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Sicherheit nach Herzinfarkt? Vegetativen Nervensystem -implantierbarer kardialer Monitor (ICM)

Medizin am Abend Berlin Fazit: DZHK-Studie: Implantierbarer Monitor soll mehr Sicherheit nach Herzinfarkt bringen

Ein kleiner implantierbarer Monitor könnte bei bestimmten Patienten nach Herzinfarkt drohende Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen anzeigen. 

Wenn dadurch rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen erfolgen, könnte sich die Prognose der Patienten verbessern. Ob dies wirklich funktioniert, untersucht die jetzt angelaufenen Studie SMART-MI* des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). 

 Leiter der Studie: Prof. Axel Bauer vom Klinikum der Universität München
 Leiter der Studie: Prof. Axel Bauer vom Klinikum der Universität München: Bild zu: DZHK-Studie: Implantierbarer Monitor soll mehr Sicherheit nach Herzinfarkt bringen
 
Nach einem überstandenen Herzinfarkt haben Patienten noch Jahre später ein erhöhtes Risiko, an Komplikationen zu versterben.

  • Etwa die Hälfte aller Todesfälle ereignet sich dabei als plötzlicher Herztod. Dabei kommt es aus scheinbarem Wohlbefinden heraus zu Herzrhythmusstörungen, wodurch das Herz in lebensbedrohliches Kammerflimmern verfällt und schließlich ganz aufhört zu schlagen.

Rund 280.000 Patienten pro Jahr in Deutschland überleben einen Herzinfarkt.

  • Diejenigen, deren Herz bei dem Infarkt viel Schaden genommen hat und nur noch schlecht pumpt, sind besonders gefährdet für den plötzlichen Herztod. 
  • Laut ärztlichen Leitlinien bekommen sie deshalb einen Defibrillator eingepflanzt, welcher im Ernstfall Stromstöße abgibt und so das Herz wieder in den richtigen Takt bringt.

Bei der weitaus größeren Gruppe von Patienten ist die Pumpfunktion nach einem Infarkt dank der schnellen Wiedereröffnung des Infarktgefäßes nur wenig bis mittelgradig eingeschränkt.

,Aber auch unter ihnen gibt es viele, die in der Folge am plötzlichen Herztod versterben, insgesamt sogar mehr als doppelt so viele wie in der oben genannten Hochrisikogruppe. 

Da die Ärzte bislang nicht vorhersagen konnten, welche Patienten in der Gruppe mit den weniger geschädigten Herzen besonders gefährdet sind, werden diese Patienten von den aktuellen Leitlinien hinsichtlich spezieller vorbeugender Maßnahmen auch nicht berücksichtigt.

  • Aus experimentellen Studien ist bekannt, dass bei gefährdeten Patienten Störungen im vegetativen Nervensystem bestehen können, welche die bedrohlichen Rhythmusstörungen auslösen. 

Forscher um Prof. Axel Bauer vom DZHK-Standort München (Klinikum der Universität München) haben computerbasierte EKG-Methoden entwickelt, mit denen sie diese Störungen messen können. „So konnten wir eine neue Hochrisikogruppe mit nur gering- bis mittelgradig eingeschränkter Pumpfunktion identifizieren, welche jedoch eine ähnlich schlechte Prognose wie die klassischen Hochrisikopatienten mit hochgradig eingeschränkter Pumpfunktion hat. Es handelt sich hierbei um eine zahlenmäßig relevante Gruppe von Patienten“, so der Kardiologe.

Die Studie SMART-MI widmet sich nun erstmals dieser Patientengruppe. Der Hälfte der 400 „neuen“ Hochrisikopatienten wird zu Beginn der Studie ein implantierbarer kardialer Monitor (ICM = insertable cardiac monitor) eingesetzt, mit dem die Ärzte Vorläufer lebensbedrohlicher Rhythmusstörungen telemetrisch erfassen können. Die andere Hälfte der Patienten dient als Kontrollgruppe.

Der implantierte Monitor sendet kontinuierlich Signale an eine Datenzentrale im Klinikum der Universität München.

Bei Vorboten von gefährlichen Rhythmusstörungen werden die Patienten umgehend einbestellt. 

Die Ärzte suchen dann nach möglichen Ursachen wie beispielsweise einem erneuten drohenden Herzinfarkt, die dann entsprechend behandelt werden können.

Mit der Implantation der Monitore haben die Mediziner viel Erfahrung, schon seit langem werden sie bei Patienten mit unklaren Ohnmachtsanfällen oder zur Therapiekontrolle nach Vorhofflimmerablation im Routinebetrieb eingesetzt.

Die Studie SMART-MI soll nun zeigen, ob die ICM in der Lage sind, bei der oben genannten Gruppe von Postinfarkt-Patienten zuverlässig die Vorboten von drohenden Komplikationen wie gefährlichen Rhythmusstörungen anzuzeigen und ob sich dadurch deren Überlebenschancen verbessern.

Neben den 17 klinischen Partnern des DZHK werden weitere Kliniken Patienten in die Studie einschließen.

Originalstudientitel:

* Implantierbare kardiale Monitore bei Hochrisiko-Postinfarkt-Patienten mit kardialer autonomer Dysfunktion und mittelgradig reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion (SMART-MI)

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Christine Vollgraf
DZHK
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Sicherheit der Patienten

Medizin am Abend Berlin: Arbeitskämpfe: Deutlicher Rückgang der Ausfalltage, aber weiter hohe Streikbeteiligung

WSI-Zwischenbilanz zum 1. Halbjahr 2016

Arbeitskämpfe: Deutlicher Rückgang der Ausfalltage, aber weiter hohe Streikbeteiligung


Nach dem ungewöhnlich intensiven Streikjahr 2015 zeichnet sich nach den ersten sechs Monaten für 2016 ein deutlich geringeres Arbeitskampfvolumen ab. Im ersten Halbjahr 2016 waren nach Schätzung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung bisher rund 405.000 streikbedingte Ausfalltage zu verzeichnen. 
 
Gab es im vergangenen Jahr in der Summe rund 2 Millionen Streiktage, so wird in diesem Jahr insgesamt vermutlich allenfalls ein Viertel dieses Volumens erreicht. Unverändert breit blieb die Beteiligung an Streiks und insbesondere Warnstreiks.

Im ersten Halbjahr 2016 legten nach Gewerkschaftsangaben rund eine Million Beschäftigte zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Arbeit nieder.

Dies sind in etwa so viele wie im gesamten Vorjahr. 

Dies zeigt die Zwischenbilanz zur Streikentwicklung, die das WSI heute vorlegt.

„Der entscheidende Unterschied zu 2015 ist, dass es 2016 bisher keine großen, über Wochen andauernde Arbeitsniederlegungen gab. Daher ist die Zahl der Ausfalltage weitaus niedriger, obwohl sich ähnlich viele Menschen an Streiks beteiligt haben. Ich rechne nicht damit, dass sich an diesem Trend im weiteren Jahresverlauf noch etwas ändert“, sagt WSI-Arbeitskampfexperte Dr. Heiner Dribbusch.

Dominiert wurde das Streikgeschehen im ersten Halbjahr 2016 durch die Warnstreikwellen während der Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes sowie umfangreiche Warnstreikaktionen in der Metall- und Elektroindustrie, erklärt Dribbusch. Im öffentlichen Dienst beteiligten sich nach Schätzungen der Gewerkschaften insgesamt zwischen 150.000 und 200.000 Beschäftigte an den verschiedenen verhandlungsbegleitenden Arbeitsniederlegungen. Besondere Aufmerksamkeit erzielte dabei eine umfangreiche Warnstreikwelle in der letzten April-Woche, in die auch das unter den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes fallende Bodenpersonal an den großen deutschen Flughäfen einbezogen war. Wenige Tage später gelang der Durchbruch am Verhandlungstisch.

Rund 800.000 Beschäftigte in mehreren tausend Betrieben beteiligten sich im Verlauf der diesjährigen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie zwischen März und Mitte Mai an den zahlreichen, teilweise sehr umfangreichen Warnstreikaktionen der IG Metall. Zur Erweiterung ihres Handlungsrepertoires hatte sich die IG Metall diesmal auch auf umfangreiche Tagesstreiks vorbereitet. Dabei sollten, falls erforderlich, ausgewählte Betriebe bis zu 24 Stunden bestreikt werden. Letztlich erübrigte sich diese Eskalationsstufe, da kurz vor Pfingsten ein Tarifabschluss erzielt werden konnte. „Das trug maßgeblich zur Begrenzung des diesjährigen Arbeitskampfvolumens bei“, sagt Dribbusch. Größere Warnstreiks begleiteten auch die Tarifrunde der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bei der Telekom.


Im zweiten Halbjahr sei mit größeren Flächenauseinandersetzungen vorerst nicht zu rechnen, sollte es nicht in der Chemie-Industrie zu unerwarteten Konflikten kommen.

Auch 2016 werden Auseinandersetzungen um Tarifverträge in einzelnen Firmen und Einrichtungen das Gros der Tarifkonflikte mit Arbeitsniederlegungen stellen. Dies zeichne sich bereits jetzt ab, so Dribbusch. Ungelöst sind nach Analyse des Arbeitskampfexperten einige seit längerem schwelende Tarifkonflikte.

Dazu zähle der Dauerkonflikt bei Amazon, wo der Konzern nach wie vor den Abschluss eines Tarifvertrages mit ver.di ablehnt. Die Folge waren auch im ersten Halbjahr 2016 wiederholte Arbeitsniederlegungen an mehreren Standorten. Im Arbeitskampf mit der 2015 aus dem Flächentarifvertrag des Einzelhandels ausgeschiedenen SB-Warenhauskette real wurde hingegen nach mehreren Arbeitsniederlegungen ein Kompromiss zwischen Management und ver.di erzielt, der eine mittelfristige Rückkehr in den Flächentarifvertrag beinhaltet.

Abzuwarten bleibt nach Ansicht des Experten der Verlauf einer breit angelegten Kampagne von ver.di für einen Tarifvertrag zur Entlastung des Pflegepersonals in den 21 Kliniken des Saarlandes. 

  • Erklärtes Vorbild sei hier die im letzten Jahr erfolgte Durchsetzung besserer Arbeitsbedingungen an Deutschlands größter Klinik, der Charité in Berlin. Entscheidend für den Erfolg in der Charité sei gewesen, dass die Forderung nach Entlastung sehr breit unter den Beschäftigten diskutiert und Formen des Arbeitskampfes gefunden wurden, die sowohl die Sicherheit der Patienten gewährleisten als auch wirtschaftlichen Druck auf die Krankenhausbetreiber entfalteten. 
  • Die Hürde zu einem umfassenden Pflegestreik im Saarland habe ver.di deshalb auch bewusst relativ hoch gehängt, erklärt Dribbusch. Ein möglicher Streik für einen entsprechenden Tarifvertrag zur Entlastung werde ausdrücklich an die breite Unterstützung des Pflegepersonals in allen saarländischen Krankenhäusern, einschließlich derjenigen in kirchlicher Trägerschaft gebunden. „Hier wird in mehrerer Hinsicht Neuland betreten“, sagt der Arbeitskampfforscher.

Insgesamt, sagt Dribbusch mit Blick auf die heute vorgelegten Zahlen, gelte es nicht zu vergessen, dass Streiks nie Selbstzweck sind. „Sie sind vielmehr ein nach wie vor wichtiges Mittel, mit dem den Interessen und Forderungen der Beschäftigten gegenüber Unternehmen und öffentlichen Arbeitgebern wirksam Nachdruck verliehen werden kann. Nicht wenige Streiks in jüngerer Zeit wurden durch Angriffe von Unternehmen auf tarifliche Standards provoziert“, sagt der Forscher. Für die Gewerkschaften bleibe die Verteidigung des Streikrechts deshalb von größtem Interesse. 

Hierzu gehöre auch, dass die von der Bundesregierung geplanten Neuregelung der Arbeitnehmerüberlassung am Ende tatsächlich ausschließe, dass Unternehmen, wie in letzter Zeit häufig geschehen, Leiharbeiter als Streikbrecher einsetzen können.

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Dr. Heiner Dribbusch
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360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle-KANZEL: Kontinuierlichen Glukose-Mess-Systemen für Diabetespatienten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur kontinuierlichen Glukosemessung

Deutsche Diabetes Gesellschaft und diabetesDE begrüßen Kostenübernahme von Kontinuierlichen Glukose-Mess-Systemen für Diabetespatienten als „Meilenstein“ 
 
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe und Deutsche Diabetes Hilfe – Menschen mit Diabetes begrüßen den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), wonach für bestimmte Diabetespatienten künftig die Kosten für Systeme für ein Kontinuierliches Glukose-Monitoring von den Krankenkassen übernommen werden. „Das ist ein wichtiger Meilenstein in der Therapie des Diabetes mellitus und ein Segen für die Patienten“, sagt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der DDG. „Die Entscheidung erleichtert insulinpflichtigen Patienten die Teilhabe an Bildung und Arbeit und bringt ihnen ein großes Stück Lebensqualität, was vor allem für betroffene Kinder erfreulich ist“, ergänzt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Mit der am 16. Juni 2016 getroffenen Entscheidung ist der G-BA der Empfehlung seines Unterausschusses Methodenbewertung gefolgt, der eine Kostenübernahme befürwortet. Der Beschluss gilt für alle insulinpflichtigen Patienten mit Diabetes mellitus unter intensivierter Insulinbehandlung – „insbesondere, wenn sie geschult sind (…) und die Therapieziele nicht erreicht werden können“, führte der unparteiische Vorsitzende des G-BA aus, Professor Josef Hecken.

  • Bei einer intensivierten Insulinbehandlung müssen Patienten mehrfach täglich ihren Blutzucker messen, um die erforderliche Insulindosis abschätzen zu können. Dazu müssen sich Menschen mit Diabetes mehrfach am Tag in die Fingerbeere stechen, um Blut für die Messung mit einem Teststäbchen zu bekommen.

Das Kontinuierliche Glukose-Monitoring mit Real-Time-Messgeräten (kurz: CGM) ermöglicht die Überwachung der Glukoseänderungen im Körper rund um die Uhr. 

  • Die Systeme bestehen aus einem Sensor, der ins Unterhautfettgewebe eingestochen wird und dort bis zu sieben Tage verbleibt. Alle fünf Minuten wird ein Messwert des Gewebezuckers drahtlos an einen Empfänger übermittelt, der diese Werte in Echtzeit aufnimmt und anzeigt. Ändert sich die Stoffwechsellage und sinken oder steigen die Glukosewerte unterhalb oder oberhalb von vorgegebenen Grenzwerten, wird automatisch Alarm ausgelöst und der Patient entsprechend informiert.

„Zwar sind diese Systeme noch kein vollständiger Ersatz für die herkömmliche ‚blutige‘ Blutzucker-Selbstkontrolle, weil der Patient noch ein bis zwei Mal täglich Selbstmessungen mit einem Blutstropfen aus dem Finger zur Kalibrierung des CGM-Systems vornehmen muss“, erläutert Professor Dr. Lutz Heinemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie der DDG. 

„Doch die Überwachung des Glukoseverlaufs über die Zeit hinweg wird mit CGM enorm erleichtert.“ 

Dieser Einschätzung schließt sich Dr. Jens Kröger an, Vorstandsmitglied bei diabetesDE – Deutsche Diabeteshilfe, hier zuständig für Versorgung und Prävention. „Auf diesen Durchbruch haben wir seit über acht Jahren gewartet und begrüßen ihn sehr!“, kommentiert Kröger den G-BA-Entscheid. „Wichtig ist, dass die Patienten im Hinblick auf die kontinuierliche Glukosemessung geschult werden, um sicher mit dieser Methodik umgehen zu können“, betont der niedergelassene Diabetologe.
  • Für die Betroffenen bringt das CGM nicht nur ein einfacheres Handling ihrer Erkrankung, sondern auch deutlich mehr Sicherheit – gefährliche Unterzuckerungen werden früh erkannt und vermieden. 

„Patienten kommen so sicherer durch den Tag und können belastende Situationen im Alltag und im Beruf besser und sicherer meistern, etwa Berufskraftfahrer, Personen mit Überwachungsaufgaben oder Menschen, die hochkonzentriert an einem beruflichen Meeting teilnehmen müssen“, erklärt Jan Twachtmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M). 

„Es profitieren davon letztlich alle insulinpflichtigen Patienten, die ein intensives und erfüllendes Leben führen möchten, sei es durch Reisen, Schwangerschaft oder Prüfungen, die junge Menschen herausfordern. Die persönliche Lebensqualität steigt durch dieses Hilfsmittel enorm.“

Bisher wurden die Kosten für ein CGM-System nur in Einzelfällen übernommen, etwa im Fall einer Schwangerschaft oder bei häufigen Unterzuckerungen. 

„Leider waren diese Kostenübernahmen vielfach von rechtlichen Auseinandersetzungen begleitet, die bis vor das Bundessozialgericht führten“, berichtet Heinemann. 

„Wir sind froh, dass mit dem G-BA-Beschluss jetzt Klarheit geschaffen worden ist.“ 

  • Die Kosten für ein CGM liegen mit etwa zehn Euro pro Tag derzeit noch höher als bei der herkömmlichen Messung, die mit etwa ein bis zwei Euro pro Tag für die Teststreifen zu Buche schlägt. 

Insbesondere für Kinder und deren Eltern stellt diese Entscheidung einen sehr wichtigen Schritt dar, betont Dr. Ralph Ziegler, Münster, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie der DDG.

Ein CGM-Gerät kann prinzipiell mit einer Insulinpumpe gekoppelt werden, eine Kombination, die wie eine künstliche Bauchspeicheldrüse arbeitet. 

Damit ist das CGM auch ein erster Schritt auf dem Weg zum „Closed-Loop-System“, der künstlichen Bauchspeicheldrüse.

Medizin am Abend Berlin Hinweis:  Siehe auch bitte 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFach-Link


Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit fast 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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Kerstin Ullrich und Anna Julia Voormann
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Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
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Tel.: 030 3116937-0, Fax: 030 3116937-20
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http://www.ddg.info

diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe ist eine gemeinnützige und unabhängige Organisation, die Menschen mit Diabetes, Diabetesberater, Ärzte und Forscher vereint. Gemeinsam schaffen wir Öffentlichkeit für das Thema und vertreten die Interessen der Menschen mit Diabetes. Wir setzen uns für eine bessere Prävention, Versorgung und Forschung im Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes ein. Die Krankheit breitet sich auch in Deutschland rasch aus. 6 Millionen Menschen sind in Behandlung, und jeden Tag kommen fast 1000 Neuerkrankte hinzu.

Gegründet wurde diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) www.ddg.info und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) www.vdbd.de. Die Selbsthilfe ist innerhalb von diabetesDE durch die selbstständige Selbsthilfeorganisation Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) www.ddh-m.de vertreten.

Spendenkonto 60 60, Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 100 20 500)

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360° TOP-Hinweis: Rettungsstellen-KANZEL: Herzinfarkt-Diagnose - Akuten Brustschmerz

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Schnellere Herzinfarkt-Diagnose hilft Leben zu retten

Ein neues, von Wissenschaftlern des Universitären Herzzentrums des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickeltes diagnostisches Verfahren kann die Abklärung, ob es sich bei akuten Brustschmerzen um einen Herzinfarkt handelt oder nicht, entscheidend verbessern. 

Mit dem an über 1000 im UKE behandelten Patienten erprobten Test kann das Zeitfenster bis zur endgültigen Diagnose und Einleitung einer lebensrettenden Therapie von drei auf eine Stunde reduziert und damit auch die Sterblichkeit verringert werden. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im renommierten Fachjournal JAMA Cardiology veröffentlicht. 
 
„Bei Patienten mit Brustschmerzen und Verdacht auf einen Herzinfarkt muss möglichst rasch abgeklärt werden, ob weitere therapeutische Maßnahmen einzuleiten sind oder ob man sie sicher wieder nach Hause entlassen kann“, erläutert Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie im Universitären Herzzentrum (UHZ).

„Hierfür benötigen wir möglichst präzise, zuverlässige und einfach anzuwendende Testverfahren.“

Die aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie empfehlen bei Verdacht auf Herzinfarkt, sofort bei der Aufnahme des Patienten und dann nochmals nach drei Stunden per Bluttest Troponin I zu messen. 
  • Dabei handelt es sich um einen Biomarker, der Aufschluss über Schädigungen der Herzmuskelzellen gibt. 
Prof. Blankenberg: „Bis zur endgültigen Diagnose müssen Patienten also in jedem Fall zumindest drei Stunden im Krankenhaus bleiben. Nach derzeitigen Standards gelten Troponin I-Werte über 27 ng/L als erhöht.“

Im UHZ wurde in den vergangenen Jahren eine Alternative entwickelt und erprobt.

„Der neue, hochsensitive Troponin I-Test liefert viel rascher Ergebnisse und entdeckt auch viel niedrigere Troponin I-Werte, die aber eine wichtige Rolle für das kardiovaskuläre Risiko spielen dürften“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Dirk Westermann. Unter seiner Leitung stand die sogenannte BACC-Studie („Biomarkers in Acute Cardiac Care“), deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden.

In die BACC-Studie wurden 1040 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren eingeschlossen, die mit akutem Brustschmerz und Herzinfarkt-Verdacht in der Notaufnahme des UKE betreut wurden. Es wurden sowohl der herkömmliche Troponin I-Test mit dreistündiger Wartezeit als auch das neue Testverfahren durchgeführt. Auf Basis des Standardverfahrens wurde bei 184 Patienten ein Herzinfarkt diagnostiziert und eine weitere stationäre Behandlung veranlasst, die anderen wurden nach Hause entlassen. Alle Patienten wurden über zwölf Monate weiter beobachtet.

  • Beim Vergleich der Ergebnisse beider Testverfahren stellte sich heraus, dass bereits ein Grenzwert von nur 6 ng/L Troponin I, bei der Aufnahme und nach einer Stunde gemessen, zuverlässiger den Ausschluss eines Herzinfarkts ermöglicht als die bisher empfohlenen 27 ng/L mit Wiederholungsmessung nach drei Stunden.
Dr. Westermann: „Der schneller anzuwendende Test und die niedrigeren Grenzwerte können die Sicherheit weiter erhöhen, dass die richtigen Patienten nach Hause geschickt werden.“

Der neue Algorithmus mit dem niedrigeren Grenzwert wurde über die UKE-eigene Studie hinaus anhand der Daten zweier weiterer großer Studien, an der mehr als 4000 Patienten mit akutem Brustschmerz und Herzinfarkt-Verdacht beteiligt waren, überprüft und bestätigt.

Diese Studie, so Prof. Blankenberg, wird Einfluss auf eine zukünftige Änderung der Leitlinien zur Diagnose des akuten Myokardinfarktes besitzen.

Literatur:
Neumann et al., Diagnosis of Myocardial Infarction Using a High-Sensitivity Troponin I 1-Hour Algorithm, JAMA Cardiology. Published online June 1, 2016; Doi:10.1001/jamacardio.2016.0695

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Prof. Dr. Stefan Blankenberg
Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-56800
E-Mail: s.blankenberg@uke.de
Saskia Lemm Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Bipolare Depression und die Schilddrüsenhormone: Limbischen Zuckerstoffwechsel beachten / Gehirnzucker-Stoffwechsel

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Dresdner Wissenschaftler belegen Wirksamkeit von Schilddrüsenhormonen

  • Schilddrüsenhormone bewirken Veränderungen des Stoffwechsels im Gehirn und gehen so mit einer positiven therapeutischen Wirkung bei bipolaren Depressionen einher. 
Eine von Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, geleiteten Studie liefert deutliche Belege für Auswirkungen der Gabe von Levothyroxin L-T4. 

Placebo-Präparate dagegen zeigten fast keine Wirkung. Die Ergebnisse der internationalen, randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie publizierte Prof. Bauer mit seinen Kollegen von der UCLA Los Angeles und der Charité Berlin in Molecular Psychiatry (doi: 10.1038/mp.2014.186). 
 Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.
Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Foto: Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden/Stephan Wiegand
 
Die Gabe von Levothyroxine (L-T4) in über dem normalen körpereigenen Spiegel liegenden Dosen im Rahmen einer Standardbehandlung für bipolare Depressionen hat vielversprechende Wirkungen erzielt.

  • In einer vorgelagerten Pilot-Studie hat die L-T4 Behandlung die Depressionsrate herabgesetzt und die Gehirnaktivitäten im limbischen System reduziert. 

Jetzt wurde dieser Forschungsansatz in einer internationalen, randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie durch eine Forschergruppe um Prof. Bauer intensiver untersucht. Dabei konnten die Wissenschaftler Belege für Auswirkungen der Gabe von Levothyroxin L-T4 auf die Symptome und auf den limbischen Zuckerstoffwechsel bei bipolaren Depressionen finden. Die genauen Mechanismen, die dieser klinischen Verbesserung zugrunde liegen, sind jedoch noch unbekannt.

Für die Studie untersuchten die Forscher den Gehirnzucker-Stoffwechsel mittels der Positronen-Emissions-Tomographie und [F-18] Fluorodeoxyglucose vor und sechs Wochen nach der Behandlung mit L-T4 oder einem Placebo. Die Gabe von L-T4 hat einen bedeutenden Rückgang der Depressionsrate während der sechswöchigen Behandlung erzeugt.

Im Gegensatz zur Placebo-Behandlung kam es während der Schilddrüsenhormontherapie zu deutlichen Verbesserungen des Gehirnstoffwechsels des Limbischen Systems,
einem Netzwerk von Regionen (u.a. Mandelkern (Amygdala), Hippocampus und Thalamus), die im menschlichen Gehirn für die Steuerung von Emotionen, Gedächtnis und Angst verantwortlich sind.

„Diese Ergebnisse zeigen klar, dass die Gabe von supraphysiologischen, also über dem normalen Blutspiegel liegenden Mengen des Schilddrüsenhormons L-T4 die Symptome von Patienten mit einer bipolar Depression verbessert“, unterstreicht Prof. Michael Bauer.

„Dies geschieht durch das Modulieren der Hirnfunktion in Teilen des vorderen limbischen Netzwerks, das für die Verarbeitung von Emotionen eine ganz zentrale Bedeutung besitzt.“

„Darüber hinaus belegen diese Ergebnisse den seit langem bekannten engen Zusammenhang zwischen der Schilddrüse und der Depression, indem sie zeigen, dass auch das Gehirn des Erwachsenen ein Zielorgan für das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin ist“.

Publikation
Bauer, Berman , Samm, Plotkin, Adli, Pilhatsch, London, Hellemann, Whybrow, Schlagenhauf: Levothyroxine effects on depressive symptoms and limbic glucose metabolism in bipolar disorder: a randomized, placebo-controlled positron emission tomography study. In: Molecular Psychiatry. 2016 Feb; 21(2):229-36. doi: 10.1038/mp.2014.186. Epub 2015 Jan 20.

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Prof. Dr. Dr. Michael Bauer
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Bipolare Störung: Einladung zur speziellen Psychotherapie-Studie (mit der Fachbezeichnung „BipoLife A2"

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Bipolare Störungen: Oft schon Symptome im jungen Erwachsenenalter

Bipolare Störungen (manisch-depressive Erkrankungen) betreffen circa zwei Prozent der Bevölkerung und sind von Phasen der Depression wie auch deren Gegenpol, der Manie, geknnzeichnet. 

Für die meisten Betroffenen die Erkrankung einen lebenslangen Kampf, der oftmals schon in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter beginnt, ohne dass diese Menschen jedoch ausreichend diagnostiziert oder behandelt werden. 

Daher richten sich Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus mit einer speziellen Psychotherapie-Studie (mit der Fachbezeichnung „BipoLife A2“) gerade an junge Menschen (im Alter von 18 bis 35 Jahren) mit bipolarer Störung. 

Etwa zwei Prozent der Deutschen leiden unter einer bipolaren Störung. Etwa zwei Prozent der Deutschen leiden unter einer bipolaren Störung. Stephan Wiegand / Medizinische Fakultät der TU Dresden
 
Auch viele berühmte Persönlichkeiten litten unter dieser Erkrankung, beispielsweise Ernest Hemingway, Robert Schumann oder Vincent van Gogh – bei denen sich kreative Höhenflüge mit tiefer, teils lebensgefährlicher Depression abwechselten.

Im Rahmen der Studie bieten die Therapeuten eine innovative Gruppenpsychotherapie an und sind überzeugt, damit Rückfälle in die Depression oder Manie verhindern zu können.

Die Studie wird in ganz Deutschland in insgesamt neun universitären Zentren angeboten.

Die Gesamtkoordination erfolgt durch Prof. Martin Hautzinger in Tübingen. Am Standort Dresden wird die Studie durch Dr. Jörn Conell und durch Dr. Dirk Ritter geleitet. Das Therapieangebot findet einmal im Monat ganztägig an insgesamt vier Samstagen im Universitätsklinikum Dresden statt, so dass auch Patienten aus dem weiteren Umkreis Dresdens daran teilnehmen können.

Bei Interesse an der aktuellen Studie gibt es unter Telefon 458-3595 bzw. per E-Mail an
BipoLife@uniklinikum-dresden.de die Möglichkeit zur Terminkoordination für einen ersten Kontakt zur lokalen Studienleitung.

Mehr Informationen zur BipoLife A2-Studie und dem Wissenschaftler-Team gibt es online unter www.BipoLife.org.

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360° TOP-Hinweis: Rettungsstellen-KANZEL: Zeugungsunfähigkeit - Hodenschmerzen - Hodentorsion

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Gefahr der Zeugungsunfähigkeit - 

Hodenschmerzen sind bei Jungen immer ein Notfall

Eltern sollten plötzliche und starke Hodenschmerzen ihres Kindes immer ernst nehmen und schnellstmöglich einen Kinderchirurgen oder Kinderurologen aufsuchen. 

Denn in etwa einem Fünftel der Fälle liegt eine „Hodendrehung“ vor, die innerhalb weniger Stunden operiert werden sollte. 

Zu dieser Empfehlung kommt die neue Leitlinie „Akutes Skrotum“, die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) entstanden ist. 
 
Der Grund: Bei einer Hodentorsion, wie der Fachausdruck für die Hodendrehung lautet, ist die Blutzirkulation über die versorgenden Gefäße gestört.

  • Nicht rechtzeitig behandelt, kann dies bereits nach sechs bis acht Stunden zum Absterben von Hodengewebe führen. 
  • Dauerhaft verminderte Fruchtbarkeit und ein äußerlich beeinträchtigtes Genital sind dann die Folge.
Die Hoden sind, je nach Alter, etwa oliven- bis pflaumengroße Organe, die im Hodensack, dem Skrotum, in voneinander getrennten Fächern des Hodensackes untergebracht sind. 
  • Ihre Hauptfunktion besteht darin, männliche Geschlechtshormone wie Testosteron und – mit einsetzender Pubertät – auch Samenzellen (Spermien) zu produzieren.
„Dreht sich der Hoden mit dem Nebenhoden um den Samenstrang, sprechen wir von einer Hodentorsion“, erläutert der Bremer Kinderchirurg Professor Dr. med. Christian Lorenz, der die Erstellung der Leitlinie koordiniert hat. 

Dabei wird die Blutversorgung des betroffenen Hodens vermindert, was zu plötzlichen, starken Schmerzen, Schwellung und Rötung eines, seltener beider Hodenfächer führen kann. 

„Hodengewebe ist sehr empfindlich“, betont Dr. med. Tobias Schuster,  Chefarzt der Kinderchirurgie am Klinikum Augsburg. 

Ist die Blutzufuhr komplett unterbrochen, sterben die spermienbildenden Zellen nach spätestens sechs bis acht Stunden ab. 

Die hormonproduzierenden Zellen, die sogenannten Leydig-Zellen, gehen nach etwa zwölf Stunden zugrunde – es droht der Verlust des Hodens.
  • Hodentorsionen können in jedem Lebensalter auftreten. 

Ursache sind oft besonders locker befestigte und damit im Hodenfach sehr bewegliche Hoden. 
  • Aber auch Kinder mit einem verspäteten, also nicht bis zur Geburt erfolgten Abstieg eines oder beider Hoden in den Hodensack haben ein bis zu zehnfach erhöhtes Torsionsrisiko. 
„Im Kindes- und Jugendalter gibt es jedoch Besonderheiten gegenüber Erwachsenen, die Diagnose und Therapie erschweren“, erklärt Professor Lorenz, Direktor der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie am Klinikum Bremen-Mitte.

Dies hängt auch mit den zwei Altersgipfeln der Hodendrehung bei jungen Patienten zusammen: 

Neben einem kleineren Häufigkeitsgipfel für die Hodentorsion im ersten Lebensjahr sind vor allem Knaben zwischen dem 12. und 18. Geburtstag mit etwa 65 Prozent aller Ereignisse betroffen. 

Das Risiko zu erkranken, liegt hier bei 1:4000. Während sich die sehr kleinen Patienten noch nicht präzise äußern können, tun betroffene Jungen dies in der Pubertät oft aus Scham nicht – oder zu spät, schildert Lorenz die Problematik. 

„Dies kann dazu führen, dass die Drehung oft schon Stunden zurück liegt, bis wir die Patienten sehen, und die Prognose für den Hoden trotz zügig eingeleiteter Operation entsprechend schlecht ist.“ 

  • Deshalb sei ein akutes Skrotum immer ein Notfall mit höchster Dringlichkeit.

Für die Diagnose ist eine gründliche Untersuchung des gesamten Genitals und seiner Umgebung entscheidend. 

Diese sollte immer auch eine Ultraschalluntersuchung einschließlich des sogenannten Farbdopplers beinhalten. „Damit können wir die Qualität der Durchblutung der Hoden überprüfen“, so Lorenz. Zudem gelte es, weitere infrage kommende Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen oder sie angemessen zu behandeln – dann in der Regel mit anderen Therapien, die als ersten Schritt nicht unbedingt eine Operation vorsehen. 

  • Zu diesen Erkrankungen gehören etwa eine Torsion von Anhangsgebilden an Hoden oder Nebenhoden (sogenannte Hydatiden), Hodenentzündungen oder Hodentumore.

Der Begriff „Akutes Skrotum“ gilt als Überbegriff und Leitdiagnose bis zur Sicherung der genauen Ursache für die Beschwerden. „Besteht trotz zeitgerechter Ausschöpfung aller Untersuchungstechniken der geringste Zweifel an einer ausreichenden Durchblutung des betroffenen Hodens, ist eine notfallmäßige operative Eröffnung des betroffenen Hodenfaches mit Inspektion des Hodens und adäquater Therapie die zwingend gebotene Maßnahme“, so Professor Dr. med. Bernd Tillig, Präsident der DGKCH aus Berlin.

Bei der Operation wird der betroffene Hoden in seine ursprüngliche Lage zurück gedreht, sodass die Durchblutung wieder möglich ist und der Hoden erhalten werden kann. 

  • Auch wird er mit zwei bis drei Nähten gesondert im Hodenfach befestigt; man bezeichnet diesen Teil des Eingriffs auch als Orchidopexie. 
  • Die neue Leitlinie empfiehlt die Orchidopexie auch für den bislang unauffälligen Hoden auf der Gegenseite, um so einer möglichen Torsion vorzubeugen.

„Nur wenn der Hoden unwiederbringlich geschädigt ist, muss er entfernt werden“, betont Tillig. 

  • Eine prothetische Versorgung des leeren Hodenfaches ist heute Teil der Nachsorge für alle Patienten, die einen Hodenverlust erlitten haben und deren Körperwachstum abgeschlossen ist. 

Dabei setzen die Chirurgen ein Implantat aus Kunststoff ein, das aussieht und sich auch anfühlt wie ein Hoden.

Weitere Informationen:

Leitlinie Akutes Skrotum im Kindes- und Jugendalter
Klassifikation S2k
Stand: 31.8.2015, gültig bis 31.8.2018 

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/006-023.html

Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie e.V.
Gegründet im Jahr 1963 schafft die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie e.V. (DGKCH) bis heute Grundlagen für eine bestmögliche kinderchirurgische Versorgung in Deutschland. Dazu gehören Neugeborenenchirurgie, allgemeine Kinderchirurgie und Kindertraumatologie ebenso wie Kinderurologie. Die DGKCH vertritt das Fach in allen wissenschaftlichen, fachlichen und beruflichen Belangen. Derzeit praktizieren hierzulande Fachärzte für Kinderchirurgie in mehr als 80 kinderchirurgischen Kliniken und Abteilungen. Kinderchirurgie gehört in die Hände von Kinderchirurgen. Denn ihre Patienten sind keine kleinen Erwachsenen.

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Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

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360° TOP-Hinweis: Elastographie - Einladung zur Studie - Erweiterung der Ultraschalldiagnostik bei Frauen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Unklare Knoten in der Brust: Unnötige Gewebeproben reduzieren

Internationale Studie unter Federführung der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg testet spezielles Ultraschallverfahren in der Brustkrebs-Diagnostik 

Teilnehmen können Frauen, bei denen eine Biopsie angeraten ist 
 
  • Häufig werden bei Frauen im Rahmen der Mammographie oder einer Ultraschall-Untersuchung Knoten in der Brust entdeckt, die sich zunächst nicht eindeutig als gut- oder bösartig einstufen lassen. 

Dann ist die Entnahme einer Gewebeprobe angezeigt. Eine internationale Studie unter Federführung der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg testet nun, wie gut sich die Gewebeauffälligkeiten mit einem speziellen Ultraschallverfahren, der sogenannten Elastographie, einschätzen lassen.

  • Ziel ist es, gutartige Veränderungen auch ohne Biopsie sicher als solche zu erkennen und damit einem Großteil der Frauen eine unnötige invasive Diagnostik zu ersparen. 

An der Studie nehmen neben Heidelberg fünf weitere Brustzentren aus Deutschland, außerdem Kliniken in den USA, Japan, Frankreich, den Niederlanden und Portugal teil. Insgesamt sollen 1.000 Frauen in die Studie eingeschlossen werden. Die High-end-Ultraschallgeräte stellt die Firma Siemens allen teilnehmenden Zentren für die Dauer der Studie zur Verfügung.

Teilnehmen können Frauen, die sich auf Anraten des behandelnden Arztes zur Abklärung eines unklaren Befundes in den Studienzentren eine Gewebeprobe entnehmen lassen wollen. 


Die Überweisung erfolgt in der Regel durch den niedergelassenen Frauenarzt. 

  • Die Elastographie wird einmalig im Anschluss an die routinemäßige Ultraschall-Untersuchung vor der geplanten Biopsie durchgeführt, dauert ca. zehn Minuten und verursacht keine Schmerzen oder gesundheitliche Risiken. 

Im Rahmen der Studie werden die Ergebnisse von Elastographie und Gewebeuntersuchung verglichen, um die Zuverlässigkeit und Aussagekraft des Ultraschallverfahrens zu überprüfen. Die teilnehmenden Frauen haben keinen persönlichen Gesundheitsnutzen, denn bei ihnen wird die Biopsie auf jeden Fall durchgeführt. „Durch ihre Bereitschaft zur Studienteilnahme tragen die Patientinnen aber mit dazu bei, die Brustdiagnostik zukünftig für Frauen in einer ähnlichen Situation entscheidend zu verbessern“, sagt Studienleiter Privatdozent Dr. Michael Golatta, Oberarzt an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. Alle erhobenen Daten werden streng vertraulich behandelt und sind gegen unbefugten Zugriff gesichert.

Elastographie gibt Aufschluss über Gewebeeigenschaften

Ergänzend zur Mammographie wird häufig im Rahmen der Vorsorge oder der Abklärung eine Ultraschall-Untersuchung durchgeführt.

Die mit diesen beiden bildgebenden Verfahren entdeckten Gewebeveränderungen teilen Frauenärzte mittels eines standardisierten Beurteilungssystems (BI-RADS®: Breast Imaging Reporting and Data System) in fünf Kategorien ein.

Die Kategorien 1 und 2 umfassen gutartige Veränderungen wie Zysten oder Kalkablagerungen,
Kategorie 5 bezeichnet klar erkennbare bösartige Tumoren.

Den Kategorien 3 und 4 werden Auffälligkeiten zugeteilt, bei denen eine Gewebeprobe zur weiteren Abklärung angeraten oder auch dringend empfohlen wird. Z.B. in der Kategorie 4a beträgt das Risiko, dass die entdeckte Gewebeveränderung bösartig ist, bis zu zehn Prozent.

„Es wäre zu riskant, das nicht weiter zu untersuchen. Gleichzeitig bedeutet es für mindestens 90 Prozent der Frauen in dieser Kategorie eine unnötige Gewebeentnahme“, so Golatta.

„Um diesen hohen Prozentsatz zu reduzieren, werden wir im Rahmen der multizentrischen Studie die Elastographie in der Brustkrebs-Diagnostik etablieren. “

Mit Hilfe der Elastographie, einer Erweiterung der Ultraschalldiagnostik, lässt sich der Verhärtungsgrad von Gewebe erfassen.

  • Verschiedene andere Studien haben bereits gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen der erhöhten Steifigkeit bzw. Härte und der Bösartigkeit einer Gewebeveränderung besteht: 

Tumorgewebe ist härter und damit auch weniger elastisch als das sie umgebende gesunde Gewebe.


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Interessierte können sich wenden an:
Priv.-Doz. Dr. med. Michael Golatta
Oberarzt
Stellv. Leiter der Sektion Senologie
Universitäts-Frauenklinik Heidelberg
Tel.: 06221-56 7901
E-Mail: michael.golatta@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg

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Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT02638935?term=golatta&rank=1 Internationale, multizentrische Studie zur Evaluierung von Virtual Touch Tissue Imaging Quantification (VTIQ, Elastographie) bei der Bewertung von fokalen Brustläsionen

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/frauen Universitäts-Frauenklinik

An einer Infektion durch mehrfachresistente Keime sterben?

Medizin am Abend Berlin Fazit:  TU Berlin: Wirkstoff gegen resistente Keime

TU-Chemiker nehmen sich des großen Problems fehlender Antibiotika an. In dem Projekt „AlbiPharm“ entwickeln sie neue antibakterielle Substanzen 
 
Die Situation könnte widersprüchlicher nicht sein: Einerseits treten multiresistente Bakterienstämme immer häufiger auf mit der Folge, dass laut Schätzungen der europäischen Gesundheitsbehörde (ECDC) in Europa jährlich 25.000 Patienten an einer Infektion durch mehrfachresistente Keime sterben. In Deutschland liegen die Schätzungen zwischen 7500 bis 15.000 Todesfällen pro Jahr. Andererseits ist seit den 1970-Jahren die Neuentwicklung von Antibiotika zurückgegangen. „Es fehlen neue Antibiotika-Wirkstoffklassen, die effektiv gegen krankheitserregende Bakterien eingesetzt werden könnten.  

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema Link: Zeckenbiss in Kindertagesstätten  

Zudem hat sich die Pharmaindustrie weitgehend aus der Antibiotikaforschung und -entwicklung zurückgezogen“, sagt Prof. Dr. Roderich Süssmuth, Leiter des Fachgebietes Biologische Chemie.3
Roderich Süssmuth hat sich der Entdeckung neuer Wirkstoffe, insbesondere von Antibiotika, verschrieben.

Es ist eines der wichtigsten Arbeitsgebiete seiner Arbeitsgruppe. In seinem neuen Projekt „AlbiPharm“ sollen die Forschungen auf diesem Gebiet intensiviert werden. Ziel es ist, die Wirksamkeit des antibiotischen Wirkstoffs Albicidin zu optimieren, zu prüfen und als Wirkstoff in einem Medikament vorzubereiten.

Albicidin wurde 1985 in dem pathogenen Bakterium Xanthomonas albilineans gefunden, das Zuckerohrpflanzen befällt. Die Aufklärung der Struktur des Stoffwechselproduktes Albicidin gelang der Arbeitsgruppe von Roderich Süssmuth in Zusammenarbeit mit französischen Wissenschaftlern des CIRAD-Instituts in Montpellier und wurde 2015 in Nature Chemical Biology publiziert. Die Beschreibung der Struktur von Albicidin ist nun die Grundlage für die Forschungen in dem Projekt „AlbiPharm“.

Eine Besonderheit des Albicidins ist seine hohe Wirksamkeit gegen die schwer zu bekämpfenden Gram-negativen Bakterien.

Zu diesen Bakterien gehören unter anderem die Kolibakterien (Escherichia coli), Salmonellen, Shigellen, Klebsiella, Legionellen, Pseudomonaden und Streptobacillus moniliformis, Erreger des sogenannten Rattenbissfiebers.

„In der heutigen Antibiotikaforschung muss die Bekämpfung der Gram-negativen Bakterien ein Schwerpunkt sein. Denn was das Reservoir an Wirkstoffen gegen diese Keime anbelangt – da ist die Pipeline praktisch leer“, sagt Roderich Süssmuth. Aus medizinischer Sicht sei es daher höchste Zeit, die Forschungen zu intensivieren.

Der molekulare Angriffspunkt (Target) von Albicidin ist die Gyrase, ein für Bakterien lebenswichtiges Enzym. Es führt die Aufwindung der DNA bei Zellteilungsprozessen durch. Als besonders vorteilhaft erweist sich, dass Gyrase-Hemmer wie die auf dem Markt befindlichen Fluor-Chinolone, die weltweit Millionen Menschen das Leben gerettet haben, besonders effiziente Antibiotika sind. Die Mengen an Albicidin, die aus dem Bakterium isoliert werden können, sind für eine weitere Optimierung allerdings viel zu gering, sodass Albicidin mittlerweile synthetisch hergestellt wird. Die chemische Synthese ist durch ein Patent der TU Berlin geschützt.

Neben dem synthetischen Zugang, durch den der Wirkstoff verhältnismäßig einfach und kostengünstig hergestellt werden kann, können nun auch Strukturvariationen vorgenommen werden, die die Wirkstoffeigenschaften des Albicidins verbessern.

Als interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Chemie, Biochemie und Ingenieurwissenschaften bearbeitet die Gruppe die Integration chemischer Modifikationen in die Grundstruktur. Anschließend erfolgt die Untersuchung dieser neu synthetisierten Derivate hinsichtlich ihres Wirkspektrums auf unterschiedliche Bakterienstämme sowie spezieller pharmakologischer Eigenschaften. Das Ziel des Projektes „AlbiPharm“ ist, einen pharmazeutisch aktiven Wirkstoff auf Grundlage des Albicidins zu entwickeln, der für die weiterführende Erforschung im Tiermodell optimiert ist. Damit soll ein Grundstein für die Entwicklung eines neuen Medikaments gelegt werden, das wirksam gegen multiresistente Keime eingesetzt werden kann.

„AlbiPharm“ wird im Rahmen des VIP-Programms des Bundesforschungsministeriums mit 1,6 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren gefördert.

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Prof. Dr. Roderich Süssmuth
TU Berlin
Fachgebiet Biologische Chemie
Tel.: 030/314-78774
E-Mail: suessmuth@chem.tu-berlin.de
Stefanie Terp Technische Universität Berlin

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ACHTUNG ansteckend - Arbeitsengagement von Teams

Medizin am Abend Berlin Fazit: Arbeitsengagement von Teams ist ansteckend für Führungskräfte

Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich das Arbeitsengagement von Teams auf die Führungskraft übertragen kann. 

Das berichten Psychologinnen und Psychologen in der Fachzeitschrift „Journal of Occupational Health Psychology“. Sie befragten 315 Teammitglieder und die zugehörigen 67 Führungskräfte zweimal in einem Zeitraum von acht Monaten zu ihrem Arbeitsengagement und ihrer emotionalen Erschöpfung. 
 
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der emotionale Zustand der Führungskraft einen wichtigen Einfluss auf das Wohlergehen der Mitarbeiter hat.

Wie aber sieht es umgekehrt aus?

Kann sich der psychische Zustand von Arbeitsteams auch auf die Führungskraft übertragen?

Welche Eigenschaften der Führungskraft beeinflussen diese Übertragungsprozesse?

Diesen Fragen ist ein internationales Forscherteam (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Philipps-Universität Marburg, Mälardalen Universität, Schweden) nachgegangen. „Wir haben untersucht, wie sich psychische Zustände von Mitarbeitern - positive wie negative - auf die Führungskraft auswirken“, sagt Nina Wirtz, Psychologin und Hauptautorin der Studie. „Um mehr darüber zu erfahren, wie dieser Prozess funktioniert, haben wir untersucht, ob das Erleben emotionaler Selbstwirksamkeit der Führungskraft hierbei eine Rolle spielt.“

Die Studie

Im Rahmen eines internationalen Projektes zum Thema „gesundheitsförderliche Führung“ wurden branchenübergreifend Führungskräfte und ihre Teams in Deutschland und Schweden gebeten, zu zwei Zeitpunkten im Abstand von acht Monaten einen Fragebogen auszufüllen. 67 Führungskräfte und 315 Teammitglieder beantworteten einen Online- oder Papierfragebogen. Die Mitarbeiter-Teams bestanden im Schnitt aus vier Personen.

  • Zum ersten Erhebungszeitpunkt wurden die Mitarbeiter-Teams zu ihrer emotionalen Erschöpfung (negativer Zustand), zu ihrem Arbeitsengagement (positiver Zustand) und zur Dauer der Zusammenarbeit mit ihrer Führungskraft befragt. 
  • Die Führungskräfte wurden zum ersten Zeitpunkt zu ihrem emotionalen Selbstwirksamkeitserleben befragt. 

Dieses Konzept beschreibt die Überzeugung einer Person, dass sie eigene Stimmungen und auch die von anderen Menschen verstehen, beeinflussen und regulieren kann.

Die emotionale Erschöpfung und das Engagement der Führungskräfte wurden zu beiden Erhebungszeitpunkten gemessen, sodass die Ergebnisse die Veränderung der Erschöpfung und des Engagements der Führungskräfte über den Befragungszeitraum hinweg (acht Monate) widerspiegeln.

Engagement ist ansteckend

Die Analysen zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen dem Arbeitsengagement der Teams und dem ihrer Führungskräfte acht Monate später. Das Arbeitsengagement von Teams hatte sich über einen Zeitraum von acht Monaten hinweg auf die jeweilige Führungskraft übertragen. Dieser Übertragungsprozess war unabhängig von der emotionalen Selbstwirksamkeit der Führungskraft. 

Die emotionale Erschöpfung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hingegen hatte keinen direkten Einfluss auf das Ausmaß der Erschöpfung der Führungskräfte acht Monate später. Indirekt gab es jedoch trotzdem einen Einfluss:  

Wenn sich die Führungskraft als sehr einfühlsam beschrieb, dann war sie durch das emotionale Erschöpfungserleben ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärker tangiert, als wenn dies nicht der Fall war.

Ressourcen im Umgang mit negativen Emotionen aufbauen

Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass Arbeitsengagement direkt übertragbar, sozusagen ansteckend ist.
Emotionale Erschöpfung hingegen überträgt sich nur auf besonders einfühlsame Führungskräfte. 

„Unsere Daten zeigen, dass emotionales Selbstwirksamkeitserleben das Übertragen negativer Emotionen begünstigen kann.

Das mag daran liegen, dass Führungskräfte mit hohem Selbstwirksamkeitserleben den emotionalen Zuständen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Aufmerksamkeit schenken und dadurch auch eher mit negativen Emotionen konfrontiert sind“, vermutet Nina Wirtz.

„Natürlich sollten Führungskräfte auch weiterhin auf die (negativen) Emotionen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen, da dies zu einem konstruktiven und gesunden Arbeitsklima beiträgt. 
  • Dabei ist jedoch wichtig, dass sie sich der Möglichkeit eines Übertragungsprozesses bewusst sind und genug persönliche Ressourcen aufbauen, um diesem entgegenzuwirken. “
Neben der Erschöpfung und dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter analysierten die Forscher auch die Autonomie, das Arbeitspensum, Alter, Geschlecht und Dauer der Zusammenarbeit von Führungskraft und Team. 

  • Keine dieser Kontrollvariablen hatte einen Effekt auf die Erschöpfung oder das Engagement der Führungskräfte.

Die Originalstudie finden Sie hier:
 
Wirtz, N., Rigotti, T., Otti, K., & Loeb, C. (2016). What About the Leader? Crossover of Emotional Exhaustion and Work Engagement From Followers to Leaders. Journal of Occupational Health Psychology, online first publication
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26938080


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Nina Wirtz (M.Sc. Psych.)
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Psychologisches Institut
Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Wallstraße 3
55122 Mainz
E-Mail: niwirtz@uni-mainz.de
Tel. : 06131 3939235 

Dr. Anne Klostermann
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