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Medizin am Abend Fazit:


Der Fragebogen im Internet. Bearbeitungszeit ca. 30 Minuten.

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Erstellung und Redaktion:
Prof.Dr.Dr. Heiner Raspe
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Jana Langbrandtner, Dipl.-Gesundheitswirtin

Technische Umsetzung:
Christian Himstedt, Dipl.-Informatiker Herausgeber:
Seniorprofessur für Bevölkerungsmedizin
Universität zu Lübeck
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23538 Lübeck

Vitamin E - Herpes Viren

Medizin am Abend Fazit:    Vitamin E bügelt Gendefekt aus


Oxidativer Stress schadet dem Immunsystem. ETH-Forschende um Prof. Manfred Kopf zeigen nun erstmals auf, dass erhöhte Vitamin-E-Dosen diesen Stress auf Immunzellen mildern. 

 
Ein Tag im Hochgebirge, blendend weisser Schnee, die Sonne strahlt vom Himmel: beste Bedingungen fürs Skifahren - und mögliche Voraussetzung dafür, dass nach dem Skitag von Herpes-Viren erzeugte Fieberbläschen blühen. Denn die erhöhte UV-Strahlung lässt im Körper freie Radikale entstehen. Dadurch kommt der Körper unter oxidativen Stress, was das Immunsystem schwächt. Dies wiederum begünstigt die Vermehrung der Herpes-Viren.

Oxidativer Stress ist zu einem grossen Thema geworden, an vielen Krankheiten soll er mitbeteiligt wenn nicht sogar ursächlich sein. Neben UV-Strahlung führen auch andere Umwelteinflüsse zu einem hohen oxidativen Stress im Körper, etwa Luftverschmutzung, Rauchen oder Alkoholkonsum und nicht zuletzt Infektionen. Und immer wieder ist die Rede davon, dass man mit entsprechender Vitamin-Nahrungsergänzung die freien (Sauerstoff-)Radikale bekämpfen kann.

T-Zellen teilen sich nach Feindkontakt

Forscherinnen und Forscher aus der Gruppe von Manfred Kopf, Professor am Institut für molekulare Gesundheitswissenschaften der ETH Zürich, sind nun ausgehend von diesen Fragen auf ein Phänomen gestossen, das die Auswirkungen von oxidativem Stress auf Immunzellen erklärt.

Dringt ein Fremdkörper wie ein Virus oder irgendein anderer Erreger in den Körper ein, so reagieren bestimmte Immunzellen, die sogenannten T-Zellen, mit starker und rascher Vermehrung. Eine Unterklasse davon, die CD8+T-Zellen, töten beispielsweise die von einem Virus befallenen Körperzellen und eliminieren so das Virus. Wiederum andere T-Zellen, die CD4+ T-Zellen, koordinieren die Immunantwort gegen alle Arten von Erreger. Sie sind die Generäle des Immunsystems.

Bis diese T-Zellen aber wirksam eingreifen können, dauert es eine Woche, weil es zu Beginn einer Infektion zu wenige davon gibt, die spezifisch einen bestimmten Erreger erkennen können.. Erst nach diesem «Feindkontakt» teilen sich die wenigen «Späher», dann aber alle acht bis zwölf Stunden, um Kopien (Klone) herzustellen, so dass es nach wenigen Tagen hunderttausende davon gibt. Erst diese Übermacht kann die Infektion erfolgreich bekämpfen.

Ohne Reparaturwerkzeug keine Immunantwort

Dies funktioniert allerdings nicht, wenn starker oxidativer Stress die T-Zellen schädigt und dem Körper das richtige Werkzeug fehlt, um die Schäden zu beheben, wie Kopfs Forschungsgruppe, namentlich Doktorandin und Erstautorin Mai Matsushita, nun in ihrer neuen Publikation in der Fachzeitschrift «Journal of Experimental Medicine» aufzeigt.

Fehlt den Immunzellen das Reparatur-Enzym Gpx4 (oder ist es defekt), sterben die sich teilenden T-Zellen ab, das Immunsystem kann die Erreger nicht eliminieren und die Infektion wird chronisch. Das Enzym ist dafür zuständig, oxidative Schäden an der Zellmembran zu reparieren.

Vitamin E als Retter in der Not

Zu ihrer Überraschung konnten die Forscher aber die Immunzellen vor dem Zelltod retten, indem sie den Versuchstieren, in deren Immunzellen das Reparatur-Enzym fehlte, eine hohe Dosis von Vitamin E ins Futter mischten. Diese Menge des Antioxidans‘ reichte aus, um die Zellmembran der T-Zellen vor Schäden zu schützen, so dass sie sich vervielfältigen und die Virusinfektion erfolgreich abwehren konnte. Die Menge an Vitamin E im Mäusefutter lag mit 500 Milligramm pro Kilogramm Futter um das zehnfache höher als in der standardisierten Normalnahrung.

Zeigen konnten dies die Forscher anhand eines Mausmodells, für welches sie Tiere verwendeten, bei denen das Gpx4-Gen zellspezifisch oder zu einem beliebigen Zeitpunkt inaktiviert werden kann. Diese Mäuse wurden von Forschenden des Helmholtz Zentrums München entwickelt. Die ETH-Wissenschaftler haben diesen Mäusestamm nun so verändert, dass das Gpx4-Gen nur in T- Zellen oder in bestimmten Fresszellen des Immunsystems inaktiv war.

Vitamin-Supplementierung umstritten

«Der Nutzen von Vitamintabletten ist ein kontroverses Thema», sagt Manfred Kopf. Starke wissenschaftliche Beweise, dass diese Vitaminzusätze nützen, gebe es nur wenige. Umso interessanter sei deshalb ihre Studie, die einen Nutzen von Vitamin E belege. «Unsere Arbeit zeigt, dass sogar ein genetischer Defekt eines Hauptbestandteils der antioxidativen Maschinerie einer Zelle durch Verabreichung einer hohen Dosis Vitamin E kompensiert werden kann. Das ist neu und überraschend.»

Als wissenschaftlich wertvoll und bedeutend beurteilt Kopf die Tatsache, dass die Immunzellen bei oxidativem Stress den gleichen Tod erleiden wie bestimmte Arten von Krebszellen bei Behandlung mit einem Zytostatikum. Dieser programmierte Zelltod wird Ferroptose genannt und wurde erstmals im Jahr 2012 in einer wissenschaftlichen Publikation beschrieben. «Wir sind die ersten, die aufzeigen können, dass Immunzellen genauso wie Krebszellen aufgrund des oxidativen Stresses denselben Tod erleiden», sagt Kopf.

Was die Resultate ihrer Studie für die menschliche Gesundheit bedeutet, darüber ist sich der ETH-Professor noch nicht im Klaren. Menschen, die normal gesund seien und sich ausgewogen ernährten, würden keine Vitamin-Supplementierung benötigen, findet er. Es könne aber durchaus sinnvoll sein bei oxidativem Stress, wie er im Alltag bei Infektionen oder durch UV-Licht entstehen kann, an eine Ergänzung mit Vitamin E oder anderen fettlöslichen Antioxidantien zu denken.

Ein massiver oxidativer Stress besteht bei Patienten mit bestimmten neurodegenerativen Erkrankungen oder Diabetes, wobei Antioxidantien eine gute Unterstützung einer Behandlung sein können.


Wie gross die Mengen sein sollten, kann der Forscher aufgrund der Ergebnisse seiner Studie nicht sagen. Das sei auch nicht analysiert worden, da sie ihre Untersuchungen lediglich anhand eines Mausmodells gemacht hätten.

Literaturhinweis

Matsushita M, Freigang S, Schneider C, Conrad M, Bornkamm GW, Kopf M. T cell lipid peroxidation induces ferroptosis and prevents immunity to infection. Journal of Experimental Medicine, 30. März 2015. doi: 10.1084/jem.20140857

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360° TOP-Thema: Pfingsten 2015: Regelmäßiger Gottesdienst - Weniger Arbeitsplatzverlust

Medizin am Abend Fazit:  Wer regelmäßig zum Gottesdienst geht, leidet weniger unter einem Jobverlust

 

Menschen, die regelmäßig einen Gottesdienst besuchen, leiden weniger unter einem Jobverlust als andere. Außerdem gewöhnen sie sich schneller an ein Leben ohne Arbeit. Das belegt eine Studie, die kürzlich Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Amsterdam auf der Basis von Daten der Längsschnitterhebung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) erstellt haben. „Wer einmal pro Woche eine Kirche, Moschee oder Synagoge besucht, ist nach drei Jahren Arbeitslosigkeit nahezu genauso zufrieden mit seinem Leben wie zuvor“, sagt der Jenaer Psychologe Clemens Lechner, einer der Autoren.

Weniger religiöse Menschen leiden hingegen deutlich unter einer Arbeitslosigkeitserfahrung. Die Studie wurde kürzlich im Journal for the Scientific Study of Religion veröffentlicht.

Wie mehrere frühere Studien auf der Basis von SOEP-Daten gezeigt haben, zählt ein Jobverlust zu den Lebensereignissen, die die Zufriedenheit der Menschen am stärksten beeinträchtigen. Clemens Lechner und sein Co-Autor, der Soziologe Thomas Leopold von der Universität Amsterdam, haben nun erstmals auf der Basis der für Deutschland repräsentativen SOEP-Daten gezeigt, dass Religiosität den Schock nach einem Jobverlust lindern kann.

Die Berechnungen der Wissenschaftler belegen für das erste Jahr nach dem Jobverlust: Je häufiger Menschen ohne Arbeit an religiösen Veranstaltungen teilnehmen, desto weniger ist ihre Lebenszufriedenheit durch den Jobverlust beeinträchtigt. Bei den Befragten, die einmal wöchentlich einen Gottesdienst besuchten, ging die gemessene Lebenszufriedenheit weniger als halb so stark zurück wie bei denjenigen, die nie einen Gottesdienst besuchen.

Darüber hinaus zeigen die SOEP-Daten: Auf längere Sicht können Menschen ohne Arbeit den Jobverlust umso schneller verarbeiten, je häufiger sie in die Kirche, die Moschee oder die Synagoge gehen. Wer einmal pro Woche an einer religiösen Veranstaltung teilnimmt, ist drei Jahre nach dem Jobverlust fast wieder genauso zufrieden mit seinem Leben wie zuvor. Menschen, die seltener oder nie einen Gottesdienst besuchen, sind zu diesem Zeitpunkt fast noch genauso unzufrieden wie ein Jahr nach Verlust des Arbeitsplatzes.

Warum sind Besucher von Gottesdiensten besser gegen den Schock durch den Verlust des Arbeitsplatzes gewappnet? „Arbeitslose finden in religiösen Gemeinschaften Unterstützung in ihrer schwierigen Lebenssituation“, vermutet Clemens Lechner. Darüber hinaus sei der Glaube eine Quelle von Trost und Zuversicht. Denn nach Auffassung vieler Gläubigen sind vor Gott alle Menschen gleich – unabhängig davon, ob sie wirtschaftlich erfolgreich sind oder nicht.

Für ihre Untersuchung hatten die Forscher Daten von 5446 im SOEP befragten Menschen ausgewertet, die im Zeitraum von 1990 bis 2012 arbeitslos wurden und anschließend bis zu drei Jahre ohne Arbeit blieben.

STICHWORT SOEP & ZUFRIEDENHEITSFORSCHUNG MIT SOEP-DATEN

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

Das SOEP befragt seit seinem Gründungsjahr 1984 jährlich mehr als 10.000 Personen zu ihrer Lebenszufriedenheit. Auf einer Skala von 0 bis 10 geben die Befragten an, wie zufrieden sie derzeit alles in allem mit ihrem Leben sind. Die Zahl null bedeutet „ganz und gar unzufrieden“, zehn hingegen steht für „ganz und gar zufrieden“. Die Zufriedenheitsforschung (in den Medien meist „Glücksforschung“ genannt) hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Forschungsfelder auf der Basis von SOEP-Daten entwickelt. „Daten zur persönlichen Lebenszufriedenheit sind eine wichtige Größe bei der Messung von Lebensqualität“, sagt SOEP-Direktor Jürgen Schupp. „Wer umfassende Aussagen zur Lebensqualität treffen möchte, muss neben den objektiven Lebensbedingungen auch die subjektive Lebenszufriedenheit im Blick haben.“

DIE STUDIE:

Lechner, C. M., & Leopold, T. (2015). Religious Attendance Buffers the Impact of Unemployment on Life Satisfaction: Longitudinal evidence from Germany. Journal for the Scientific Study of Religion, 54(1), 166–174.
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jssr.12171/pdf


Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. Clemens Lechner, Center for Applied Developmental Science (CADS), Friedrich-Schiller-Universität Jena, E-Mail: clemens.lechner@uni-jena.de
Monika Wimmer Pressestelle Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)


Weitere Informationen für die international Medizin am Abend Beteiligte:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jssr.12171/pdf Link zur Studie: Lechner, C. M., & Leopold, T. (2015). Religious Attendance Buffers the Impact of Unemployment on Life Satisfaction: Longitudinal evidence from Germany. Journal for the Scientific Study of Religion, 54(1), 166–174.

http://www.diw.de/soep Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP)

http://www.facebook.com/soepnet.de Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) auf Facebook

Nervenschmerzen - Chili - Pflaster: Hyperalgesie, Gürtelrose, Polyneuropathie, peripheren neurophatischen Schmerzen

Medizin am Abend Fazit:   Nervenschmerzen messen – und den Behandlungserfolg des „Chili-Pflasters“ vorab einschätzen!


Mit der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) lässt sich die Funktion von Nervenfasern genau analysieren. Damit gelang es Mitgliedern des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS e.V.) in einer neuen Studie, nicht nur das Sensibilitätsprofil von Patienten mit peripherem Nervenschmerz zu ermitteln. Sie konnten auch zeigen, dass ein spezieller Schmerzphänotyp mit einer erfolgreicheren Behandlung mit dem „Chili-Pflaster“ (Capsaicin 8%) einhergeht. Die Ergebnisse stützen den mechanismen-basierten Leitgedanken des DFNS, Nervenschmerzen gezielt gemäß ihrer Ursache zu behandeln. 
 
Das hoch dosierte Capsaicin-Pflaster (8%) wird äußerlich auf der Haut unmittelbar im Bereich der Nervenschmerzen appliziert. Es bewirkt eine reversible funktionelle Desensibilisierung sehr dünner Schmerzfasern in der Haut und damit eine lang anhaltende Linderung peripherer Nervenschmerzen (außerhalb von Gehirn und Rückenmark). Bisher wurde unzureichend untersucht, ob die Schmerzen nach Capsaicin Anwendung umso stärker gelindert werden, je stärker der Funktionsverlust dieser sehr dünnen Nervenfasern, der so genannten C-Fasern, ist. „Uns interessierte darüber hinaus, ob die Wirksamkeit des Capsaicin-Pflasters bereits vor Behandlungsbeginn einzuschätzen ist.

Für beide Fragestellungen nutzten wir die Quantitativ Sensorische Testung, kurz QST, um das Sensibilitätsprofil von Patienten zu erheben und damit Veränderungen in der Funktion der C-Fasern sowie weitere mögliche Prädiktoren zu analysieren“, so Dr. Tina Mainka, Ruhr Universität Bochum (jetzt Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf).

Mit der QST zum Schmerzphänotyp

Bei 20 Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen nach Nervenverletzung, Gürtelrose oder durch Polyneuropathie wurde die QST nach DFNS-Standard vor der Capsaicin-Behandlung sowie zwei, vier, sechs und acht Wochen danach durchgeführt. Mit sieben QST-Tests lassen sich so die Wahrnehmung und das Schmerzempfinden für Kälte, Wärme, feine und spitze Berührungen sowie Vibration und Druck pro Testareal in etwa 30 Minuten erheben. Damit erhält man eine genaue Analyse der schmerzhaften sensorischen Symptome und sensiblen Defizite eines Patienten.

Vorab zur Therapiewirksamkeit

Obwohl die Fähigkeit Wärme wahrzunehmen zwar bei allen Patienten acht Wochen nach Capsaicin-Therapie signifikant abnahm, was für den Funktionsverlust von C-Fasern spricht, ließ sich kein Zusammenhang mit dem Grad der Schmerzlinderung ermitteln. Prof. Christoph Maier, Ruhr Universität Bochum:

 „Wir konnten allerdings mit 100 prozentiger Spezifität Patienten, die auf die Capsaicin-Therapie ansprachen, identifizieren. Eine Hyperalgesie, also eine Überempfindlichkeit auf Kälte- sowie stumpfe Nadelreize vor Therapiebeginn war wegweisend. Liegen diese beiden Kriterien vor Behandlungsbeginn vor, lässt sich offenbar vorhersagen, ob ein Patient auf das Capsaicin-Pflaster anspricht.“

Die Studie ist damit ein wichtiger Schritt in Richtung einer möglichst zielgerichteten mechanismen-basierten Therapie für den individuellen Patienten, die sich nicht nur an der Grunderkrankung ausrichtet.


Literatur (doi: 10.1002/ejp.703):
Mainka T et al. (2015) Presence of hyperalgesia predicts analgesic efficacy of topically applied capsaicin 8% in patients with peripheral neuropathic pain.Eur J Pain.[Epub ahead of print]


Über den DFNS e.V.:

Ziel des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz e.V. (DFNS e.V.) ist, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen grundlegend zu verbessern. Im Fokus stehen die Optimierung einer qualitativ hochwertigen Diagnostik sowie der Therapie- und Versorgungsforschung neuropathischer Schmerzen. Der gemeinnützige Verein ist Nachfolger des DFNS, der von 2002 bis 2012 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Die Geschäftsstelle ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München angesiedelt.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Dr. med. Tina Mainka
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
e-mail: t.mainka@uke.de

Vedrana Romanovic
DFNS e.V.
Neurologische Klinik
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Ismaninger Str. 22
81675 München

Tel.: +49 89 4140 - 7915
Fax: +49 89 4140 - 4655
e-mail: romanovic@lrz.tum.de
Tanja Schmidhofer Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Mukoviszidose-Lungen - Biofilme - chronische Lungeninfektionen

Medizin am Abend Fazit:    Bakterien in Mukoviszidose-Lungen bilden besonders widerstandsfähige Biofilme


Zystische Fibrose, besser bekannt unter dem Namen Mukoviszidose, ist eine tückische Erbkrankheit. 

Durch eine Stoffwechselstörung enthalten die Körpersekrete der Patienten zu wenig Wasser. Eine der Folgen: Der Schleim in den Bronchien der Patienten ist besonders zähflüssig. Sie leiden unter chronischem Husten und unter immer wiederkehrenden schweren Infektionen der Lunge. Der Grund: In dem zähen Schleim siedeln sich Krankheitserreger wie Pseudomonas aeruginosa dauerhaft an und bilden widerstandsfähige Biofilme. Über 90 Prozent der Patienten sterben an den Folgen dieser chronischen Lungeninfektion.

Einige Formen von P. aeruginosa haben sich besonders gut an die Bedingungen in der zäh verschleimten Lunge angepasst – sie bilden sehr kompakte Kolonien, sind häufig resistent gegen Antibiotika und tendieren dazu, fest aneinander zu kleben. Wissenschaftler am TWINCORE haben nun herausgefunden, worin sich diese auf Mukoviszidose-Patienten spezialisierten Krankheitserreger von ihren Verwandten unterscheiden – und haben damit den Grundstein für neue therapeutische Ansätze gelegt.

Ihren Namen verdanken diese besonderen P. aeruginosa Stämme ihrem Aussehen auf Kulturplatten im Labor. Sie bilden besonders kompakte, kleine Kolonien und heißen daher „Small Colony Variants“, kurz SCV. Es gibt unterschiedliche Typen der SCV – allen gemeinsam ist ihre Spezialisierung auf die Bedingungen in den Lungen von Mukoviszidose-Patienten. „Sie sind besonders starke Biofilmbildner und damit maßgeblich am chronischen Verlauf der Lungeninfektion beteiligt“, sagt Andrea Blanka, Wissenschaftlerin am Institut für Molekulare Bakteriologie. Denn wenn die Bakterien sich erst einmal zu einem Biofilm zusammengeschlossen haben, sind sie für das Immunsystem kaum noch sichtbar und Antibiotika dringen nicht in die schleimige Matrix eines Biofilms ein. „Wir haben uns gefragt, welche Faktoren in unserem klinischen P. aeruginosa Isolat für diese Veränderung und die damit einhergehende Anpassung an die kranke Lunge von Mukoviszidose-Patienten verantwortlich sind.“

Um hinter die Besonderheiten der kompakten Kolonien zu kommen, haben die Wissenschaftler des TWINCORE gemeinsam mit Kollegen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover die Gene der Bakterien und die Erscheinungsform dieser speziellen Variante mit gewöhnlichen P. aeruginosa Stämme verglichen.

„Wir haben herausgefunden, dass bei dem von uns untersuchten SCV-Stamm ein Gen mutiert ist, das für die Herstellung langkettiger Fettsäuren verantwortlich ist“, sagt Andrea Blanka.

„Durch diese Mutation werden weniger langkettige Fettsäuren von den Bakterien produziert und in die Membran eingebaut.“ Dies ist das entscheidende Puzzleteil, denn die Länge der Fettsäuren, aus denen sich die umhüllende Membran der Bakterien zusammensetzt, beeinflusst ein sogenanntes chemosensorisches System von P. aeruginosa, das in der Membran lokalisiert ist. Neben anderen Regulatoren steuert es, wie viel des Botenstoffes „zyklisches di-Guanosinmonophosphat“, kurz c-di-GMP, in den Zellen gebildet wird. Produzieren die Bakterien wenig c-di-GMP, schwimmen sie einzeln und frei im Lungensekret des Patienten. Produzieren die Bakterien viel c-di-GMP, schließen sich die Bakterien zu den widerstandsfähigen Biofilmen zusammen.

„Wir haben bislang nur eine von mehreren klinischen SCV-Isolaten genau untersucht und wollen jetzt mithilfe von 150 verschiedenen SCV-Isolaten aus Mukoviszidose-Lungen analysieren, ob all diese Isolate durch unterschiedliche Mechanismen zu den besonders biofilmfreudigen Varianten von P. aeruginosa werden“, so die Biochemikerin. „Die Beeinflussung der c-di-GMP Ausschüttung über Fettsäuren war allerdings bislang unbekannt.“

Nun untersuchen die Wissenschaftler am Institut für Molekulare Bakteriologie, wie sie das Wissen um diese Small Colony Variants von P. aeruginosa für neue therapeutische Ansätze zur Behandlung chronischer Lungeninfektionen bei Mukoviszidose nutzen können.


Hören Sie auch den Podcast: http://podcasts.aaas.org/science_signaling/ScienceSignaling_150414.mp3.

Literatur:
A. Blanka, J. Düvel, A. Dötsch, B. Klinkert, W.-R. Abraham, V. Kaever, C. Ritter, F. Narberhaus, S. Häussler, Constitutive Production of c-di-GMP Is Associated with Mutations in a Variant of Pseudomonas aeruginosa with Altered Membrane Composition. Sci. Signal. 8, ra36 (2015).
Die vollständige Publikation finden Sie unter folgendem Link: http://stke.sciencemag.org/cgi/content/full/sigtrans;8/372/ra36?ijkey=GbJWAQU6Ql...


Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Susanne Häußler, susanne.haeussler(at)twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-212
Dr. Andrea Blanka, andrea.blanka(at)twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-229

Dr. Jo Schilling TWINCORE - Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung

360° TOP-Thema: Herpes Viren: Schwere Lungenentzündung / Gehirnentzündung

Medizin am Abend Fazit:   Herpesviren in Aktion

Wie Herpesviren die Molekularbiologie menschlicher Zellen in Unordnung bringen: Wissenschaftler aus Würzburg, Cambridge und München präsentieren in „Nature Communications“ neue Ergebnisse. Sie stellen damit frühere Erkenntnisse der Virenforschung in Frage. 
 
Wenn eine Erkältung im Anmarsch ist, merken das viele Leute daran, dass ihre Lippen anfangen zu jucken. Grund dafür ist das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1). Es verursacht beim Menschen die harmlosen Lippenbläschen, doch es kann auch lebensbedrohlich werden.  

So führt das Virus zum Beispiel bei Patienten auf Intensivstationen zu schweren Lungenentzündungen.

Bei Gesunden kann es spontan eine Gehirnentzündung verursachen, die häufig irreversible Gehirnschäden nach sich zieht.

Das Erbmaterial des Virus besteht aus DNA, wie beim Menschen. Sobald es in menschliche Zellen eingedrungen ist, schleust es sein Erbgut in den Zellkern ein. Dort befindet sich die molekulare Maschinerie, mit der genetische Information von der DNA abgelesen und in RNA-Moleküle umgeschrieben wird. Diese RNA bestimmt dann, welche Proteine von der Zelle gebildet werden.

Im Zellkern übernimmt das Virus innerhalb weniger Stunden nach der Infektion die vollständige Kontrolle über diese Maschinerie. Es nutzt sie dazu, um die eigenen Proteine von der Zelle produzieren zu lassen und sich massenhaft zu vermehren. Die Bildung zelleigener Proteine wird so schnell zur Nebensache. Am Ende stirbt die Wirtszelle ab und entlässt Tausende neuer Viren, die wieder andere Zellen infizieren.

Ablesen der menschlichen DNA wird gestört

Virologen um Professor Lars Dölken von der Uni Würzburg stellen jetzt in Kooperation mit dem Bioinformatik-Team von Professorin Caroline Friedel (LMU München) neue Details aus diesem Prozess vor. Ihre Arbeiten sind im Journal „Nature Communications“ veröffentlicht.

Die Forscher haben in Zellkulturen analysiert, wie eine Infektion menschlicher Bindegewebszellen (Fibroblasten) mit HSV-1 zeitlich verläuft und was dabei mit der Gesamtheit der RNA-Moleküle in den Zellen passiert. Dabei setzten sie eine neue Methode ein. Mit ihr können sie zu bestimmten Zeiten nach dem Beginn der Infektion die gebildeten RNA-Moleküle selektiv aufreinigen und mit Hochdurchsatz-Sequenzierung untersuchen.

Schon drei bis vier Stunden nach der Infektion konnten die Wissenschaftler einen völlig unerwarteten Effekt beobachten: Der Ablesevorgang an der menschlichen DNA stoppt nicht mehr an den vorgesehenen Stellen, sondern läuft einfach weiter, und das oft über mehrere benachbarte Gene hinweg.  

So entstehen massenhaft unbrauchbare RNA-Produkte, die nicht mehr ordnungsgemäß zu Proteinen weiterverarbeitet werden.

Die DNA des Virus wird dagegen völlig korrekt abgeschrieben. So verhindert das Virus wahrscheinlich Abwehrreaktionen der Wirtszelle und erhöht die Produktion seiner eigenen Proteine.

Hunderte Gene werden geweckt, bleiben aber stumm

Der neu entdeckte Mechanismus kann den Anschein erwecken, dass das Virus sehr viele Gene in der Zelle zusätzlich aktiviert – was aber nicht stimmt. „Experimentelle Daten wurden daher in der Vergangenheit wahrscheinlich falsch interpretiert“, so die Schlussfolgerung der Forscher. Ihren Erkenntnissen zufolge sind Hunderte von zellulären Genen, die von den Viren scheinbar aktiviert werden, selbst acht Stunden nach der Infektion nicht in Proteine übersetzt. „Abweichend von anderen Studien fanden wir zudem keinen Hinweis darauf, dass die Viren die Weiterverarbeitung der RNA im Zellkern, das so genannte Splicing, generell hemmen“, so Dölken. Stattdessen komme es zu ungewöhnlichen Splice-Vorgängen, die bisher so noch nicht beschrieben waren.

Das Forschungsteam aus Würzburg, Cambridge und München hat mit dieser Arbeit einen methodischen Meilenstein gesetzt: Mit einem einzigen experimentellen Ansatz ist es möglich, die Gesamtheit der Veränderungen beim Ablesen und der Weiterverarbeitung der RNA sowie deren Auswirkungen auf die Proteinproduktion zu erfassen.

„Wide-spread disruption of host transcription termination in HSV-1 infection“, Andrzej J. Rutkowski, Florian Erhard, Anne L’Hernault, Thomas Bonfert, Markus Schilhabel, Colin Crump, Philip Rosenstiel, Stacey Efstathiou, Ralf Zimmer, Caroline C. Friedel, Lars Dölken. Nature Communications, 20. Mai 2015, DOI: 10.1038/ncomms8126


Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Lars Dölken, Institut für Virologie und Immunbiologie, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, T (0931) 31-88185, lars.doelken@vim.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Caroline Friedel, Institut für Informatik (Bioinformatik), Ludwig-Maximilians-Universität München, T (089) 2180-4056, Caroline.Friedel@bio.ifi.lmu.de
Robert Emmerich Julius-Maximilians-Universität Würzburg

GenderMedizin: CATCH ME: Vorhofflimmern http://www.catch-me.org

Medizin am Abend Fazit:   Verbesserung für Patienten mit Vorhofflimmern: EU-Forschungskonsortium CATCH ME gestartet

Gestern wurde das EU Forschungskonsortium CATCH ME (Characterizing Atrial fibrillation by Translating its Causes into Health Modifiers in the Elderly) im Brüsseler Büro der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) gestartet. CATCH ME bringt sechs akademische Exzellenzzentren, drei Gesundheitsorganisationen und zwei führende kommerzielle Partner mit dem Ziel zusammen, die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern zu verbessern. Horizon 2020, das größte Forschungs- und Innovationsprogramm der EU, fördert dieses Konsortium mit fünf Millionen Euro über eine Laufzeit von vier Jahren. 

 
Zwei Prozent der europäischen Bevölkerung und 12-15 Prozent der über 80-jährigen in Europa leiden an Vorhofflimmern (VHF), einer Herzerkrankung mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle, kognitivem Leistungsverlust, Herzinsuffizienz und Mortalität.

CATCH ME zielt darauf ab, die Prävention und die Therapie von Vorhofflimmern und seiner Komplikationen zu verbessern. Ein besseres Verständnis der Einflussfaktoren die zu Vorhofflimmern führen (zum Beispiel Genvarianten, Medikamente, Lebensstil) soll deshalb die Basis für verbesserte Erkrankungsmanagementstrategien bilden. So können Patientengruppen spezifisch behandelt werden, welche einen gemeinsamen Krankheitsmechanismus aufweisen.

Konkret wird CATCH ME:

1. die wesentlichen Einflussfaktoren identifizieren, die Vorhofflimmern in der alternden europäischen Bevölkerung auslösen.

2. klinisch anwendbare Werkzeuge entwickeln, die die Prävention und die Behandlung von Vorhofflimmern personalisieren.

3. als Leitfaden und Unterstützung für zukünftige Strategien zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Vorhofflimmern dienen.

CATCH ME will außerdem belastbare Antworten auf offene Fragen im Hinblick auf Vorhofflimmern finden. Solche Fragen betreffen zum Beispiel den Einfluss des Geschlechts.

So scheinen europäische Frauen im Vergleich zu Männern seltener Vorhofflimmern zu entwickeln, allerdings scheinen Frauen einem höheren Schlaganfallrisiko ausgesetzt zu sein, wenn Vorhofflimmern erst einmal aufgetreten ist.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie und das Kompetenznetz Vorhofflimmern bringen ihre Expertise in Wissenstransfer und Kommunikation in das Konsortium ein, um die Ergebnisse von CATCH ME optimal zu verbreiten und zugänglich zu machen. Das Konsortium arbeitet darüber hinaus eng mit Roche Professional Diagnostics als weltweitem Führer in der in-vitro Diagnostik zusammen, welcher die Sicherung und Schaffung geistigen Eigentums innerhalb des Konsortiums unterstützt und in vermarktbare Testsysteme umwandelt. Auf diesem Wege wird CATCH ME greifbare und nachhaltige Verbesserungen in der Prävention und der Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern in Europa erzielen.

CATCH ME wird Forschern, medizinischem Fachpersonal und Patienten in ganz Europa eine neuartige Vorhofflimmerklassifikation vorschlagen. Dies wird durch eine tragfähige, wissenschaftliche Absicherung klinischer Werkzeuge, Aus- und Weiterbildungsprogramme und der weltweit zur Verfügung gestellten CATCH ME Smartphone Apps gelingen, die sich gezielt an medizinische Fachgruppen und Patienten richten.

Struktur und Mitglieder von CATCH ME:

Die Partner im CATCH ME Konsortium vereinen Exzellenz in Klinik, translationaler Pathophysiologie, Genetik, Biotechnologie, Epidemiologie und Biostatistk mit Kompetenz in der Entwicklung kardiovaskulärer Praxisleitlinien. Als Konsortium hat CATCH ME dabei Zugang zu großen Biobanken mit humanen Bioproben (zum Beispiel Blutproben, atriale Gewebeproben) und sorgfältig charakterisierten Patientenkohorten. Dies ist die Grundlage, um Ursachen und Risikofaktoren von Vorhofflimmern in Europa zu definieren und spezifische, klinische Untertypen von Vorhofflimmern zu charakterisieren. Auf diese Weise können Patientengruppen mit vergleichbarem Krankheitsmechanismus gebildet werden und personalisierte Strategien zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern vorangetrieben werden.

Das Konsortium wird koordiniert von Paulus Kirchhof von der Universität Birmingham (Vereinigtes Königreich) und besteht aus den folgenden neun Partnern:

• Universität Birmingham (Vereinigtes Königreich): Paulus Kirchhof, Larissa Fabritz
• Universität Barcelona (Spanien): Lluis Mont, Eduard Guasch
• Universität Maastricht (Niederlande): Ulrich Schotten, Monika Stoll, Harry Crijns, Stef Zeemering
• Ludwig Maximilians Universität und Klinikum der Universität München und Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung, DZHK (Deutschland): Moritz Sinner, Reza Wakili, Stefan Kääb
• Universität Oxford (Vereinigtes Königreich): Barbara Casadei, Charis Antoniades
• Universität Pierre Marie Curie (Frankreich): Stéphane Hatem
• Kompetenznetz Vorhofflimmern (Deutschland): Gerlinde Benninger, Günter Breithardt
• Europäische Gesellschaft für Kardiologie (Frankreich): Stephan Martin, Christina Dimopoulo
• UK Health & Environment Research Institute (Vereinigtes Königreich): David Cartlidge, Andy West

Die folgenden Partner sind ebenfalls aktiv an dem Konsortium beteiligt:

• Roche Professional Diagnostics (Schweiz)
• parkrun (Vereinigtes Königreich)

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.catch-me.org

Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen deutschlandweit zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es, die Behandlung und Versorgung von Patienten mit Vorhofflimmern in Deutschland und Europa durch koordinierte Forschung zu verbessern. Dazu führt das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. wissenschaftsinitiierte klinische Studien (investigator initiated trials = IIT) und Register auf nationaler und internationaler Ebene durch. Der Verein ist aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetz Vorhofflimmern hervorgegangen. Seit Januar 2015 werden einzelne Projekte und Infrastrukturen des AFNET vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) gefördert.

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Dr. rer. nat. Angelika Leute
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Personalplanung und Personalentwicklung in der Berliner Feuerwehr (2014 bis 2017)

Zöliakie-Test bei Typ 1 Diabetespatienten empfohlen/ Mikroalbumin Test

Medizin am Abend Fazit:   Zöliakie bei Typ 1 Diabetes schädigt Blutgefäße schneller

Menschen mit Diabetes und Zöliakie haben ein höheres Risiko für Retinopathien und Nephropathie, wie Auswertungen von Daten der DPV Initiative ergeben haben. Das Forscherteam um Prof. Reinhard W. Holl vom Kompetenznetz Diabetes mellitus hatte Krankheitsdaten von 56.514 Patienten aus 392 Diabeteszentren in Deutschland und Öster-reich analysiert. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe von Diabetes Care erschienen. 
 
Typ 1 Diabetes und Zöliakie treten häufig gemeinsam auf, da sie auf die gleichen Genvarianten zurückzuführen sind.

So wurde bei jedem zehnten der in der DPV Datenbank erfassten Typ 1 Diabetiker auch eine Zöliakie diagnostiziert. Nun bestätigen die neuen Ergebnisse des Kompetenznetzes Diabetes mellitus, dass Zöliakie darüber hinaus ein unabhängiger Risikofaktor für mikrovaskuläre Komplikationen (Schädigungen der kleinen Blutgefäße) an den Augen (Retinopathien) oder den Nieren (Nephropathie) bei einem Typ 1 Diabetes ist.

Bei einem Viertel der erfassten Diabetes-Patienten mit Zöliakie konnte mit 26 Jahren – und damit sieben Jahre früher als bei Diabetikern ohne Zöliakie – eine Retinopathie nachgewiesen werden.

Beim Mikroalbumin Test kündigte sich bei einem Viertel der Patienten mit beiden Krankheitsbildern bereits mit 32 Jahren eine beginnende Nierenerkrankung an, das heißt zehn Jahre eher als bei Patienten, die nur Typ 1 Diabetes hatten.
Vorherige Studien aus Großbritannien und Schweden hatten einen Zusammenhang von Zöliakie und gehäuft auftretenden Nephropathien beziehungsweise Retinopathien ebenso wie makrovaskuläre Beeinträchtigungen (Schädigungen der großen Blutgefäße) an anderen Kohorten aufgezeigt.

Zöliakie-Test bei Typ 1 Diabetespatienten empfohlen

In der Datenbank der DPV Initiative werden prospektive, anonymisierte Langzeitdaten von Diabetikern aus Deutsch-land und Österreich gesammelt. Die Patienten waren bei der letzten Nachuntersuchung älter als zehn Jahre und bei Diagnose des Typ 1 Diabetes jünger als 20 Jahre alt. „Unsere Ergebnisse untermauern aktuelle Empfehlungen, nach denen Personen mit Typ 1 Diabetes bei der Diagnosestellung und in regelmäßigen Intervallen auf Zöliakie untersucht werden sollten“, so Prof. Holl. „Außerdem sollten Patienten mit dieser Begleiterkrankung wegen des erhöhten Risikos für Schädigungen der kleinen und großen Blutgefäße dazu ermutigt werden, andere beeinflussbare Risikofaktoren wie den HbA1c-Wert, Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechselstörung aktiv zu reduzieren.“

Nun steht noch ein Nachweis darüber aus, ob eine glutenfreie Ernährung, wie sie bei Zöliakie empfohlen wird, das Risiko für die beschriebenen Komplikationen bei Typ 1 Diabetes minimieren kann. Dieser Fragestellung sollten nach Meinung der Forscher aus Ulm und Homburg weitere prospektive Studien nachgehen.

Das Kompetenznetz Diabetes ist ein Forschungsnetzwerk, das seit 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Mit über sechzig Experten widmet es sich dem Ziel, mehr Klarheit über die Prävention, Behandlung und Entstehungsbedingungen von Diabetes mellitus zu gewinnen. Dadurch könnte zukünftig die Erkrankung verhindert, verzögert oder eine bessere Versorgung der Bevölkerung gewährleistet werden.


Originalpublikation:

Rohrer, T. R., Wolf, J., Liptay, S., Zimmer, K. P., Fröhlich-Reiterer, E., Scheuing, N., Marg, W., Stern, M., Kapellen, T. M., Hauffa, B. P., Wölfle, J., Holl, R. W., DPV Initiative and the German BMBF Competence Network Diabetes Mellitus. 2015. Microvascular Complications in Childhood-Onset Type 1 Diabetes and Celiac Disease: A Multicenter Longitudinal Analysis of 56,514 Patients From the German-Austrian DPV Database. Diabetes Care, 38(5):801-7. doi: 10.2337/dc14-0683. Epub 2015 Feb 17.


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Bandscheibenvorfälle: Implantat - Barricaid - OP Verfahren -Verschlussmethode

Medizin am Abend Fazit:  Asklepios Westklinikum Rissen: Neue OP-Verschlussmethode bei Bandscheibenvorfalloperation

 

https://www.youtube.com/watch?v=p7mzHJDeDkQ

 

Mit dem Implantat wird der defekte Faserring der Bandscheibe verschlossen, so dass keine weitere Substanz des Gallertkerns austreten kann.

Mit dem Implantat wird der defekte Faserring der Bandscheibe verschlossen, so dass keine weitere Substanz des Gallertkerns austreten kann. Barricaid

Mit einem neuen Implantat lassen sich Bandscheibenvorfälle dauerhaft verhindern. Das ergab eine weltweite Studie, an der auch Spezialisten im Asklepios Westklinikum in Hamburg beteiligt sind. Das Prinzip: Der beschädigte Fasserring, der die Bandscheibe in Form hält, wird durch ein neues kleines Implantat verschlossen. Ein Wiederauftreten der Rückenbeschwerden kann auf diese Weise verhindert werden. Es bietet einen Ausweg aus einem bekannten Dilemma bei konventionellen Bandscheibenoperationen: gallertartige Kern der Bandscheibe in Teilen belassen, kann es zu einem neuen Bandscheibenvorfall kommen. Wird der Kern komplett entfernt, verschleißt der Knochen schneller. 
 
„Wir sind an einer internationalen Studie mit 550 Patienten beteiligt. Bislang gab es noch keinen einzigen Fall, bei dem ein erneuter Bandscheibenvorfall aufgetreten wäre oder eine weitere Operation erforderlich gewesen wäre“, sagt Dr. Hans-Peter Köhler, Chefarzt der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie / Neurochirurgie im Asklepios Westklinikum Hamburg. „Das Problem bei Bandscheibenvorfällen sind Risse im Faserring, der den Gallertkern umschließt. Wenn der Fasserring beschädigt ist, kann immer wieder Bandscheibengewebe durch den Riss austreten und auf die Nervenwurzeln drücken. Mit dem neuen, Barricaid genannten Verfahren können wir diesen Einriss verschließen“, so Köhler weiter.

Ein weiterer Vorteil ist, dass bei einer Operation die Bandscheibe des Patienten nicht entfernt werden muss und dadurch der weitere Verlauf nach der Operation, was Beweglichkeit und Schmerzen angeht, deutlich besser ist, als bei bisherigen Operationsmethoden. Tatsächlich bestätigen die bisherigen Ergebnisse aus dem klinischen Alltag diese Annahme: Es kommt zu keinem Absinken zwischen den Wirbeln. Die Patienten aus 21 Zentren in fünf Ländern sind nach der OP schmerzgelindert und benötigen keinen weiteren Eingriff. Zum Vergleich: Beim konventionellen Verfahren treten bei bis zu acht Prozent der Patienten erneut ein Bandscheibenvorfall / Rezidivvorfall auf. Ferner kommt es bei den meisten Patienten, bei denen die Bandscheibe entfernt wurde, zu chronischen Rückenschmerzen.

In Hamburg wird das Verfahren bislang nur in Rissen angewandt. Voraussetzung ist, dass noch mindestens fünf Millimeter an Bandscheibenhöhe erhalten sind. „Für die Patienten ergeben sich viele Vorteile“, so Dr. Köhler, der an der Studie großen Anteil hatte. „Wir vermeiden Folgeoperationen, die Patienten haben weniger Schmerzen und sie nehmen weniger Schmerzmittel ein.“ Das Implantat, das eine so große Wirkung für die rückenschmerzgeplagten Patienten hat, ist gerade mal einen halben Quadratzentimeter groß und aus Kunststoff. Mit einem Titananker wird es fixiert. Von den bis zu 3000 Bandscheibenpatienten in Hamburg profitieren am meisten diejenigen davon, bei denen ein besonders hohes Risiko besteht, dass es beim herkömmlichen Verfahren zu chronischen Schmerzen oder einem erneuten Bandscheibenvorfall kommen könnte.


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Dr.med. Franz Jürgen Schell Asklepios Kliniken Hamburg GmbH


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https://www.youtube.com/watch?v=p7mzHJDeDkQ