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360° TOP-Thema: Rettungsstelle-KANZEL: Die NARKOSE ....Anästhesie

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Narkose verändert neuronale Choreographie

Neue Erkenntnisse über Aktivitätsmuster des Gehirns unter Anästhesie  
  • Selbst während einer tiefen Anästhesie sind Nervenzellen hochaktiv. 
Wie Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer Studie zeigen konnten, bleiben die Zellen im Gehirn in Aktion, obwohl das Bewusstsein komplett ausgeschaltet ist. 

Allerdings verändern sie ihren Arbeitsmodus. 
Die Neurone arbeiten unter einer Anästhesie synchron und sie reagieren unerwartet empfindlich auf Umweltreize, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Frontiers in Cellular Neuroscience* berichten.
 Hochaktiv und gleichgeschaltet: Nervenzellen während der Anästhesie.

Hochaktiv und gleichgeschaltet: Nervenzellen während der Anästhesie. Thomas Splettstoesser.

Eine der schwierigsten Forschungsaufgaben der Neurowissenschaften besteht darin, zu klären, auf welche Weise das Gehirn Bewusstsein produziert. Um einer Antwort näher zu kommen, hat ein Team um Dr. Mazahir T. Hasan, Wissenschaftler im Rahmen des Exzellenzclusters NeuroCure an der Charité gemeinsam mit Kollegen am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung Heidelberg die Gehirnaktivität von Mäusen im wachen, bewussten Zustand und unter Anästhesie verglichen. Die jeweilige Aktivität der Nervenzellen haben die Forscher visualisiert. NeuroCure-Wissenschaftler Dr. Hasan erklärt: „Wir haben ein Fluoreszenzprotein eingesetzt, das elektrische Signale in Lichtsignale umwandelt. Die Anzahl und die durchschnittliche Höhe der Entladungen sowie die Synchronität der Nervenzellen im Netzwerk konnten so aufgezeigt werden.“

Entsprechend der Ergebnisse scheint das Bewusstsein im Gehirn nicht einfach von der Anzahl an aktiven Nervenzellen im Kortex abzuhängen, sondern vielmehr von den Feinheiten, wie diese miteinander kommunizieren und inwiefern sie ihr Verhalten gegeneinander kontrastieren können.

Während die Nervenzellen des Kortex im wachen Zustand in komplexen Mustern zu unterschiedlichen Zeiten aufleuchten, ist unter Anästhesie zu beobachten, dass sie alle gleichzeitig und gleichartig aktiv sind. 

  • „Entgegen der plausiblen Annahme, das Gehirn höre unter Anästhesie auf, aktiv zu sein, verändert es lediglich die Art und Weise zu arbeiten. 
  • Die Stärke der Nervenzellentladungen verändert sich laut unserer Studie dabei nicht“, so der Erstautor der Studie Thomas Lissek, Neurobiologe in Heidelberg. 
  • Unerwartet ist ebenfalls die Beobachtung, dass Nervenzellen unter Anästhesie sensibler als im wachen Zustand auf Reize aus der Umwelt reagieren. 

„Eine überraschende Beobachtung, da eine Anästhesie ja insbesondere verwendet wird, um Schmerz- und Umweltreize während einer Operation einzudämmen“, so Thomas Lissek.

Eine Hirnregion, die normalerweise für Tastinformation zuständig ist, fing sogar an, auf akustische Reize zu reagieren.

Die neuen Einblicke in die Aktivitätsmuster der Neurone geben Hinweise, welche zellulären Parameter mit Bewusstsein und Bewusstseinsverlust verbunden sind. Zusammen mit weiteren Fortschritten, um neuronale Aktivität bei Menschen zu messen, könnten sie dazu beitragen, die Diagnostik zu verbessern, beispielsweise bei Komapatienten oder Patienten mit Locked-In-Syndrom. Erstmalig demonstriert die aktuelle Studie, dass es möglich ist, visuell identifizierbare neuronale Netzwerke über einen Zeitraum von mehreren Wochen zu beobachten, um die Effekte von Anästhesie weiter zu untersuchen. „Wir gehen davon aus, dass die Anästhesie-Forschung tiefgreifende Erkenntnisse für das menschliche Bewusstsein zu Tage bringen wird”, folgert Dr. Hasan.

Originalpublikation: Thomas Lissek, Horst A. Obenhaus, Désirée A. W. Ditzel, Takeharu Nagai, Atsushi Miyawaki, Rolf Sprengel, and Mazahir T. Hasan. General Anesthetic Conditions Induce Network Synchrony and Disrupt Sensory Processing in the Cortex. Frontiers in Cellular Neuroscience. 2016; 10: 64. doi: 10.3389/fncel.2016.00064.

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Dr. Mazahir Hasan
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Fersenschmerz - Extrakorporale Stoßwellentherapie....ESWT

Medizin am Abend Berlin Fazit: Extrakorporale Stoßwellentherapie beim Fersenschmerz: Vorbericht publiziert

Im Vergleich zu Placebo Belege für Nutzen / Gegenüber aktiven Vergleichstherapien durchwachsene Ergebnisse / IQWiG bittet um Stellungnahmen 
 
Im Juli 2015 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beauftragt, den Nutzen einer Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Fersenschmerz mit extrakorporaler Stoßwellentherapie (ESWT) zu untersuchen.

Die vorläufigen Ergebnisse dieser Nutzenbewertung liegen nun vor.

  • Demnach ist für die Endpunkte Schmerz und körperlicher Funktionsstatus ein Nutzen gegenüber Scheininterventionen belegt. 
  • Gegenüber aktiven Vergleichstherapien ist das Ergebnis durchwachsen: 

In einigen Vergleichen zeigten sich Vorteile der ESWT, in anderen Nachteile, in wieder anderen Fällen gab es keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen. 

Bis zum 8. Dezember 2016 können interessierte Personen oder Institutionen zu diesem Vorbericht Stellungnahmen abgeben.

Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit

Eine Reizung und Entzündung der plantaren (d. h. die Fußsohle betreffenden) Sehnenplatte am Fersenbein, die primär durch mechanische Einflüsse einen degenerativen Umbau des Gewebes herbeiführt, kann zu Fersenschmerzen führen. 

Diese Schmerzen können sowohl beim Anlaufen als auch nach längeren oder stärkeren Belastungen auftreten; sie beeinträchtigen unter Umständen die Bewegungsfähigkeit und die Lebensqualität.

Bei vielen Betroffenen verschwinden sie ohne Behandlung. Ist das nicht der Fall, kommen verschiedene Behandlungen infrage, etwa Einlagen zur Entlastung des Fußes, Dehnübungen, die Einnahme von Entzündungshemmern, Steroid-Injektionen oder Physiotherapie.

  • Halten die Schmerzen länger an, kann eine Operation oder eine ESWT angezeigt sein.

Auch die Therapie kann schmerzhaft sein

Stoßwellen sind stark gebündelte Druckwellen, die Schallwellen ähneln. 

Sie werden unter anderem zur Zertrümmerung von Nierensteinen eingesetzt. Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie wird in der Regel die schmerzhafteste Stelle am Fuß behandelt. 

  • Ab einer gewissen Intensität kann die Behandlung mit Stoßwellen schmerzhaft sein, sodass die Stelle häufig vorher lokal betäubt wird. 
  • Für gewöhnlich werden über ein bis zwei Wochen etwa drei bis fünf jeweils 5- bis 60-minütige Sitzungen durchgeführt.

Mehrere Vergleichstherapien betrachtet

Da der G-BA keine bestimmte Vergleichstherapie festgelegt hat, hat das IQWiG Studien ausgewertet, in denen eine ESWT entweder mit einer Scheinbehandlung oder mit verschiedenen aktiven Therapien oder aber mit einer anderen ESWT-Variante verglichen wurde. Insgesamt konnten 28 Studien in die Auswertung einbezogen werden.

Eigentlich ist es sinnvoll, die langfristigen Auswirkungen der Behandlungen zu untersuchen, beispielsweise nach einem Jahr. In manchen Studien wurden aber frühe Ergebnisse berichtet, die sechs Wochen bis sechs Monate nach der Intervention erfasst wurden. Eine weitere Herausforderung stellen die unterschiedlichen Operationalisierungen des patientenrelevanten Endpunkts Schmerz dar. Durch eine gleichzeitige Behandlung mit schmerzstillenden Mitteln können zudem alle Endpunkte verzerrt sein: Mehrere Studien konnten nicht ausgewertet werden, da der Konsum schmerzstillender Mittel nicht nachvollziehbar war.

ESWT „besser als nichts“

Die Auswertung von 15 Studien, in denen ESWT mit Scheinbehandlungen verglichen wurde, ergab bei den Endpunkten Schmerz und körperlicher Funktionsstatus Belege für einen Nutzen der ESWT. 

  • Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität gibt es dagegen keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen.

Bei zwei von sechs aktiven Vergleichstherapien ergaben sich Hinweise beziehungsweise Anhaltspunkte für einen höheren Nutzen der ESWT, und zwar gegenüber Ultraschall und gegenüber einer konventionellen Behandlung, nämlich Iontophorese (Aufnahme von Arzneimitteln durch die Haut mithilfe eines schwachen elektrischen Stroms) plus Einnahme schmerzstillender Mittel.

Kein klarer Vorteil gegenüber Operation oder Ultraschall

Bei zwei weiteren aktiven Vergleichstherapien, nämlich Operation und Ultraschall plus Dehnübungen, ergaben sich keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen. 

  • Im Vergleich zu Dehnübungen allein und gegenüber Glukokortikoid-Injektionen schnitt die ESWT schlechter ab, wobei ein Publikationsbias nicht ausgeschlossen werden kann: In beiden Fällen gibt es unveröffentlichte Studien.

Aus den sechs Studien schließlich, in denen verschiedene ESWT-Varianten verglichen wurden, ließen sich keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen einer dieser Varianten ableiten.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den vorläufigen Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im November 2015 vorgelegt und um Stellungnahmen gebeten. Diese wurden zusammen mit einer Würdigung und dem überarbeiteten Berichtsplan im April 2016 publiziert. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen. 

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Elektrostimulationen auf Muskeln - EMS-Methode

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Fitnesstrend: Forscher untersuchen langfristigen Effekt von Elektrostimulationen auf Muskeln

Sich stundenlang im Fitnessstudio zu plagen, um den Körper zu trainieren. – Dies ist laut einer Reihe neuer Fitnessanbieter nicht mehr nötig.  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Koronare Herzerkrankung  
  • Mit der sogenannten Elektromyostimulation (EMS), bei der Muskeln mit kurzen Stromimpulsen aufgebaut und gestärkt werden, reichen ein paar Minuten pro Woche aus. 
Doch wie wirkt sich die Methode langfristig auf die Muskelstruktur, den Körper und die Leistungsfähigkeit aus? 

Kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen? 

Mit diesen und weiteren Fragen befassen sich Sportwissenschaftler von der TU Kaiserslautern und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in den nächsten drei Jahren in einem gemeinsamen Forschungsvorhaben. 

 Prof. Michael Fröhlich
 Prof. Michael Fröhlich TU Kaiserslautern
 
Anstatt dreimal in der Woche zu joggen und beispielsweise im Fitnessstudio an verschiedenen Geräten mit mehreren Sätzen zu trainieren, werden bei der EMS-Methode Muskeln in kürzerer Zeit aufgebaut, so die Versprechen der Gerätehersteller und erste empirische Ergebnisse dazu.

„Die Muskeln werden kurzen äußeren elektrischen Reizen ausgesetzt. Sie kontrahieren ohne willentliche Anspannung und werden so trainiert“, sagt Professor Dr. Michael Fröhlich, der an der TU Kaiserslautern den Lehrstuhl für Bewegungs- und Trainingswissenschaft innehat.

„Das Muskelwachstum wird stimuliert. Die Muskelmasse erhöht sich und die Schnellkraft wird verbessert.“

Welche langfristigen Folgen diese Reiz-Strom-Methode hat, ist bislang in keiner wissenschaftlichen Studie untersucht worden. Dies möchten Professor Fröhlich und sein Doktorand Joshua Berger gemeinsam mit Professor Dr. Christoph Eifler von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken in den nächsten drei Jahren genauer untersuchen.

Bereits in vergangenen Studien haben die Kaiserslauterer Forscher in Kooperation mit Forschern der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Köln Richtlinien zur Anwendung der EMS erstellt und eigene Studien durchgeführt.

  • Bei falscher Anwendung kann es zum Beispiel zu erhöhten Kreatinkinase-Werten kommen, welche deutlich höher ausfallen als bei Marathonläufern. 
Bei der Kreatinkinase handelt es sich um ein Protein, das bei der Schädigung von Muskelzellen freigesetzt wird. 

„Vor allem für nicht-trainierte und kranke Personen könnte dies ein gesundheitliches Risiko mit sich bringen“, so Fröhlich.

Ob solche Werte oder andere körperliche Veränderungen auch bei einer langfristigen Beobachtung im Körper zu finden sind, soll die Arbeit der Forscher in den kommenden Jahren klären.


Joshua Berger


Joshua Berger TU Kaiserslautern  

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Prof. Dr. Michael Fröhlich
Bewegungs- und Trainingswissenschaften
Tel.: 0631/205 5723
E-Mail: michael.froehlich(at)sowi.uni-kl.de
Katrin Müller Technische Universität Kaiserslautern
 

Ihre Refluxkrankheit - Speiseröhrenschließmuskel - Kleines Magenband

Medizin am Abend Berlin Fazit: Beschwerdefrei bei Refluxkrankheit durch flexibles Magnetband

Wenn Schlucken zur Qual wird, leiden die Betroffenen in der Regel an der Refluxkrankheit. 

Die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz bietet jetzt eine neue besonders schonende, minimalinvasive Methode zur Behandlung des Reflux an: 
  • Dabei setzt der Operateur ein flexibles Magnetband zwischen Speiseröhre und Magen ein. 
Dieses verstärkt den unteren Speiseröhrenschließmuskel aufgrund seiner magnetischen Eigenschaft und verhindert den Rückfluss des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre. 

Die Universitätsmedizin Mainz ist in Rheinland-Pfalz Vorreiter bei der neuen OP-Technik. 
 Kleines Magnetband mit großer Wirkung: Das neue implantierbare Antirefluxsystem verhindert den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre.
Kleines Magnetband mit großer Wirkung: Das neue implantierbare Antirefluxsystem verhindert den Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Thomas Böhm (Universitätsmedizin Mainz)
 
Ein starkes Brennen oder ein Klosgefühl im Hals oder Brustkorb sind die typischen Begleitsymptome der gastroösophagealen Refluxkrankheit.

  • Dafür verantwortlich ist der krankhaft gesteigerte Rückfluss des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre. 

Hierzulande ist jeder fünfte von der Refluxkrankheit betroffen.

Lassen sich die Beschwerden auch mit magensäurehemmenden Medikamenten nicht ausreichend lindern, ist ein operativer Eingriff in der Regel unausweichlich.

In der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz kommt jetzt ein neues minimal-invasives chirurgisches OP-Verfahren zum Einsatz.

Dabei implantiert der Operateur ohne größeren Bauchschnitt ein Magnetband um die untere Speiseröhre. 

  • Genau genommen handelt es sich dabei um eine flexible, aus mehreren titanummantelten Magneten bestehende Metallkette. Diese wird zwischen Speiseröhre und Magen eingesetzt und dient dazu, den unteren Schließmuskel der Speiseröhre zu stabilisieren.

Die Wirkungsweise des Magnetbandes beruht auf einem ausgesprochen simplen Prinzip:

Die Kraft, mit der sich die Magnete wechselseitig anziehen und damit die untere Öffnung der Speiseröhre zusammenziehen, ist stärker als der Druck durch den aus dem Magen kommenden Reflux. Zugleich ist sie aber schwächer als die beim Schlucken ausgeübte Kraft, was eine ungehinderte Nahrungsaufnahme in den Magen gewährleistet.

„Das implantierbare Antirefluxsystem stellt eine vielversprechende Behandlungsoption dar, die sich schnell und einfach durchführen lässt“, sagt Privatdozent Dr. Peter Grimminger, Sektionsleiter Magen- und Speiseröhrenchirurgie im zertifizierten Kompetenz-Zentrum Oberer Gastrointestinaltrakt der Universitätsmedizin Mainz. Gemeinsam mit seinem Team führt Dr. Grimminger den Eingriff zur Implantation des Magnetbandes durch. „Das Magnetband kann grundsätzlich lebenslang implantiert bleiben, kann aber auch im Bedarfsfall wieder entfernt werden. Diese Reversibilität ist einer der großen Vorzüge der Methode im Vergleich zu anderen operativen Ansätzen“, betont Dr. Grimminger. 

Die Refluxkrankheit ist nicht selten von erheblichem Leidensdruck begleitet.

Mit konventionellen therapeutischen Ansätzen lässt sich allerdings nicht immer der gewünschte Effekt – die Beschwerdefreiheit – erzielen.

„Ein Teil der von Reflux betroffenen Personen darf dank des Magnetbandes auf Heilung hoffen.

Für diese Methode spricht aus chirurgischer Sicht, dass sie besonders schonend ist“, unterstreicht Univ.-Prof. Dr. Hauke Lang, Direktor der AVTC. 
  • „Handeln sollten die Betroffenen in jedem Fall, denn der Reflux kann zu Gewebeveränderungen führen, die Vorstufen zum Speiseröhrenkrebs sind“, ergänzt Prof. Lang. 

Welche Patienten für die Implantierung des Magnetbandes in Frage kommen, muss eine entsprechende Untersuchung zeigen.



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PD Dr. Peter Grimminger
Sektionsleiter Magen- und Speiseröhrenchirurgie
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie (AVTC)
der Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-2063 (Oberarztsekretariat)
17-2044 (Termin Sprechstunde)
E-Mail: peter.grimminger@unimedizin-mainz.de

Oliver Kreft, Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496,
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de



Atriale Herzmuskelzellen - Herzrhythmusstörungen - artriale Kardiomyozyten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Erstmals molekularer Blick in atriale Herzmuskelzellen

Weltpremiere: UMG-Herzforschern gelingt detaillierter molekularer Blick in atriale Herzmuskelzellen: 

Neuartige Signalprozesse und auch Krankheitsursachen z.B. von Herzrhythmusstörungen können so grundlegend erklärt werden. Veröffentlichung in der renommierten Fachzeitschrift The Journal of Clinical Investigation. 

Abb. 1: Lebendzell-Membranverfärbung von gesunden und kranken atrialen Maus-Herzmuskelzellen.
Abb. 1: Lebendzell-Membranverfärbung von gesunden und kranken atrialen Maus-Herzmuskelzellen.
Foto: umg 
  • Rund zwei Drittel aller Herzrhythmusstörungen insbesondere bei älteren Menschen haben ihren Ursprung im Herzvorhof. 

Hier sind die „atrialen“ Herzmuskelzellen des Vorhofs entscheidend für die Füllung der Herzkammern. 

Doch bisher wurden diese Herzmuskelzellen kaum gezielt mit modernsten zellbiologischen Methoden untersucht.

Sören Brandenburg und Prof. Dr. Stephan Lehnart, beide Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), ist es nun weltweit erstmals gelungen, die molekularen Zellstrukturen sogenannter atrialer Kardiomyozyten sichtbar zu machen. 

Die Forschung wurde durch den Sonderforschungsbereich 1002 „Modulatorische Einheiten bei Herzinsuffizienz“, das Deutsche Zentrum für Herzkreislauf-Forschung (DZHK) sowie die Europäische Union gefördert. Die Ergebnisse sind veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift The Journal of Clinical Investigation.

Originalveröffentlichung: Sören Brandenburg, Tobias Kohl, George S.B. Williams, Konstantin Gusev, Eva Wagner, Eva A. Rog-Zielinska, Elke Hebisch, Miroslav Dura, Michael Didié, Michael Gotthardt, Viacheslav O. Nikolaev, Gerd Hasenfuss, Peter Kohl, Christopher W. Ward, W. Jonathan Lederer and Stephan E. Lehnart: Axial tubule junctions control rapid calcium signaling in atria.The Journal of Clinical Investigation. doi:10.1172/JCI88241.

FORSCHUNGSERGEBNISSE IM DETAIL


Abb.2:  Zeitgleich zur Proliferation der axialen Tubuli (siehe Abb. 1) steigt die Anzahl hoch-phosphorylierter RyR2-Calcium-Freisetzungskanäle
 Abb.2: Zeitgleich zur Proliferation der axialen Tubuli (siehe Abb. 1) steigt die Anzahl hoch-phosphorylierter RyR2-Calcium-Freisetzungskanäle  Foto: umg

Nach neuen Erkenntnissen werden atriale Herzmuskelzellen von spezialisierten und elektrisch erregbaren Membranschläuchen, dem sog. Tubulus-Netzwerk, durchzogen. 

Das schlauchartige Membransystem durchzieht die atrialen Zellen auf ungewöhnliche Weise.

Bislang war unklar, wie elektrische Signale die Kontraktion der atrialen Herzmuskelzelle auslösen und wie die Kontraktion abläuft. 
  • „Wir konnten nun zeigen, wie das elektrische Aktionspotential durch die Tubulus-Strukturen bis tief in die Zelle hineingelangt und wo die Zelle im Inneren genau durch die Freisetzung von Ca²+-Ionen stimuliert wird. 

Ein besseres Verständnis dieser subzellulären Signalmechanismen ermöglicht auch detaillierte Vorhersagen bei Krankheiten, wenn die Signalprozesse gestört sind.

Dies ist z.B. bei Herzrhythmusstörungen der Fall“, sagt Sören Brandenburg, Erstautor der Studie.

Die Göttinger Forscher haben zunächst Herzmuskelzellen von genetisch veränderten Mäusen untersucht und dann ihre molekularen Ergebnisse in menschlichen Herzmuskelzellen bestätigt.

Das von ihnen erstmals beschriebene und Vorhofzellen-spezifische tubuläre Membrannetzwerk besteht (im Gegensatz zu Muskelzellen der ventrikulären Herzkammern) hauptsächlich aus längs zur Zellachse ausgerichteten Tubulus-Nanostrukturen.

Diese kleinsten Strukturen waren mit Hilfe modernster Mikroskopie-Verfahren, wie Stimulated Emission Depletion (STED) und Elektronentomographie, messbar. Die Göttinger Forscher konnten sichtbar machen, wo diese „axialen“ Membrantubuli mit besonders vielen Calcium-Freisetzungskanälen, sog. Ryanodin-Rezeptoren, assoziiert sind, die das Calcium-Signal und damit direkt die Kontraktion der Zelle maßgeblich beeinflussen.

Prozesse verstehen, um neue Therapieansätze entwickeln zu können

Ein gemeinsam mit den amerikanischen Wissenschaftlern Prof. Jonathan Lederer, Prof. George Williams und Prof. Christopher Ward der University of Maryland in Baltimore entwickeltes Computermodell simuliert erstmals die Calcium-Signale atrialer Zellen. So lässt sich beispielsweise folgende Frage beantworten: 

Wie wird im Zellinneren ein besonders schnelles lokales Calcium-Signalverhalten durch axiale Tubulus-Strukturen vermittelt?

Das Modell soll helfen, diese sehr schnellen Signalprozesse noch besser zu verstehen und in Zukunft neue Therapieansätze entwickeln zu können.

Das Göttinger Forscherteam konnte im Mausmodell zeigen, welche Auswirkungen eine pathologische Zunahme der Herzmuskeldicke induziert durch Aortenstenose auf atriale Herzmuskelzellen hat. 

„Die atrialen Zellen wurden dabei nicht nur deutlich größer, auch die Zahl der axialen Tubulus-Strukturen nahm deutlich zu.

Diese strukturellen Veränderungen haben einen wichtigen Einfluss auf Calcium-Signale und können eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Herzrhythmusstörungen spielen. 

Wir haben jetzt die Möglichkeit, diese Signal-Prozesse vorherzusagen und zu überlegen, welche Substanzen oder Therapieverfahren helfen könnten, nachteilige atriale Remodeling-Prozesse zu verhindern“, sagt Prof. Lehnart, Seniorautor der Studie.

Die Idee dahinter: Werden entscheidende krankheitsauslösende Veränderungen in atrialen Zellen frühzeitig gehemmt, können Folgeerkrankungen wie Vorhofflimmern und Schlaganfälle möglicherweise verhindert werden.

Internationale Kooperation bringt Forschungserfolg

Die Publikation der Göttinger Forschungserkenntnisse erfährt eine große Resonanz in der Fachwelt. In einem begleitenden Editorial würdigen die prominenten US-Forscher Prof. Thomas J. Hund und Prof. Peter J. Mohler der Ohio State University die Göttinger Forschung als „beispiellosen experimentellen Kraftakt“, der ein besonders schwieriges aber wichtiges kardiovaskuläres Forschungsfeld nachhaltig erschließt.

Wichtige Voraussetzung für das Gelingen der zentralen zellbiologischen Untersuchungen waren die Optimierung der Methoden bei der Zellisolation und Lebendzell-Membranfärbung, die Verfügbarkeit modernster, hochauflösender Mikroskopie-Verfahren in Göttingen sowie internationale Kollaborationen mit methodisch ausgewiesenen Standorten. „Die enge Kooperation von Universitätsmedizin, Georg-August-Universität und den Max-Planck-Instituten ist ein großer Vorteil des Herzforschungsstandorts Göttingen. Für die Arbeit konnten wir auf eine Kombination von eigens etablierten Methoden zurückgreifen und diese mit innovativen Bildgebungs-verfahren, wie etwa der STED-Mikroskopie von der Arbeitsgruppe um Professor Stefan Hell, ergänzen“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Mitautor der Studie und Vorsitzender des Herzforschungszentrums Göttingen (HRCG).

BILDUNTERSCHRIFTEN

Abb.1: Lebendzell-Membranverfärbung von gesunden und kranken atrialen Maus-Herzmuskelzellen. Zur Darstellung kommt das Tubulus-Netzwerk in der Kontrollzelle (links vergrößert) sowie in der pathologisch vergrößerten Zelle nach Aortenstenose (rechts vergrößert). Die längsgerichteten Tubuli sind im Bild als vertikale Strukturen sichtbar. Maßstab 10 µm. Foto: umg

Abb.2: Zeitgleich zur Proliferation der axialen Tubuli (siehe oberes Bild) steigt die Anzahl hoch-phosphorylierter RyR2-Calcium-Freisetzungskanäle (sichtbar als gelbe Strukturen in den vergrößerten Bildern) im direkten Vergleich zwischen der Kontroll- (links) und der pathologisch vergrößerten atrialen Herzmuskelzelle (rechts). Niedrig-phosphorylierte RyR2-Calciumkanäle erscheinen dagegen als grün markierte Cluster-Strukturen. Maßstab 10 µm. Foto: umg

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Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Herzzentrum
Prof. Dr. Stephan E. Lehnart
Professor für Translationale Kardiologie
Telefon 0551 / 39-10574
slehnart@med.uni-goettingen.de
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Stefan Weller Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle-KANZEL: Chronische Koronare Herzkrankheit (KHK)

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Entwurf der Patientenleitlinie

Die komplett neu überarbeitete Patientenleitlinie steht bis zum 2. Dezember 2016 zur öffentlichen Konsultation im Internet zur Verfügung. 

Betroffene, Interessierte und Experten sind eingeladen, den Text kritisch zu lesen und ihre Kommentare an das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin zurückzumelden. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz  

 
In Deutschland gehört die koronare Herzkrankheit (KHK) zu den "Volkskrankheiten".

  • Bei etwa 7 von 100 Frauen und etwa 10 von 100 Männern in Deutschland wird im Laufe des Lebens eine KHK bekannt. KHK und Herzinfarkt gehören zu den häufigsten Todesursachen. 

Bei einer KHK sind die Blutgefäße, die das Herz versorgen, oft verengt.

Wenn das Herz nicht mehr ausreichend Sauerstoff bekommt, können Beschwerden oder sogar Schäden am Herzen auftreten. Heilen kann man die KHK nicht. Aber mit einer guten Behandlung können Betroffene eine ähnliche Lebensqualität haben wie Gesunde.

Die Behandlung verfolgt zwei Ziele: Beschwerden lindern und gefährlichen Folgen wie Herzinfarkt vorbeugen.

Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) "Chronische Koronare Herzkrankheit" gibt auf der Grundlage von aktuellen Studien Empfehlungen zur Untersuchung und zur Behandlung der Erkrankung.  

Jetzt ist die allgemein verständliche Version dieser Leitlinie von einem Redaktionsteam aus dem Kreis der Leitlinienautoren überarbeitet und aktualisiert worden. Menschen mit KHK erhalten genaue Informationen darüber, nach welchen Kriterien und Maßgaben ihre Krankheit idealerweise behandelt werden sollte.

Betroffene, Interessierte aus Fachkreisen und Selbsthilfeorganisationen haben die Möglichkeit, die Konsultationsfassung der Patientenleitlinie kostenfrei herunterzuladen und zu kommentieren.

Sie können bis zum 2. Dezember Verbesserungen oder Ergänzungen vorschlagen. 

Für die Begutachtung steht ebenfalls ein Fragebogen zur Verfügung.

Die Redaktionsgruppe sichtet alle eingegangenen Vorschläge und entscheidet über deren Berücksichtigung in der Finalversion der Patientenleitlinie.

Das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Mit der Durchführung wurde das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin beauftragt.

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Svenja Siegert
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)
TiergartenTower, Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Telefon: 4005-2501/-2504
Fax: 030 4005 2555
Email: patienteninformation@azq.de
 

Weitere Informationen für interntational Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/khk/khk-2aufl-konsultation-pll.pdf Konsultationsfassung

http://www.patienten-information.de/mdb/edocs/word/kommentierungsbogen-khk-2aufl... Fragebogen

http://www.leitlinien.de/nvl/khk Übersicht NVL "Chronische KHK"

http://www.patienten-information.de/patientenleitlinien/patientenleitlinien-nvl Patientenleitlinien des ÄZQ

Konsequenzen für die Bestattungs-, Trauer-und Erinnerungskultur?

Medizin am Abend Berlin: Friedhofspflicht, Friedhofsflucht?

Zukunft der Bestattungs- und Erinnerungskultur 
 
Die Situation ist alltäglich und doch außergewöhnlich:

Der Tod eines Menschen trifft die Angehörigen hart. Zur Trauer kommt die Pflicht, den Verstorbenen innerhalb kurzer Zeit bestatten zu lassen. 

Vieles muss dann bedacht, entschieden und erledigt werden. „Es ist hilfreich, sich rechtzeitig mit dem Thema zu befassen und im Gespräch mit Angehörigen vorzusorgen“, empfiehlt Professor Thomas Klie von der Universität Rostock. Der Theologe ist Experte für moderne Trauerkultur.

Er hat das Thema auf ganz große Beine gestellt und in Kooperation mit der Theologischen Fakultät Bern sowie Aeternitas, Verbraucherinitiative Bestattungskultur Königswinter, eine dreitägige Tagung zum Thema „Friedhofspflicht/Friedhofsflucht“ an der Uni Rostock ins Leben gerufen. Vom 3. bis 5. November diskutierten Experten auch darüber, was es hieße, die typisch deutsche Friedhofpflicht aufzugeben, um sich rechtsförmig, beispielsweise am schweizerischen und niederländischen Modell zu orientieren. Zu der wissenschaftlichen Tagung hatten sich etwa 50 Gäste aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen und Friedhofsverwaltungen deutscher Städte angemeldet.

Professor Thomas Klie auf dem Neuen Friedhof von Rostock, der zunehmend durch neue Bestattungsformen sein Gesicht verändert. Professor Thomas Klie auf dem Neuen Friedhof von Rostock, der zunehmend durch neue Bestattungsformen sein Gesicht verändert. Foto: Universität/ Julia Tetzke

In Nordrhein-Westfalen und in Bremen sind unlängst schon Veränderungen in Richtung auf eine (partielle) Freigabe der Friedhofspflicht vorgenommen worden.

Auch private Friedhöfe sind in Nordrhein-Westfalen erlaubt. 

Und es gibt den ersten privaten Friedhofsbetreiber in Bergisch Gladbach, Fritz Roth. 

Er hat in der Kreisstadt „Gärten der Bestattung" gegründet. Werden bald weitere Bundesländer folgen? Welche Konsequenzen hat das für die Bestattungs-, Trauer-und Erinnerungskultur?


Viele Friedhöfe verändern augenfällig ihr Gesicht, weil sich immer weniger Menschen in einem Sarg bestatten lassen.

Dadurch wird viel Platz frei. „Die Trauerkultur hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt“, sagt Prof. Klie. „Die Träger der Friedhöfe müssen sich darauf einstellen.“

In Rostock wird gegenwärtig eine neue Friedhofskonzeption für Bestattungen erarbeitet.


So wolle die Hansestadt sich mit den veränderten Bestattungsformen und ihren Ansprüchen an Fläche und grünräumlicher Ausstattung auseinandersetzen, sagt Ute Fischer-Gäde, Amtsleiterin für Stadtgrün. „Erdbestattungen haben deutlich abgenommen, betragen nur noch fünf Prozent von der Gesamtbestattungszahl. Schwerpunkt bilde die Urnenbestattung, die sich auch in unterschiedlichen Formen und damit Flächeninanspruchnahmen auswirke, betont die Amtsleiterin.Ein Beispiel dafür seien die Partnergemeinschaftsanlagen, die im Gegensatz zum klassischen Urnengemeinschaftsgrab eine größere Flächenausweisung erfordern. „Wir werden dafür auch künftig weiter Flächen ausweisen“, unterstreicht Ute Fischer-Gäde. Beachtet würden dabei Ansprüche an Naturschutz und Denkmalpflege.


„In Rostock ist die Aschestreuwiese als besondere Bestattungsform einmalig in Deutschland und gilt als weiterhin erhaltenswert“, sagt die Amtsleiterin. Neben dem Ort als letzte Ruhestätte stehen die Friedhöfe der Hansestadt Rostock der Öffentlichkeit auch als Parkanlage zur Verfügung. Ein Einklang von naturnaher Erholung und Bestattungsflächen spricht ein Parkkonzept an, das bereits in anderen Städten erfolgreich geführt wird. Selbstverständlich, so Fischer-Gäde, sei der parkähnliche Charakter von den Bestattungsflächen zu trennen. Jedoch mit gestalterischen Mitteln im Einklang mit Denkmalschutz und Naturschutz spiegele dieses Freiraumkonzept einen wichtigen Baustein des öffentlichen Grüns wider.

Aber wie sieht der Friedhof der Zukunft aus? Die Rostocker Tagung will gesellschaftliche und kirchliche Chancen und Herausforderungen aus kulturwissenschaftlicher, soziologischer, juristischer und theologischer Perspektive ausloten. Fest steht: Die Urne im eigenen Garten oder auf dem Bücherregal in der Wohnung wird es jedenfalls auf absehbare Zeit in Mecklenburg-Vorpommern nicht geben. Ein Reformvorschlag der Linksfraktion zur Liberalisierung des Bestattungswesens ist im Januar 2016 im Landtag gescheitert.

Wald- oder Baumbestattungen sind nur im Zusammenhang mit einer Einäscherung möglich.

Auch bei Seebestattungen wird die Urne im Meer versenkt. 

Aber was bedeutet das für die Angehörigen? Prof. Klie weiß nur zu gut, dass sie im Trauerfall unter Zeitdruck stehen. „Dann sind sie oft nicht in der Lage, eine richtige Entscheidung im Sinne des verstorbenen Angehörigen zu treffen“, gibt der Wissenschaftler zu bedenken. Das Verstreuen der Asche auf einer anonymen Grabstätte oder die Seebestattung seien dann nicht mehr rückgängig zu machen. „Es fehlt dann ein Ort, an dem man trauern kann“. Und dennoch beobachtet Thomas Klie einen deutlichen Trend zur anonymen Bestattung.

Als aktuelle Entwicklung sieht der evangelische Theologe die Tendenz zur Wahl von Nicht-Orten:

Die Asche wird auf Streuwiesen, ähnlich wie bei der Seebestattung, verteilt, und ein konkreter Ort ist dann nicht mehr auszumachen. Klie vermutet, dass eine solche Form der Bestattung Langzeitwirkung für den Einzelnen, aber auch für eine Kultur hat. Denn je länger, je mehr werde diese Kulturform Friedhof nicht mehr von allen bevorzugt.

Doch viele, die mit der Bestattung auch noch Sinn verbinden, wünschen sich ein individuelleres Eingehen.

Dies umso mehr, weil die Kirchen ja auch vielfach, zumal auf den Dörfern, Träger der Friedhöfe sind, sie könnten also über die Friedhofsordnungen viel individueller, viel freier damit umgehen.

Professor Klie verweist auf einen weiteren Trend: „Seit geraumer Zeit wird bereits im Cyberspace bestattet und getrauert“.

In dem Maße, wie sich Bestattungskultur verändere und ausdifferenziere, besetze sie mit großer Selbstverständlichkeit auch die modernen Repräsentationsmedien. „Computer-mediatisierte Kommunikationen eröffnen dabei neue Wege zur Visualisierung des Umgangs mit Tod und Trauer“, sagt Prof. Klie.



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Prof. Dr. Thomas Klie
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360° TOP-Thema: Rettungsstelle-RETTUNGSKANZEL: Stark blutenden Wunden an Armen oder Beinen

Medizin am Abend Berlin: Blutstillung gewinnt an Bedeutung - Einsatz von Tourniquets

Für die Versorgung von Patienten mit stark blutenden Wunden an Armen oder Beinen, wie beispielsweise nach Sprengstoffanschlägen oder bei Schussverletzungen gewinnt die unmittelbare und effektive Blutstillung zunehmend an Bedeutung. 

Dazu finden moderne sogenannte Tourniquets – wie sie seit vielen Jahren erfolgreich in der Militärmedizin zum Abbinden von stark blutenden Gliedmaßen eingesetzt werden – zunehmend auch im zivilen Rettungsdienst Verwendung. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink - Patientensicherheit 


Ist eine Kompression der Wunde (z.B. mit einem Druckverband) nicht ausreicht oder in der gegebenen Situation nicht praktikabel, so erfolgt die Anlage eines Tourniquets, um lebensbedrohliche Blutungen aus Gliedmaßen zeitnah und temporär durch Abbindung der Blutzufuhr zu stoppen.  

Hierdurch wird ein fortdauernder und unkontrollierbarer Blutverlust vermieden, bis eine suffiziente Blutstillung auf andere Art und Weise möglich ist.

Handlungsempfehlung zur Anwendung 

Die Arbeitsgruppe „Taktische Medizin“ des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) hat hierzu eine Handlungsempfehlung erarbeitet, die die Indikationen und einen Algorithmus zum Einsatz von Tourniquets im Bereich der zivilen Notfallmedizin beschreiben und ausdrücklich die Notwendigkeit zur Schulung von Rettungsfachpersonal und Notärzten zum richtigen Umgang mit diesem Hilfsmittel betonen.

Prof. Dr. Matthias Helm, Sprecher dieser Arbeitsgruppe, der als Anästhesist und Notfallmediziner der Bundeswehr große Erfahrung in der Akutversorgung solcher Verletzungen im In- und Ausland besitzt, begrüßt diese Initiative: „Unabhängig von Terrorlagen konnten wir bei stark blutenden Verletzungen von Gliedmaßen schon häufig auch im zivilen Notarztdienst den Blutverlust des Patienten durch den Einsatz eines Tourniquets deutlich minimieren.“

„Allerdings besteht bei unsachgemäßer Anwendung auch die Gefahr, eine Blutung nicht zu stoppen, sondern zu verstärken“, ergänzt Dr. Björn Hossfeld. Gemeinsam mit anderen Notfallmedizinern der Arbeitsgruppe „Taktische Medizin“ haben die beiden Bundeswehrärzte deshalb eine Handlungsempfehlung zur prähospitalen Anwendung von Tourniquets verfasst.

Minimierung des Blutverlustes

Die positiven Erfahrungen im militärischen Umfeld mit dieser schnellen, sicheren, effektiven und komplikationsarmen Blutstillung durch Anwendung des Tourniquets versprechen einen ebenso großen Nutzen in der zivilen prähospitalen Versorgung von lebensbedrohlich blutenden Verletzungen. 
Rechtsmediziner aus Berlin beschreiben in einer Begutachtung aller im Jahre 2010 in Berlin prähospital verstorbenen Traumapatienten Verbluten in 67,5% der Fälle als potentiell oder gar definitiv vermeidbare Todesursache. 
  • Bei einigen dieser Unfallopfer hätte die Verwendung eines Tourniquets den Blutverlust deutlich minimieren können.

Nicht zuletzt deshalb ist die Anwendung von Tourniquets in den Leitlinien zur Schwerverletztenversorgung eine von allen medizinischen Fachgesellschaften anerkannte Maßnahme.

Um auf einen Terroranschlag vorbereitet zu sein, lässt das bayerische Innenministerium gerade alle Rettungswagen in diesem Bundesland u.a. auch mit solchen Tourniquets ausstatten.

Die Handlungsempfehlung des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI „Prähospitale Anwendung von Tourniquets“ ist einsehbar unter:

https://www.dgai.de/aktuelles/alle-meldungen-archiv/344-praehospitale-anwendung-...

 

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Dr. B. Hossfeld, OFA
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Sektion Notfallmedizin
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Bundeswehrkrankenhaus
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Anka Feyh-Oeder Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und lntensivmedizin e.V.
 



Die DGAI ist die anerkannte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und vereinigt fast 15.000 Ärztinnen und Ärzte zu gemeinsamer Arbeit am Ausbau und Fortschritt der Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie um auf diesen Gebieten die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Fitness, Risikofaktoren und Stressempfinden: Für das Geburtstagskind KERSTIN z.Z. in Köln

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Fit zu sein schützt vor Gesundheitsrisiken durch Berufsstress

Dass Fitness und Wohlbefinden miteinander einhergehen, ist bekannt. Doch körperlich fit zu sein, bietet auch Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wenn man sich durch Stress bei der Arbeit besonders belastet fühlt. Wie Sportwissenschaftler der Universität Basel und Kollegen aus Schweden berichten, lohnt es sich also gerade bei hoher Stressbelastung, körperlich aktiv zu bleiben. 
 
Dass Fitness und Wohlbefinden miteinander einhergehen, ist bekannt.

Doch körperlich fit zu sein, bietet auch Schutz vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wenn man sich durch Stress bei der Arbeit besonders belastet fühlt. 

  • Wie Sportwissenschaftler der Universität Basel und Kollegen aus Schweden berichten, lohnt es sich also gerade bei hoher Stressbelastung, körperlich aktiv zu bleiben.
  • Psychosozialer Stress ist einer der wichtigsten Faktoren, die bei Berufstätigen zu krankheitsbedingten Fehltagen führen. 
  • Diese Art von Stress wird von einem eingeschränkten seelischen Wohlbefinden und erhöhten depressiven Symptomen begleitet. 
  • Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Risikofaktoren wie hoher Blutdruck und ein ungünstiges Blutfettprofil. 
  •  
  • Umgekehrt ist eine gute Fitness mit weniger depressiven Symptomen und weniger kardiovaskulären Risikofaktoren assoziiert.

Fitness, Risikofaktoren und Stressempfinden

  • Die Daten der im US-Fachblatt «Medicine and Science in Sports and Exercise» publizierten Studie zeigen, dass eine hohe Fitness vor allem dann Schutz bietet, wenn berufstätige Personen bei der Arbeit ein hohes Mass an Stress wahrnehmen. 

Dafür nahmen die Forscher die Fitness von knapp 200 schwedischen Arbeitnehmenden – 51% Männer, Durchschnittalter 39 Jahre – mithilfe eines sogenannten Fahrradergometer-Tests auf.

Zudem erfassten sie verschiedene bekannte kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Blutdruck, Body-Mass-Index, Cholesterol, Triglyceride und Glykohämoglobin. 

Die Teilnehmenden wurden schliesslich gebeten, über ihr aktuelles Stressempfinden Auskunft zu geben.

Die Studie des Departements für Sport, Bewegung und Gesundheit (DSBG) der Universität Basel, des Institute of Stress Medicine sowie des Sahlgrenska University Hospital in Göteborg verdeutlicht erwartungsgemäss, dass gestresste Personen in den meisten kardiovaskulären Risikofaktoren höhere Werte aufweisen.

Weiter liess sich bestätigen, dass die kardiovaskuläre Fitness mit nahezu allen Risikofaktoren in Verbindung steht, wobei die Risikofaktoren bei körperlich Fitten weniger hoch ausgeprägt sind.

Grenzwerte bei Nicht-Fitten übertroffen

Erstmals haben nun die Forscher nachgewiesen, dass der Zusammenhang zwischen subjektiver Stresswahrnehmung und kardiovaskulären Risikofaktoren durch die Fitness sozusagen moderiert wird.

Mit anderen Worten: Bei den gestressten Mitarbeitern waren die Unterschiede zwischen Personen mit hohem, mittlerem und tiefem Fitnessniveau besonders hoch ausgeprägt.

So übersteigen beispielsweise bei hoher Stressbelastung die LDL-Cholesterol-Werte den klinisch relevanten Grenzwert, wenn Arbeitnehmende ein tiefes Fitnessniveau aufweisen – nicht aber bei Personen mit hoher Fitness.

Bei geringer Stressbelastung wurden dagegen weitaus geringere Differenzen zwischen den Fitnessniveaus beobachtet.

Aktiven Lebensstil fördern

«Diese Befunde sind vor allem deshalb wichtig, weil Menschen gerade bei Stress dazu neigen, sich weniger häufig körperlich aktiv zu betätigen», sagt Prof. Dr. Markus Gerber von der Abteilung Sport und Psychosoziale Gesundheit des DSBG der Universität Basel. 

Weiter habe die Studie direkte Implikationen für die Therapie und Behandlung stressbezogener Erkrankungen.

Zur Förderung eines körperlich aktiven Lebensstils soll der systematischen Erfassung der kardiorespiratorischen Fitness und einer theoretisch fundierten und evidenzbasierten Bewegungsberatung ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.

Originalbeitrag

Markus Gerber, Mats Börjesson, Thomas Ljung, Magnus Lindwall, and Ingibjörg H. Jonsdottir
Fitness Moderates the Relationship between Stress and Cardiovascular Risk Factors
Medicine & Science in Sports & Exercise (2016), doi: 10.1249/MSS.0000000000001005

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Prof. Dr. Markus Gerber
Universität Basel, Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit (DSBG)
Abteilung Sport und Psychosoziale Gesundheit
Tel. +41 61 207 47 83
E-Mail: markus.gerber@unibas.ch
lic. phil. Christoph Dieffenbacher Universität Basel

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Wiederholen des Lernstoffs: Hyppocampus und Neokortex....

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Die Großhirnrinde lernt von Anfang an mit

Tübinger und Münchner Forscher untersuchen, wie Hirnregionen bei der Gedächtnisbildung zusammenarbeiten 
 
Bei jedem neuen Erlebnis wird unser Gehirn vor eine schwierige Aufgabe gestellt:

Es muss flexibel genug sein, um neue Informationen in kurzer Zeit aufnehmen zu können, aber auch stabil genug, um sie für lange Zeit zu speichern.

Außerdem sollten neue Gedächtnisinhalte alte nicht überschreiben oder verändern.

Das Gehirn löst diese Aufgabe, indem es Gedächtnisinhalte in zwei separaten Speichern ablegt: im Hippocampus, einem plastischen Kurzzeitspeicher mit großer Kapazität und schneller Aufnahmefähigkeit, und in einem Teil der Großhirnrinde, dem sogenannten Neokortex. 

Dieser nimmt zwar Informationen langsamer auf, schützt sie aber dafür dauerhaft und ohne Überschreibung anderer Inhalte. Forscher vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen haben nun gemeinsam mit Münchner Wissenschaftlern erforscht, wie diese beiden Systeme beim Lernen zusammenarbeiten. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.

Der Hippocampus wird von Gedächtnisforschern seit den späten 1950er Jahren intensiv untersucht, als der berühmte Patient „H.M.“ nach einer operativen Entfernung dieser Hirnregion die Fähigkeit verloren hatte, neue Erinnerungen zu bilden.

Welche Rolle dagegen der Neokortex für das Gedächtnis spielt und wie diese beiden Regionen miteinander interagieren, war weitgehend unbekannt.

In seiner neuen Studie versetzte das Forscherteam Probanden am Bildschirm in ein virtuelles Labyrinth, in dem diese versteckte Gegenstände finden mussten. Je länger sich die Versuchspersonen durch das Labyrinth bewegten, desto besser lernten sie seinen Aufbau und die Positionen der Gegenstände kennen. Während die Studienteilnehmer diese räumliche Lernaufgabe durchführten, wurde ihre Hirnaktivität mittels Magnetresonanztomografie aufgezeichnet.

Um die Hirnareale für das räumliche Gedächtnis zu identifizieren, bedienten sich die Forscher eines Tricks:

In einem Teil des Experiments war das Labyrinth unveränderlich, dadurch konnten die Teilnehmer nach und nach eine räumliche Repräsentation im Gedächtnis aufbauen. In einem zweiten Teil veränderte sich das Labyrinth ständig, sodass die Probanden nichts wiedererkennen oder lernen konnten. „Der Vergleich der Tomografiebilder aus diesen beiden Labyrinthen offenbart, welche Hirnregionen zur Bildung des räumlichen Gedächtnisses beitragen“, erklärt Svenja Brodt, Doktorandin am Graduate Training Centre of Neuroscience und Erstautorin der Studie.

„Wir waren überrascht, dass die Aktivität des Precuneus, einer Region im hinteren Neokortex, mit dem Lernen kontinuierlich anstieg, wohingegen die Aktivität im Hippocampus kontinuierlich abfiel“, sagt sie. Auch die Kommunikation zwischen beiden Regionen habe im Laufe des Lernens immer weiter abgenommen.

„Mit diesen Ergebnissen können wir nachweisen, dass sich die langfristigen, neokortikalen Gedächtnisspuren bereits beim ersten Eintreffen neuer Informationen ausbilden“, sagt Dr. Monika Schönauer, die die Studie federführend geleitet hat. Dies sei verblüffend. Forscher seien bislang davon ausgegangen, dass dieser Prozess sehr langsam vonstattengehe und sich über Wochen oder Monate hinzöge. Professor Steffen Gais ergänzt: „Sehr erstaunlich ist auch, dass der Hippocampus schon nach so kurzer Zeit nicht mehr am Lernen beteiligt ist.“  

Die Zahl der Lernwiederholungen habe offenbar einen entscheidenden Einfluss darauf, wie schnell sich ein langfristiges und stabiles Gedächtnis im Neokortex ausbildet.

  • „Im Precuneus bildet sich eine eigenständige Gedächtnisrepräsentation aus. 

Wenn der Tomograf Aktivität im Precuneus eines Probanden anzeigte, konnten wir voraussagen, ob dieser einen gesuchten Gegenstand im Labyrinth finden würde oder nicht“, erläutert Svenja Brodt.

Die neuen Studienergebnisse lieferten wichtige Erkenntnisse darüber, welche Regionen langfristige Gedächtnis-spuren speichern.

Dies könne helfen, künftig Patienten mit Demenz oder Funktionsstörungen des Hippocampus richtig zu behandeln. 

„Aber auch etwa für die Schule sind die Erkenntnisse wichtig, wenn einfache Lerninhalte schnell und langfristig erworben werden sollen, wie Vokabeln in einer Fremdsprache oder das Einmaleins.

Unseren Ergebnissen zufolge erscheint häufiges Wiederholen des Lernstoffs als unumgänglich“, sagt die Wissenschaftlerin.

Publikation:
Svenja Brodt, Dorothee Pöhlchen, Virginia L. Flanagin, Stefan Glasauer, Steffen Gais, and Monika Schönauer: Rapid and independent memory formation in the parietal cortex. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), DOI 10.1073/pnas.1605719113

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