präsentismus geschätzt werden.

„Wir plädieren für einen sehr differenzierten Blick auf das Phänomen:

In welchen sozialen und kulturellen Kontexten tritt das Phänomen wie auf?

 Wie können wir die Palette kontextueller Unterscheidungen noch breiter aufstellen?

Um dem Präsentismus auf den Grund zu gehen, brauchen wir die aktive Zusammenarbeit vieler – auch disziplinärer – Perspektiven“, fasst Heiko Breitsohl zusammen.

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Univ.-Prof. Dr. Heiko Breitsohl
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Dr. Romy Müller,
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E-Mail-Adresse: lydia.kroemer@aau.at

Originalpublikation:
S. A. Ruhle, H. Breitsohl, E. Aboagye, et.al. (2019) “To work, or not to work, that is the question” – Recent trends and avenues for research on presenteeism, European Journal of Work and Organizational Psychology, DOI: 10.1080/1359432X.2019.1704734