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Dr. Marlene Sattler hat den Diskurs über tödliche Verkehrskollisionen mit Radfahrer*innen in Berlin untersucht Wie wird über Menschen gesprochen, die im Berliner Straßenverkehr beim Radfahren getötet wurden? Und welche Rolle spielt Sprache dabei, ob solche Todesfälle als tragische Einzelfälle erscheinen oder als vermeidbare Folgen von Infrastruktur, Verkehrsplanung und politischen Entscheidungen? Diesen Fragen ist Dr. Marlene Sattler in ihrer Dissertation am Fachgebiet Nachhaltige Mobilität und transdisziplinäre Forschungsmethoden der TU Berlin nachgegangen. Über ihre Forschung spricht sie in einem Interview.
Unter dem Titel „Es geht um Leben und Tod – Zum Diskurs über getötete Radfahrer*innen in Berlin 2016–2021“ analysierte Sattler Polizeimeldungen, Pressemitteilungen von Changing Cities e.V. sowie Artikel Berliner Tageszeitungen. Im Mittelpunkt standen 61 Todesfälle von Radfahrer*innen in Berlin. Ihre Forschung zeigt: Die Art, wie über tödliche Kollisionen gesprochen und geschrieben wird, prägt maßgeblich, ob sie als schicksalhafte Einzelereignisse oder als vermeidbare Folgen politischer und planerischer Entscheidungen verstanden werden.
Zwei Deutungsmuster: Schicksal oder Verantwortung
Sattler unterscheidet zwei zentrale Deutungsmuster: eine „Schicksals-Diskurskoalition“, in der tödliche Kollisionen vor allem als Unfälle oder Unglücke erscheinen, und eine „Verantwortlichkeits-Diskurskoalition“, die Infrastruktur, Verkehrsplanung, politische Prioritäten und die Vision Zero in den Blick nimmt. Gerade Polizeimeldungen spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie häufig die Grundlage journalistischer Berichterstattung bilden.
„Sprache ist nicht neutral“, sagt Dr. Marlene Sattler. „Wenn unklar bleibt, wer gehandelt hat, welche Infrastruktur vorhanden war oder welche politischen Entscheidungen eine Situation ermöglicht haben, verschwinden Verantwortlichkeiten aus dem Blick.“ Ihre Forschung macht deutlich: Wer Verkehrssicherheit ernst nimmt, muss tödliche Kollisionen nicht nur anders verhindern, sondern auch anders erzählen.
Im Interview spricht Dr. Marlene Sattler über ihre Dissertation, über problematische Begriffe wie „Unfall“, die Rolle von Polizei, Medien und Changing Cities sowie darüber, warum die Vision Zero konsequent umgesetzt werden muss.
Das vollständige Interview „Es geht um Leben und Tod“ mit Dr. Marlene Sattler ist online abrufbar.
Die Dissertation „Es geht um Leben und Tod – Zum Diskurs über getötete Radfahrer*innen in Berlin 2016 – 2021“ ist ebenfalls online abrufbar.
MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT Stefanie Terb Dr. Marlene Sattler Fachgebiet Nachhaltige Mobilität und transdisziplinäre Forschungsmethoden Fakultät I – Geistes- und Bildungswissenschaften E-Mail: marlene.sattler@tu-berlin.de |
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