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360° TOP - Einladung zur Studie: Hochpräzisionsbestrahlung inoperablem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom

Medizin am Abend Fazit: Präzise Krebs-Bestrahlung: Freiburger Klinik für Strahlenheilkunde leitet europaweite Studie

 

http://www.uniklinik-freiburg.de/strahlenklinik.html

Lungenkrebs ist die häufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland. Bei etwa jedem vierten Patienten ist der Tumor selbst in einem frühen Stadium inoperabel.  

Mit der Hochpräzisionsbestrahlung lassen sich bereits sehr gute Heilungsraten erzielen. Auf Initiative der Klinik für Strahlenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg wird nun in einer Studie untersucht, ob Hochpräzisionsbestrahlung auch bei Patienten sicher und wirksam eingesetzt werden kann, bei denen der Tumor direkt an Organe wie Herz oder Speiseröhre anschließt. 

Links: CT-Aufnahme, rechts: PET, Mitte: Kombination; Patient mit Lungentumor vor (oben) und nach (unten) Hochpräzisionsbestrahlung.Der Tumor hat sich bei erhaltener Lunge komplett zurückgebildet.
Links: CT-Aufnahme, rechts: PET, Mitte: Kombination; Patient mit Lungentumor vor (oben) und nach (unten) Hochpräzisionsbestrahlung.Der Tumor hat sich bei erhaltener Lunge komplett zurückgebildet. Universitätsklinikum Freiburg
 
Die Studie mit einem Budget von 1,5 Millionen Euro (EORTC und Deutsche Krebshilfe) wird an 23 Zentren in Europa durchgeführt und von Prof. Dr. Ursula Nestle, leitende Oberärztin der Klinik für Strahlenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg (Ärztliche Direktorin: Prof. Dr. Anca-Ligia Grosu), koordiniert.

Etwa 80 Prozent der Lungenkrebs-Patienten leiden an einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, das in vielen Fällen inoperabel ist. Ohne lokale Behandlung überlebt aber nur jeder dritte Patient mehr als fünf Jahre.

Die Hochpräzisionsbestrahlung bietet vielen dieser Patienten eine wichtige Behandlungsalternative.

Die Hochpräzisionsbestrahlung, auch als stereotaktische Bestrahlung oder Radiochirurgie bezeichnet, hat in den letzten Jahren eine rasante medizinisch-technologische Entwicklung erfahren. Die Klinik für Strahlenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg war daran im Rahmen wissenschaftliche Studien und durch den Einsatz modernster Technologien beteiligt. Bestrahlungsgeräte wie der Linearbeschleuniger TrueBeam STx kamen hier erstmals in Europa zum Einsatz. Sie erlauben eine höhere Präzision und deutlich verkürzte Behandlungsdauer. Die Klinik für Strahlenheilkunde ist mit insgesamt sieben hochmodernen Bestrahlungsgeräten ausgestattet. Sie zählt zu den größten Strahlen-Kliniken in Deutschland und in Europa.

Den Tumor bekämpfen, ohne gesundes Gewebe zu schädigen

„In der jetzt anlaufenden Studie werden wir prüfen, ob Hochpräzisionsbestrahlungen eine sinnvolle Behandlungsoption ist, wenn der Tumor in der Nachbarschaft anderer Organe liegt, etwa von Speiseröhre, Herz oder großen Blutgefäßen“, sagt Prof. Nestle. Bislang wird in diesen Fällen keine Bestrahlung vorgenommen, da die Beeinträchtigung anderer Organe ungeklärt ist. Hier soll LungTech Abhilfe schaffen.

Ein neues bildgebendes Verfahren, die Positronen-Emissions-Tomografie (FDG-PET), erlaubt zudem eine noch bessere Abgrenzung von Tumor, Metastasen und gesundem Gewebe. Mit dem verwendeten Verfahren ist es sogar möglich, Bewegungen des Tumors aufgrund der Atmung zu beobachten und die Bestrahlung darauf anzupassen.

Initiiert wurde die Studie von den Freiburger Ärztinnen und Ärzten auf Grundlage der kürzlich abgeschlossenen STRIPE-Studie. Darin bestrahlten sie Patienten, bei denen der Tumor vollständig von Lungengewebe umgeben ist. Mit der Hochpräzisionsbestrahlung wurden hier Heilungsraten von 85 bis 90 Prozent erreicht, was mit Heilungsraten nach operativem Eingriff vergleichbar ist. Die Freiburger STRIPE-Studie wurde über 5 Jahre durchgeführt und von der Deutschen Krebshilfe finanziert.

Einheitliche Therapie schützt die Patienten

Noch fehlen aber für viele Anwendungen der Hochpräzisionsbestrahlung verbindliche Leitlinien. „LungTech soll durch Vergleichsdaten aus insgesamt 23 zertifizierten Zentren in Europa helfen, allgemeingültige Behandlungsstandards zu entwickeln“‘‘ sagt Prof. Grosu, Ärztliche Direktorin der Klinik für Strahlenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Zur Teilnahme an der Studie können sich Patienten mit inoperablem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom melden, die noch keine Strahlentherapie im Bereich des Brustkorbs erhalten haben.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Ursula Nestle
Klinik für Strahlenheilkunde
Universitätsklinikum Freiburg und
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsmedizin
Partnerstandort Freiburg
Telefon: 0761 270-95200
ursula.nestle@uniklinik-freiburg.de
Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg

Super - Koffein - Memory-Kliniken - Gedächtnissprechstunden

Medizin am Abend Fazit: Hilft „Super-Koffein“ gegen Alzheimer?

Wer Kaffee oder Tee trinkt, verringert sein Alzheimer-Risiko. Das sagt die Alzheimer-Forscherin Prof. Dr. Christa E. Müller von der Universität Bonn. Deshalb hat die Wissenschaftlerin ein „Super-Koffein“ entwickelt – vielfach leistungsfähiger als herkömmliches Koffein und ohne große Nebenwirkungen. Bei der Veranstaltung „Unterm Mikroskop … Alzheimer-Forscher informieren“ der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) gab Christa Müller den 180 Besuchern in der Düsseldorfer Volkshochschule am Freitagabend einen leicht verständlichen Einblick in ihre Forschung. Moderiert wurde die vierte Auflage der Veranstaltung von TV-Moderatorin und AFI-Botschafterin Okka Gundel. 

 Prof. Dr. Christa E. Müller
 Prof. Dr. Christa E. Müller, Alzheimer Forschung Initiative

 
„Unser neu entwickelter Wirkstoff MSX-3 kann bei Alzheimer-Mäusen das Erinnerungsvermögen und das räumliche Denkvermögen verbessern. Zudem hatten die behandelten Mäuse weniger der für die Alzheimer-Krankheit typischen Eiweiß-Ablagerungen und Entzündungen“, sagte Christa Müller. Ihr Forschungsprojekt wird seit 2011 von der AFI gefördert. Weitere Forschungen sollen nun zeigen, ob die Ergebnisse Bestand haben. Bis der Wirkstoff am Menschen erprobt und eingesetzt werden kann, wird es allerdings noch dauern. „Große Studien belegen, dass drei bis fünf Tassen Kaffee pro Tag einen protektiven Effekt haben können“, empfahl die Bonner Forscherin den Besuchern bis dahin.

„Viele wesentliche Fragen sind noch offen, deshalb ist Grundlagenforschung nötig“, stellte Prof. Dr. Roland Brandt von der Universität Osnabrück fest. Der stellvertretende Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der AFI konnte aber bei einem derzeit heiß diskutierten Thema Entwarnung geben. „Nach allem, was wir bisher wissen, gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen Aluminium und der Alzheimer-Krankheit.“ Zwar sei es dennoch ratsam, stark säure- oder salzhaltige Lebensmittel nicht lange in Aluminiumbehältnissen aufzubewahren. „Die derzeitige mediale Verunsicherung ist aber nicht gerechtfertigt.“

Einen Einblick in die Arbeit und Aufgaben einer Gedächtnissprechstunde gab Prof. Dr. Frank Jessen von der Universität zu Köln. Gedächtnissprechstunden, auch Memory-Kliniken genannt, sind an Krankenhäuser angeschlossene Abteilungen, die sich auf Hirnleistungsstörungen spezialisiert haben. „Wenn man selbst eine Gedächtnisverschlechterung bei sich bemerkt, Angehörige dies auch feststellen und die Ursache bislang nicht abgeklärt werden konnte, sollte man eine Gedächtnissprechstunde aufsuchen“, sagte Frank Jessen. Für Kassenpatienten ist eine Überweisung durch den Haus- oder Facharzt erforderlich, Privatpatienten können selbst einen Termin vereinbaren. In der Gedächtnissprechstunde sorgen dann eine ärztliche Untersuchung, neuropschologische Tests, Blut- und evtl. auch Liquoruntersuchungen sowie bildgebende Verfahren für eine genaue Diagnosestellung.

Dank zahlreicher privater Spender konnte die AFI bisher insgesamt 164 Forschungsaktivitäten mit über 7 Millionen Euro unterstützen. Zusätzlich konnten 700.000 kostenlose Ratgeber und Broschüren an Interessierte und Betroffene versendet werden.

Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.

Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Alzheimer-Forscher und stellt kostenloses Informationsmaterial für die Öffentlichkeit bereit. Bis heute konnte die AFI 164 Forschungsaktivitäten mit über 7 Millionen Euro unterstützen und 700.000 Ratgeber und Broschüren verteilen. Interessierte und Betroffene können sich auf www.alzheimer-forschung.de fundiert über die Alzheimer-Krankheit informieren und Aufklärungsmaterial anfordern. Ebenso finden sich auf der Webseite Informationen zur Arbeit des Vereins und allen Spendenmöglichkeiten. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel, die Schirmherrschaft anlässlich des 20-jährigen Bestehens der AFI hat der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel übernommen.

Medizin am Abend DirektKontakt 


Kreuzstr. 34
40210 Düsseldorf
Deutschland

Nordrhein-Westfalen

Dr. Christian Leibinnes
Telefon: 021186206627
Fax: 021186206611
c.leibinnes@alzheimer-forschung.de


Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.alzheimer-forschung.de/4532 - Forschungsprojekt von Prof. Müller

http://www.alzheimer-forschung.de/others/download_file.htm?extwin=1&ITEM_ID=... - Gedächtnissprechstunden in Deutschland

Tinnitus - Musiktherapie

Medizin am Abend Fazit: Hirnforscher belegt Erfolg der Musiktherapie bei Tinnitus: Gehirn verändert sich in fünf Tagen

Der Hirnforscher Christoph Krick an der Universität des Saarlandes hat untersucht, warum eine Musiktherapie bei Tinnitus so gut wirkt. Die von Heidelberger Forschern entwickelte Therapie hilft dabei, lästige Ohrgeräusche buchstäblich „wegzusummen“. 80 Prozent der Patienten empfanden nach dieser Behandlung den Tinnitus nicht mehr als quälend, bei acht Prozent verschwand er ganz. Über Aufnahmen im Magnetresonanz-Tomographen (MRT) konnte Krick nachweisen, dass sich schon nach fünf Tagen die Gehirnstrukturen verändern. Der Lernfortschritt während der Musiktherapie reorganisiert jenes Hirngewebe im Gehörkortex, das aufgrund der Tinnitus-Störung zunächst abgebaut wurde. 
 
Das aktive Hörtraining verändert damit außerordentlich rasch die „Platine“ des Gehirns. Die Forschungsergebnisse hat Christoph Krick jetzt gemeinsam mit Heidelberger Wissenschaftlern in dem Online-Journal „Frontiers of Neuroscience“ veröffentlicht.


Christoph Krick, Hirnforscher am Neurozentrum der Universität des Saarlandes

Christoph Krick, Hirnforscher am Neurozentrum der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Die störenden Ohrgeräusche entstehen bei Tinnitus-Patienten, weil sie plötzlich bestimmte Frequenzen nicht mehr hören können. „Man kann sich das wie eine Klaviertastatur vorstellen, bei der eine Taste fehlt, denn das menschliche Gehör ist nach Frequenzen geordnet. Da das Gehirn den fehlenden Ton erwartet, aber nicht empfängt, versucht es diesen – analog zu einem Verstärker – lauter zu drehen. Die Folge kann eine Rückkopplung sein, die durch die Selbstanregung als Phantomgeräusch wahrgenommen wird“, erklärt der Biologe Christoph Krick, der am Neurozentrum der Saar-Universität in Homburg forscht. Seit Jahren besteht eine interdisziplinäre Forschungskooperation mit dem Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM) in Heidelberg. Bei der Neuro-Musiktherapie, die am DZM entwickelt wurde, versucht man, diese Fehlsteuerung des Gehirns rückgängig zu machen. „Auch das lässt sich über ein Klavier erklären: Wenn Sie dort einen Ton anschlagen, schwingen automatisch die Ober- und Untertöne mit, das sind Töne in anderen Oktaven. Die Tinnitus-Patienten können über das Nachsummen und Singen von Grundtönen zur meist höheren Tinnitus-Frequenz den fehlenden Ton im Gehirn rekonstruieren“, erläutert Krick. „Das Anstimmen der Untertöne des eigenen Phantomtons erscheint den Patienten anfangs eher schwierig, gelingt dann aber an jedem Therapietag besser.“

Zusätzlich werden in der Therapie verschiedene Entspannungstechniken vermittelt, da auch Tinnitus-bedingter Stress den Phantomton lauter werden lässt. Das therapeutische Verfahren wird ständig evaluiert und optimiert. In der aktuellen Studie kam eine intensive Kompaktversion der Therapie, die nur fünf Tage dauert, zur Anwendung. Die Heidelberger Forscher waren anfangs überrascht, dass die Patienten schon nach wenigen Tagen die Hörgeräusche als weniger störend empfanden. Dr. Heike Argstatter, die am DZM die Studie begleitet hat, kann mittlerweile schon über eine längere Erfahrung mit der therapeutischen Wirkung dieser kompakten Musiktherapie zurückblicken. „Erfreulich war, dass noch drei Jahre nach dem recht kurzen Therapieintervall der Therapieerfolg erhalten blieb. Zu Beginn der Studie war dennoch fraglich, ob dies womöglich auf einen Umbau im Gehirn unserer Patienten zurückzuführen sein könnte.“ Sie habe daher wissen wollen, was genau die Musiktherapie im Gehirn verändert.

Zu dieser Fragestellung stellte Christoph Krick verschiedene Hypothesen auf, welche Gehirnareale betroffen sein könnten, und überprüfte dies mit Hilfe des modernen Forschungs-MRTs am Neurozentrum in Homburg. Um sicherzustellen, dass tatsächlich die Musiktherapie und die dazu gehörigen Entspannungsübungen zum Erfolg führten, wurde auch eine Vergleichsgruppe von gesunden Menschen untersucht, die dasselbe Lernprogramm absolvierten wie die Tinnitus-Patienten. „Bisher war man davon ausgegangen, dass Lernfortschritte nur die Aktivitäten im Gehirn verändern, also quasi eine neue Software aufspielen. Wir konnten jedoch nachweisen, dass schon nach wenigen Tagen die Denkzellen, die den Höreindruck verarbeiten, nachgewachsen sind. Es wurde sozusagen die Festplatte des Gehirns umgebaut und zwar dauerhaft“, sagt Krick. In Fragebögen konnten die Tinnitus-Kranken auch angeben, wie stark sie von der Therapie profitiert haben. „Bei den Patienten, die den Therapiefortschritt als besonders erfolgreich wahrgenommen haben, waren auch die stärksten Veränderungen im Gehirn zu beobachten“, stellte der Hirnforscher fest. Auch bei den gesunden Vergleichspersonen konnten die Forscher neue Strukturen erkennen. Dort wuchs Gewebe in den Gehirnarealen nach, die für die Stressverarbeitung von Bedeutung sind und dem Menschen dabei helfen, sich zu entspannen.

Überraschend waren für die Forscher die Geschwindigkeit und das deutliche Ausmaß des Gehirn-Umbaus. „Der Lernvorgang hatte sich offensichtlich in das Gehirn ‚eingebrannt‘. Wir gehen davon aus, dass wir somit die Ursache des nachhaltigen Therapieerfolgs gefunden haben“, stellt Krick fest. Er glaubt, dass sich diese Erkenntnisse auch auf andere Lernerfolge übertragen lassen. Sie ermöglichten einen neuen Blick auf die Funktionsweise des lernenden Gehirns.

Die wissenschaftliche Studie wurde in dem Online-Journal „Frontiers in Neuroscience“ unter dem Titel „Cortical reorganization in recent-onset tinnitus patients by the Heidelberg Model of Music Therapy“ veröffentlicht:
http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fnins.2015.00049/abstract


Medizin am Abend DirektKontakt

Dr. Christoph Krick
Neurozentrum der Universität des Saarlandes
Tel. 06841/16-24359
E-Mail christoph.krick@uniklinikum-saarland.de

Ansprechpartner für Tinnitus-Betroffene:

Dr. Heike Argstatter
Tinnitusambulanz des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung
Tel. 06221-79 63 101
E-Mail tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de
Friederike Meyer zu Tittingdorf Universität des Saarlandes

Weitere Informationen:
http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fnins.2015.00049/abstract

rbb- Roter Punkt: Gemeinsam durch den Streik" die Aktion "Fahr mit"

Medizin am Abend Fazit: Mit rotem Punkt gemeinsam durch den Streik: rbb lädt ein zur Aktion "Fahr mit"

Angesichts des Bahn-Streiks setzt der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) unter der Überschrift "Gemeinsam durch den Streik" die Aktion "Fahr mit" fort. Das rbb Fernsehen, die Radiosender des rbb und rbb-online.de rufen Autofahrerinnen und Autofahrer auf, mit einem roten Punkt an der Windschutzscheibe Passanten oder Nachbarn ihre Bereitschaft zu spontanen Fahrgemeinschaften zu signalisieren.

"Die Aktion setzt darauf, dass Berliner und Brandenburger sich unterstützen und gemeinsam durch den Streik helfen. 

Der rote Punkt im Auto zeigt klar an: Ich nehme Dich mit",

sagt Anna Kyrieleis, Chefin der "Abendschau" vom rbb. Eine Vorlage für den roten Punkt steht ab sofort unter www.rbb-online.de zum Download und Ausdrucken bereit. "

Selbstverständlich geschehen Mitfahren und Mitnehmen auf eigene Gefahr. Worauf wir aber setzen, ist die gegenseitige Hilfsbereitschaft", ergänzt Oliver Jarasch, Leiter von "Brandenburg aktuell". Die Aktion habe sich bereits während anderer Streikaktionen im öffentlichen Nahverkehr bewährt.

Medizin am Abend DirektKontakt

Mark Stuntz Tel 030 / 97 99 3 - 12 122 mark.stuntz@rbb-online.de

SGLT2-Hemmer Empagliflozin und Canagliflozin

Medizin am Abend Fazit: Diabetes: G-BA-Entscheidung gefährdet Patientensicherheit

Der Gemeinsame-Bundesausschuss (G-BA) hat am 05.02.2015 seine
Entscheidung mitgeteilt, dass die sogenannten SGLT2-Hemmer Empagliflozin
und Canagliflozin in der Kombinationstherapie mit Metformin bei der
Diabetesbehandlung keinen Zusatznutzen haben. Aus Sicht der Deutschen
Diabetes Gesellschaft (DDG) ist dies eine Fehlentscheidung des G-BA, die
auch bei internationalen Diabetesexperten nur mit Unverständnis und
Ablehnung zur Kenntnis genommen wird. Darüber hinaus entspricht dies auch
nach aktuellen Therapieempfehlungen der Amerikanischen und Europäischen
Diabetes Gesellschaft vom Januar dieses Jahres nicht mehr dem
medizinischen Standard!

Das Therapieprinzip der SGLT2-Hemmung ist eine neue innovative
Therapiestrategie, bei der die Glukosewiederaufnahme aus dem Harn gehemmt
wird und damit der Blutzucker wirksam, effektiv und nachhaltig gesenkt
wird. Zusätzlich reduzieren sich das Gewicht und sogar ein weiterer
kardiovaskulärer Risikofaktor, nämlich der systolische Blutdruck.

Mit der oben angegebenen Entscheidung des G-BA hat bisher in Deutschland
kein einziger SGLT2-Hemmer wie z.B. Dapagliflozin, Empagliflozin und
Canagliflozin vom G-BA einen Zusatznutzen bescheinigt bekommen, obgleich
dieses Therapieprinzip bereits in circa 40 Ländern der Welt Eingang in die
Diabetestherapie gefunden hat. Hier isoliert sich Deutschland
international – und zwar nicht auf Grund evidenzbasierter Medizin, sondern
durch strukturierte Nicht-Beachtung klinischer Evidenz, die an Tausenden
von Patienten kontrolliert erhoben worden sind!

Ein grundsätzliches Missverständnis bei diesen G-BA Entscheidungen ist,
dass irrtümlicherweise gedacht wird, dass die Beurteilung eines
Zusatznutzens durch den G-BA auch nur irgendetwas mit evidenzbasierter
Medizin oder Wirksamkeit zu tun hat. Über die Effektivität und Sicherheit
einer neuen Therapie und ihrer Evidenz entscheidet in Deutschland allein
die Zulassungsbehörde bzw. das BfArM. Der G-BA entscheidet nur auf
Empfehlung des IQWiG, ob die Studienlage in Bezug auf die Fachinformation
eines neuen Medikamentes und die vom G-BA festgelegte Vergleichstherapie
“wortgetreu” vorliegt. Hierdurch werden regelhaft große Studiensätze vom
IQWiG aus methodischen Gründen überhaupt nicht berücksichtigt, und damit
kommt es regelmäßig zu der Einschätzung, dass keine ausreichenden Daten
vorliegen würden und damit kein Zusatznutzen bestünde! „Dies ist aus Sicht
der Deutschen Diabetes Gesellschaft ein gewichtiger Grund, warum es häufig
zu klinisch nicht plausiblen und nicht nachvollziehbaren Entscheidungen
kommt”, so Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Mediensprecher der
Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Was sind die Folgen dieser – aus Sicht der DDG – Fehlentscheidungen des
G-BA? Es wird angenommen, dass es gleichwertige Alternativen zu diesen
neuen Therapiestrategien gibt. Die gibt es aber nicht! Durch die
derzeitige Indikation und Nutzung von Vergleichstherapien können die
Patienten nicht adäquat eingestellt werden. „Hierdurch müssen sie häufig
zeitiger Insulin spritzen mit dem Risiko der Unterzuckerung und ggf.
weiterer Gewichtszunahme”, so Frau Professor Dr. med. Monika Kellerer,
Leitlinienbeauftragte der DDG.

„Neue Diabetes-Medikamente, die man als Tabletten einnehmen kann, würden
helfen, mehr Patienten frühzeitig effektiv und sicher gut einzustellen,
ohne das Risiko von Unterzuckerungen”, so Professor Dr. med. Stephan
Matthaei von der Diabetes-Klinik in Quakenbrück und Past-Präsident der
DDG. „Im Gegensatz zu der vom G-BA herangezogenen ‚zweckmäßigen
Vergleichstherapie‘ mit Sulfonylharnstoffen, die teilweise zu schweren,
selten auch tödlichen Unterzuckerungen führen kann, senken SGLT2-Hemmer
den Blutzucker, ohne das Risiko für Unterzuckerungen zu erhöhen”, betont
Professor Matthaei. „Eine effektive Blutzuckersenkung kann auch bei
Patienten mit Typ-2-Diabetes die Spätkomplikationen wie Erblindung,
schwere Nervenschädigungen und Funktionseinschränkung der Niere bis hin
zur Nierenersatzbehandlung (Dialyse) verhindern”, ergänzt Professor Dr.
med. Baptist Gallwitz, Vize-Präsident der DDG. „Diabetes ist eine der
häufigsten Ursachen für Neuerblindung in diesem Land”, so Privatdozent Dr.
med. Erhard Siegel, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Nun können die Hersteller zwar auch ohne Zusatznutzen Preise mit den
Krankenkassen verhandeln, dies führt aber zum Verschwinden der neuen
Substanz vom deutschen Markt oder zu „Dumping-Preisen”. Dies hat zur
Folge, dass Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen, der
Forschungsstandort für klinische Forschung unattraktiv wird und die
Versorgung der uns anvertrauten Patienten durch den Preis und nicht durch
die klinische Evidenz gestaltet wird! Es kann nicht im Sinne des
Gesetzgebers gewesen sein, der mit dem Arzneimittelneuordnungsgesetzes
(AMNOG) ein sehr vernünftiges Gesetz auf den Weg gebracht hat, die
Akzeptanz durch klinisch-wissenschaftlich nicht vertretbare Entscheidungen
zu gefährden. Die derzeitige Umsetzung des AMNOG auf dem Gebiet der
Diabetologie „entmündigt die klinische Wissenschaft und gefährdet aus
unserer Sicht die Patientensicherheit”, so Müller-Wieland.


Medizin am Abend DirektKontakt

Kerstin Ullrich und Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-641/552, Fax: 0711 8931-167

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-0
Fax: 030 3116937-20

Palliativbeauftragte für jedes Krankenhaus - jede stationäre Pflegeeinrichtung

Medizin am Abend Fazit: Palliativbeauftragte für jedes Krankenhaus und jede stationäre Pflegeeinrichtung

„In jedem Krankenhaus und jeder stationären Pflegeeinrichtung sollte es einen verantwortlichen Palliativbeauftragten geben.“ unterstreicht Prof. Dr. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), anlässlich des heute dem Bundeskabinett vorgelegten Gesetzentwurfs zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland. 
 
Nur ca. 15 Prozent der bundesweit rund 2.000 Krankenhäuser verfügen über Palliativstationen. Von den übrigen Krankenhäusern haben nur wenige einen multiprofessionellen Palliativdienst, wie er aus Sicht der DGP für jedes Krankenhaus mit mehr als 250 Betten vorgehalten werden sollte. „Es gilt, schwerstkranken Patienten aus sämtlichen Abteilungen eines Krankenhauses im Bedarfsfall den Zugang zur Palliativversorgung zu ebnen.“ Wichtig wäre deshalb, mit dem Einsatz eines Palliativbeauftragten in jeder Klinik dafür zu sorgen, dass Strukturen der Palliativversorgung entwickelt werden können, die den Bedürfnissen der Patienten gerecht werden.

Ebenso dringend benötigt wird diese Struktur, um die allgemeine Palliativversorgung in stationären Pflegeeinrichtungen zu etablieren und umzusetzen. „Noch sind wir weit davon entfernt, dass in allen Altenpflegeheim schwerstkranke und sterbende Bewohner am Ende ihres Lebens im Sinne einer guten Palliativversorgung begleitet werden können.“ ergänzt Katja Goudinoudis, Sprecherin der Sektion Pflege der DGP: „Die stationären Einrichtungen und insbesondere die dort tätigen Pflegekräfte brauchen hier dringend Unterstützung.“

Dies erfordert fachliche wie personelle Ressourcen, denn im Angesicht extrem hoher Arbeitsbelastung wird eine Palliativbedürftigkeit häufig nicht wahrgenommen. Hier braucht es neben der Ausbildung auch eine strukturierte Anleitung, um das Erlernte im Alltag um- und einzusetzen.

Die/der Palliativbeauftragte habe in Krankenhäusern sowie stationären Pflegeeinrichtungen laut einer heute veröffentlichten Stellungnahme der DGP insbesondere folgende Aufgaben wahrzunehmen:

• Sicherstellung des Zugangs zu einer angemessenen Palliativversorgung für bedürftige Patienten

• Erstellung eines hausinternen Konzepts zur interprofessionellen Palliativversorgung und Koordination

• Beratung von Mitarbeitern und Geschäftsleitung in Zielen und Fragen zur Palliativversorgung

• Ansprechpartner für komplexe Fälle in Krankenhäusern und in stationären Pflegeeinrichtungen

• Umsetzung und Sicherstellung von aktuellen Qualitätsstandards in der Palliativversorgung

• Organisation von hausinternen Fortbildungen zur allgemeinen Palliativversorgung

• Multiplikator/Ansprechpartner zur Sensibilisierung und frühzeitigen Integration von Palliativversorgung

• Einbindung ehrenamtlicher Arbeit und Kooperation mit lokalen Netzwerken und ambulanten Partnern, insbesondere Kooperation mit Hospiz- und Palliativdiensten

• Ansprechpartner für externe Fragen (Betroffene, Angehörige, niedergelassene Ärzte, Pflegedienste, Krankenkassen)

Der Palliativbeauftragte soll „für die Implementierung der allgemeinen Palliativversorgung, für die Umsetzung von Qualitätsstandards in der Palliativversorgung und für die lokale und regionale Vernetzung in der Palliativversorgung zuständig sein“, betont die DGP abschließend.

 Medizin am Abend DirektKontakt

Aachener Str. 5
10713 Berlin
Deutschland
Berlin

Telefon: 030/301010013
Fax: 030/301010016
redaktion@palliativmedizin.de
Karin Dlubis- Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V.

Weitere Informationen:

http://Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) zum Palliativbeauftragten: https://www.dgpalliativmedizin.de/images/stories/20150429_DGP_Stellungnahme_Pall...

Verschlossene Blutgefäße

Medizin am Abend Fazit: künstliche Blutgefäße, die vom Körper abgebaut und mit eigenem Gewebe ersetzt werden. 

Langzeitversuche an der MedUni zeigen: Auch nach einem Jahr leistet das Blutgefäß noch gute Dienste.
Langzeitversuche an der MedUni zeigen: Auch nach einem Jahr leistet das Blutgefäß noch gute Dienste. Helga Bergmeister, MedUni Wien
 
Verschlossene Blutgefäße können rasch gefährlich werden.

Oft ist es notwendig, ein Blutgefäß zu ersetzen – entweder durch ein körpereigenes Blutgefäß oder aber durch künstlich hergestellte Gefäßprothesen. Die TU Wien und die Medizinische Universität Wien entwickelten nun gemeinsam künstliche Blutgefäße aus einem speziellen Elastomer-Material, das ausgezeichnete mechanische Eigenschaften hat. Diese künstlichen Blutgefäße werden im Laufe der Zeit durch körpereigenes Material ersetzt. Am Ende dieses Umbauprozesses ist wieder ein natürliches, vollständig funktionsfähiges Blutgefäß entstanden. Bei Ratten hat sich die Methode bereits bewährt.

Überleben durch künstliche Blutgefäße

Zu den häufigsten Todesursachen in Industrienationen gehören arteriosklerotische Gefäßerkrankungen. Eine Bypass-Operation ist dann oft die einzige Lösung. Normalerweise entnimmt man dafür Blutgefäße des Patienten und setzt sie statt des geschädigten Blutgefäßes ein. Dank eines gemeinsamen Projekts von TU Wien und Medizinischer Universität Wien sollen in Zukunft auch künstlich hergestellte Gefäße vermehrt zum Einsatz kommen.

Entscheidend dabei ist, ein passendes Material zu finden. Die künstlichen Materialien, die man bisher verwendete, vertragen sich nicht optimal mit dem körpereigenen Gewebe. Es kann dann leicht zu einem Verschluss des Blutgefäßes kommen, besonders wenn der Durchmesser gering ist.

An der TU Wien wurden daher neue Polymere entwickelt. „Es handelt sich um sogenannte thermoplastische Polyurethane“, erklärt Prof. Robert Liska vom Institut für angewandte Synthesechemie der TU Wien. „Durch die Auswahl ganz bestimmter molekularer Bausteine gelang es uns, ein Polymer mit den gewünschten Eigenschaften zu synthetisieren.“

Ein dünner Polymer-Faden, zur Röhre gesponnen

Zur Herstellung der Gefäßprothesen werden Polymerlösungen in einem elektrischen Feld zu sehr feinen Fäden gesponnen und auf eine Spule aufgewickelt. „Die Wand dieser künstlichen Blutgefäße ist natürlichen Blutgefäßen sehr ähnlich“, sagt Prof. Heinz Schima von der Medizinischen Universität Wien.

Das Polymer-Gewebe ist leicht porös, daher sickert zunächst etwas Blut hindurch und reichert die Wand mit Wachstumsfaktoren an. Das begünstigt das Einwandern körpereigener Zellen. Die Interaktion zwischen Material und Blut wurde an der TU Wien von Prof. Martina Marchetti-Deschmann mit Hilfe von ortsaufgelöster Massenspektrometrie untersucht.

Im Rattenexperiment war die neue Methode bereits sehr erfolgreich. „Sechs Monate nach dem Einsetzen der Gefäßprothesen wurden die Blutgefäße der Ratten untersucht“, sagt Dr. Helga Bergmeister von der MedUni Wien. „Es waren weder Aneurysmen noch Thrombosen oder Entzündungen festzustellen. 

Körpereigene Zellen hatten die Gefäßprothese besiedelt und das künstliche Konstrukt zu körpereigenem Gewebe umgewandelt.“ Das Nachwachsen körpereigenen Gewebes verläuft sogar schneller als man erwartet hatte, daher soll nun die Abbaudauer der Kunststoffröhren noch verringert werden. Daher wird derzeit noch an weiteren Anpassungen des Materials gearbeitet.

Synthese der biokompatiblen und bioabbaubaren Polymere im Labor an der TU Wien
Synthese der biokompatiblen und bioabbaubaren Polymere im Labor an der TU Wien TU Wien

Vom Austria Wirtschaftsservice (AWS) wurde das Projekt kürzlich mit einer PRIZE Prototypenförderung ausgezeichnet. Bis die künstlichen Blutgefäße bei Menschen eingesetzt werden können, sind noch weitere präklinische Versuche notwendig. Doch aufgrund der bisherigen Ergebnisse ist das Forscherteam sehr zuversichtlich, dass sich die neue Methode in einigen Jahren auch beim Einsatz im Menschen bewähren wird.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Robert Liska
Institut für Angewandte Synthesechemie
Technische Universität Wien
Getreidemarkt 9, 1060 Wien
T: +43-1-58801-163614
robert.liska@tuwien.ac.at

Prof. Heinrich Schima
Zentrum für Medizinische Physik und Biomed. Technik,
MedUni Wien, Währinger Gürtel 18, A-1090 Wien
T: +43-1-40400-39820
heinrich.schima@meduniwien.ac.at

Prof. Helga Bergmeister
Department für Biomedizinische Forschung
MedUni Wien, Währinger Gürtel 18, A-1090 Wien
T: +43-1-40400-52190
helga.bergmeister@meduniwien.ac.at

Mag. Johannes Angerer
Medizinische Universität Wien
Spitalgasse 23, 1090 Wien
T: +43-1-40160-11501
pr@meduniwien.ac.at

Dr. Florian Aigner Technische Universität Wien
TU Wien und MedUni Wien entwick

Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte:
http://dx.doi.org/10.1016/j.actbio.2014.09.003 Originalpublikation

05.Mai 2015: Saubere Hände - Krankenhausinfektionen und Händedesinfektion

Medizin am Abend Fazit: Zum Aktionstag "Saubere Hände" am Dienstag, 5. Mai: Das effektivste Mittel gegen Krankenhausinfektionen ist die Händedesinfektion

Zum Aktionstag "Saubere Hände" am 5. Mai hat die Techniker Krankenkasse (TK) auf die Bedeutung der Händedesinfektion im Kampf gegen multiresistente Krankenhauskeime hingewiesen. "Mit keinem anderen Mittel lassen sich Krankenhausinfektionen so effektiv bekämpfen wie durch die einfache Desinfektion der Hände", sagt Hardy Müller, TK-Experte für Patientensicherheit. "In nur 30 Sekunden lassen sich alle Erreger auf den Handflächen abtöten und eine Übertragung von schädlichen Keimen von einem Patienten auf den anderen verhindern", erklärt Müller. Große Fortschritte habe die nationale Kampagne zur Verbesserung der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen mit dem Titel "Aktion Saubere Hände" gebracht. Dennoch bleibe viel zu tun.

Häufig brächten schon kleine Veränderungen im Klinikalltag große Verbesserungen mit sich. Beispielsweise müssen Ärzte und Pflegekräfte in vielen Krankenhauszimmern ihre Hände noch an einem zentralen Desinfektionsspender am Waschbecken desinfizieren. "Bei einer Visite mit mehreren Dutzend Patienten kommen da für die Mediziner und die Pflegekräfte eine ganze Menge unnötige Wege und viel Zeit zusammen, die sie zwischen den einzelnen Klinikbetten und dem Desinfektionsspender hin und her laufen müssen", erklärt der Experte. Deshalb sei es wichtig, dass die Krankenhäuser ihre Spender direkt an den Betten platzierten. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Mitarbeiter dann auch wesentlich öfter zum Desinfektionsmittel greifen."

Aber auch Patienten und Krankenhausbesucher könnten ihren Teil zu einer besseren Hygiene beitragen. Patienten sollten Ärzte oder Pflegekräfte ruhig darauf ansprechen, wenn sie das Desinfizieren der Hände in der Krankenhaushektik vergessen, so Müller. "Früher galten die Ärzte noch als Halbgötter in Weiß, aber es sind ganz normale Menschen, denen auch Fehler unterlaufen."

Angesichts der enormen Dunkelziffer bei multiresistenten Erregern seien die Statistiken zu dem Thema zwar mit Vorsicht zu genießen. Aber das Bundesgesundheitsministerium gehe davon aus, dass in Deutschland jährlich etwa 400.000 bis 600.000 Patienten an Infektionen erkranken, die im Zusammenhang mit einer medizinischen Maßnahme stehen, und bis zu 15.000 Menschen daran sterben. "Angesichts solcher Zahlen und der Annahme, dass ein Drittel dieser Infektionen vermeidbar sind, ist es vollkommen richtig, wenn ich als Patient meinen Arzt oder die Pflegekräfte auf eine fehlende Händedesinfektion hinweise", so Müller.

Auch Besucher sollten beim Betreten und beim Verlassen des Krankenhauses ruhig die Hände desinfizieren. 

"Viele Häuser stellen inzwischen auch am Hauseingang Spender auf. Das macht durchaus Sinn, weil die Erreger auch durch Besucher in das Krankenhaus eingeschleppt werden und bei den kranken und immungeschwächten Patienten verheerende Folgen haben können", so Müller. 

"Aber auch auf dem Heimweg nimmt so mancher Besucher noch unbemerkt einige der unsichtbaren Begleiter mit nach Hause."

Weitere Informationen und Positionen zum Thema gibt es unter:

http://www.tk.de/tk/020-positionen/krankenhaushygiene/698404

Medizin am Abend DirektKontakt

Michael Ihly Tel. 040 - 6909 2577 E-Mail michael.ihly@tk.de 

Leistungssteigerung: Schlaf als Dopingmittel

Medizin am Abend Fazit: Von den Grenzen des Schlafs als Dopingmittel


Das Gedächtnis braucht seinen Schlaf, er festigt die Lerninhalte des vergangenen Tages. Forscher haben auch Möglichkeiten gefunden, die Schlafphasen zu beeinflussen und dadurch die Gedächtnisleistungen zu verbessern. In zwei voneinander unabhängigen Studien haben Forsche-rinnen und Forscher um Professor Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität Tübingen nun überprüft, wo die Grenzen des Lernens im Schlaf liegen: Neu erlernte motorische Fertigkeiten, so ergab die eine Studie, lassen sich durch eine Schlafphase stabilisieren, nicht jedoch weiter steigern. Die zweite Studie bestätigte, dass gezielt gesetzte akustische Signale im Schlaf die Leistungen beim Merken von Inhalten verbessern können, zeigte aber auch, dass dieser Effekt nicht beliebig gesteigert werden kann. Beide Studien erscheinen in der aktuellen Ausgabe von "The Journal of Neuroscience".

Zusammen mit Almut Nettersheim von der Universität Lübeck überprüften die Tübinger Forscher Susanne Diekelmann, Manfred Hallschmid und Professor Jan Born, wie sich Schlaf auf die Leistung bei motorischen Aufgaben auswirkt.

Dazu ließen sie Probanden Tippsequenzen erlernen und prüften die Fingerfertigkeit gleich nach dem Training sowie im Vergleich nach einer Phase wacher oder schlafend verbrachter Zeit. „Frühere Studien hatten nahegelegt, dass sich das beim Training erreichte Niveau im Schlaf steigern lässt“, sagt Born. In ihrem Versuchskonzept achteten die Forscher darauf, die Wirkung von Schlaf auf die Leistung sauber von der durch zusätzliches Training zu trennen. Die Versuchsteilnehmer erreichten ihre persönliche Bestleistung jeweils 30 Minuten nach dem Training. Tatsächlich konnte die Gruppe, die sich gleich für vier Stunden lang schlafen legte, diesen Level danach wieder erreichen. Dagegen ließen die Fähigkeiten während einer vierstündigen Wachphase deutlich nach.

Wurde nun der Schlaf nachgeholt, stellten die Versuchsteilnehmer ihre persönliche Bestleistung wieder her. Zwölf Stunden nach dem Training waren die Leistungen beider Gruppen vergleichbar, egal ob sie eine halbe Stunde oder erst vier Stunden nach dem Training schlafen gegangen waren. Schlaf stabilisiert die erlernten motorischen Fertigkeiten, so das Fazit der Forscher. „Doch über das im Training erreichte Niveau hinaus ließ sich die Leistung der Versuchsteilnehmer durch Schlafen nicht steigern“, betont Jan Born.

In der zweiten Studie untersuchte der Professor mit den Tübinger Forschern Hong-Viet V. Ngo, Arjan Miedema, Isabel Faude und Matthias Mölle sowie dem Lübecker Kollegen Thomas Martinetz, inwieweit sich die Gedächtnisleistung im Schlaf beeinflussen lässt. Der Tiefschlaf ist durch langsame Hirnschwingungen gekennzeichnet, die die Forscher in einem EEG (Elektroenzephalogramm) messen können. Diese Schwingungen haben sich als wichtig für die Gedächtnisbildung erwiesen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Gedächtnisleistung gesteigert wird durch eine Stimulation mit gezielt gesetzten Klicklauten, die mit dem Ansteigen der Hirnschwingungen des Schlafenden in Einklang sind. „Dieser Effekt ließ sich in unseren Versuchen mit Probanden, die sich Wortpaare merken sollten, zuverlässig wiederholen“, berichtet Born, „nach der gezielten Stimulation mit Klicklauten schnitten die Versuchsteilnehmer besser ab.“

Doch bei zwei aufeinander folgenden Klicklauten pro Stimulationsphase war Schluss: Durch mehr Klicks ließen sich keine weiteren der erwünschten Hirnschwingungen erzeugen, auch ließen sich die Schwingungen nicht in ihrer Amplitude erhöhen und dementsprechend wurde auch die Gedächtnisleistung nicht weiter gesteigert.

Die Forscher stellten fest, dass der Prozess wahrscheinlich durch feste Pausenzeiten im System des Gehirns begrenzt wird. Sie gehen davon aus, dass es sich nicht um eine Schwäche des Systems handelt, sondern um einen sinnvollen Regulierungsmechanismus: „Zu viele und zu starke Hirnschwingungen steigern das Risiko für epileptische Anfälle“, erklärt der Wissenschaftler, „das System steuert selbst gegen und setzt dem Prozess Grenzen.“

Publikationen:
Almut Nettersheim, Manfred Hallschmid, Jan Born, and Susanne Diekelmann: The Role of Sleep in Motor Sequence Consolidation: Stabilization Rather Than Enhancement. The Journal of Neuroscience, 29. April 2015, SS. 6696-6702.

Hong-Viet V. Ngo, Arjan Miedema, Isabel Faude, Thomas Martinetz, Matthias Mölle, and Jan Born: Driving Sleep Slow Oscillations by Auditory Closed-Loop Stimulation - A Self-Limiting Process. The Journal of Neuroscience, 29. April 2015, SS. 6630-6638.

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Jan Born
Universität Tübingen
Institut für Medizinische Psychologie
Telefon +49 7071 29-88923
jan.born[at]uni-tuebingen.de
Dr. Karl Guido Rijkhoek -  Eberhard Karls Universität Tübingen

Muskulöse Männer....

Medizin am Abend Fazit: Das Hormon Oxytocin: Mehr Sympathie für starke Männer

Männer finden körperlich trainierte, muskulöse Männer weniger sympathisch als schmächtige Männer. Das konnte in vielen Studien nachgewiesen werden. Unter dem Einfluss des Hormons Oxytocin allerdings verschwindet dieser Effekt und muskulöse Männer werden sympathischer beurteilt. Das zeigt eine aktuelle Studie von Psychologen der Universitäten Freiburg und Köln, die jetzt in der Fachzeitschrift „Social Cognitive and Affective Neuroscience“ veröffentlicht wurde. 
 
Wie attraktiv oder vertrauensvoll wir jemanden finden, hängt von vielen Faktoren ab. „Auch die körperliche Erscheinung eines Menschen beeinflusst, wie ihn andere wahrnehmen, da körperliche Kraft und Größe aus evolutionärer Sicht Hinweise auf Dominanz und Bedrohung darstellen“, sagt der Sozialpsychologe Thomas Mussweiler. Gemeinsam mit dem Biopsychologen und Neurowissenschaftler Markus Heinrichs hat er untersucht, ob Männer Fotos von muskulösen Gleichaltrigen weniger sympathisch bewerten als die von schmächtigen Altersgenossen. Sie wollten außerdem wissen, ob die Bewertung eines anderen Mannes durch das Hormon Oxytocin beeinflusst wird. Oxytocin ist für das soziale Verhalten (wie Blickkontakt, Vertrauen, Berührungen) sehr wichtig.

Die Wissenschaftler luden für ihr Experiment 100 männliche Studenten Anfang 20 ins Labor ein. Jedem Probanden wurde per Nasenspray eine Substanz verabreicht, die bei der einen Hälfte der Probanden das Hormon Oxytocin enthielt und bei den restlichen 50 Probanden ein Placebo. Welcher Proband welche Substanz bekam, erfolgte zufällig und verdeckt für alle Beteiligten. Danach betrachteten die Studenten das Foto eines Mannes am Computer. Dieses Foto lag in zwei Varianten vor. Gesicht und Gesichtsausdruck des Mannes waren auf beiden Bildern gleich, aber der Körper war digital manipuliert. Die eine Hälfte der Probanden betrachtete das Foto eines gleichaltrigen muskulösen Mannes. Die andere Gruppe betrachtete das Foto eines schmächtigen Altersgenossen. Die Forscher kreuzten die beiden Versuchsbedingungen, so dass jeweils die Hälfte der Oxytocin- und der Placebo-Gruppe das Bild des muskulösen Mannes betrachtete, während die andere Hälfte beider Gruppen das Bild des schmächtigen Mannes ansah.

Muskeln wirken unsympathisch

Die anschließende Aufgabe der Studenten war es, sich vorzustellen, mit dem Mann in Kontakt zu treten und diese Situation niederzuschreiben. Danach sollten sie den Mann auf dem Foto beurteilen: wie alt und wie stark er ist, wie ähnlich er ihnen selbst und ihrem Freundeskreis ist, und wie sympathisch sie ihn finden. Die Wissenschaftler verglichen die Bewertungen der beiden Bildervarianten durch die Oxytocin- und die Placebo-Gruppe. Die Ergebnisse zeigen, dass der muskulöse Mann insgesamt weniger sympathisch beurteilt wurde als der schmächtige Mann.

Oxytocin verändert die Sympathiebewertungen

Unter Einfluss von Oxytocin dagegen waren die Sympathiebewertungen für körperlich dominante, muskulöse Männer höher: bei dieser Gruppe wurden der muskulöse und der schmächtige Mann annähernd gleich sympathisch bewertet.

Die Studenten der Placebo-Gruppe hingegen fanden den muskulösen Altersgenossen deutlich weniger sympathisch als den schmächtigen. Es zeigte sich auch, dass der muskulöse Mann von beiden Gruppen als der eigenen Person und dem eigenen Freundeskreis weniger ähnlich eingeschätzt wurde. Oxytocin scheint also die Sympathie gegenüber dem muskulösen Mann verbessert zu haben, ohne ihn aber ähnlicher erscheinen zu lassen. „Wir gehen davon aus, dass Oxytocin eine wichtige Rolle bei der sozialen Annäherung spielt“, fasst Markus Heinrichs die Ergebnisse zusammen, „das Hormon stellt damit eine wichtige Voraussetzung für die Erweiterung und Sicherung sozialer Netzwerke dar.“

Möglicher Einsatz von Oxytocin zur Therapie von sozialen Störungen

Heinrichs erforscht derzeit, inwieweit das Hormon Oxytocin in Kombination mit Psychotherapie eingesetzt werden könnte. Insbesondere psychische Störungen mit schweren zwischenmenschlichen Problemen, wie zum Beispiel Autismus oder die Borderline-Persönlichkeitsstörung, könnten davon profitieren. „Seit einigen Jahren lässt sich nicht mehr bestreiten, dass das Hormon Oxytocin eine zentrale Rolle für unser Sozialverhalten spielt“, sagt Heinrichs. „Die nächsten Jahre werden dadurch geprägt sein, das klinische Potential für sogenannte ‚soziale Störungen‘ zu ermitteln und Psychotherapie da wirksamer zu machen, wo die Entwicklung schon zu lange stagniert oder wie beim Autismus weitgehend ausbleibt.“

Die Originalstudie finden Sie hier:
Chen, F. S., Mayer, J., Mussweiler, T., & Heinrichs, M. (in press). Oxytocin increases the likeability of physically formidable men. Social Cognitive and Affective Neuroscience. doi:10.1093/scan/nsu116

http://scan.oxfordjournals.org/content/early/2014/09/24/scan.nsu116.long

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Markus Heinrichs
Institut für Psychologie
Lehrstuhl für Biologische und Differentielle Psychologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Stefan-Meier-Straße 8
79104 Freiburg i. Br.
Tel.: 0761 2033029 / 3028
E-Mail: heinrichs@psychologie.uni-freiburg.de

Prof. Dr. Thomas Mussweiler
Universität zu Köln
Social Cognition Center Cologne
Richard-Strauss-Str. 2
50931 Köln
Tel.: 0221 4704720
Email: office-mussweiler@uni-koeln.de

Dr. Anne Klostermann
Tel.: 030 28047718

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 3500 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.


Weitere Informationen für Medizin am Abend Beteiligte:
http://scan.oxfordjournals.org/content/early/2014/09/24/scan.nsu116.long