Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Tag der Organspende: Bundesweit stehen zu wenig Spenderherzen zur Verfügung
- In Deutschland gibt es statistisch pro eine Millionen Einwohner nur zehn Organspender.
Über die Hälfte aller Patientinnen und Patienten, die auf ein neues Spenderherz warten, können nicht versorgt werden.
Am 3. Juni ist der internationale Tag der Organspende.
https://herzmedizin.de/nationale-herz-kreislauf-strategie.html
https://www.organspende-info.de/organspendeausweis-download-und-bestellen/
Herzmedizinische Fachgesellschaften nehmen diesen zum Anlass, um auf das wichtige Thema aufmerksam zu machen und fordern ein Umdenken in der Bundesrepublik.
Prof. Dr. Volkmar Falk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) und Direktor des Deutschen Herzzentrums der Charité in Berlin DGTHG/David Ausserhofer
Trotz aller Fortschritte in der Herz-Kreislauf-Medizin bietet die Transplantation eines neuen Herzens für viele schwer Erkrankte die einzige Überlebenschance.
„Wegen des anhaltenden Mangels an Spenderherzen sind die Aussichten, ein geeignetes Spenderorgan zu erhalten, für viele Patientinnen und Patienten aber sehr gering“, erklärt Prof. Dr. Volkmar Falk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).
„Für Menschen mit schwerer, nicht umkehrbarer Herzinsuffizienz im Endstadium ist jedoch die Herztransplantation die einzige Aussicht auf langfristiges Überleben.“
Ohne Spenderherz lebt man mit Herzschwäche nur noch rund fünf Jahre
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die Todesursache Nummer Eins in Deutschland. Eine der schwersten und tödlichsten Herzerkrankungen ist dabei die Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Der Herzmuskel schafft hier nicht mehr, genügend Blut durch den Körper zu pumpen.
Erkrankte bekommen bei mittleren oder kleinen Anstrengungen u.a. Luftnot oder Schwindel und sind im Alltagsleben eingeschränkt.
„Zwar wurde die Herzschwäche durch Fortschritte in der Forschung in den letzten Jahrzehnten immer besser behandelbar, dennoch liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit nach der Diagnose nur bei rund fünf Jahren“, sagt Prof. Dr. Holger Thiele, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK). Die einzige langfristige Therapie für ausgewählte Patienten mit unumkehrbarer Herzinsuffizienz im Endstadium ist eine Transplantation.
„Die Prognose für Herztransplantierte ist sehr gut:
Etwa 60 Prozent leben zehn Jahre und länger mit einem Spenderherzen.
Organspenden heißt
Leben retten und Lebenszeit schenken,“ betont DGTHG-Präsident Falk.
Für das menschliche Herz gibt es aktuell keinen vollwertigen künstlichen Ersatz.
Implantierbare Kreislaufpumpen zur Unterstützung der Pumpfunktion des Herzkammermuskels, sogenannte Ventricular Assist Devices (VAD), sind damit momentan die einzige längerfristige Therapie, wenn andere Behandlungsoptionen limitiert sind und kein Spenderherz zur Verfügung steht.
Patientinnen und Patienten können mit einem permanenten VAD jahrelang, meistens mit nur geringen Einschränkungen, leben.
Diese
Therapie dient heutzutage entweder als Überbrückung der Wartezeit bis
zur Herztransplantation oder sogar als dauerhafte Alternative zur
Transplantation, wenn diese aus medizinischen Gründen nicht indiziert
ist.
Regelung in Deutschland erschwert Organtransplantationen
Auf eine Million Deutsche kommen derzeit nur gut zehn Organspender.
Aktuell gilt in Deutschland die Willensbekundung. Das bedeutet, wer nach
seinem Tod anderen Menschen durch die Organspende das Leben retten
will, muss dies vorher ausdrücklich schriftlich dokumentieren;
idealerweise durch den Organspendeausweis (erhältlich u.a. beim
Hausarzt, in Apotheken und unter www.organspende-info.de.
Wenn kein Organspendeausweis vorliegt, werden meist die Angehörigen um Erlaubnis gefragt, ob die lebensrettenden Organe entnommen werden dürfen.
„Leider besteht bei den Angehörigen oft Unsicherheit darüber, wie der oder die Verstorbene entschieden hätte. Deshalb entscheiden sich viele vorsichtshalber dagegen. Daher ist es wichtig, dass sich jeder selbst einmal über das Thema Gedanken macht und sich eine eigene Meinung bildet“, meint DGK-Präsident Thiele.
Prof. Dr. Holger Thiele Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. HKM/Ronny Kretschmer
Widerspruchslösung wäre die menschlichere Variante
In vielen europäischen Ländern gilt bereits die Widerspruchslösung.
Dabei sind potenziell alle Menschen grundsätzlich Organspenderinnen und
-spender, es sei denn, sie haben sich zu Lebzeiten ausdrücklich dagegen
entschieden.
Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach plädierte im Januar 2023 bereits dafür, über die Einführung der Widerspruchslösung in Deutschland erneut abstimmen zu lassen.
Eine erste Abstimmung im Jahr 2020 war gescheitert.
Thiele: „Die Nationale Herz-Allianz unterstützt das Vorhaben von Prof.
Lauterbach, die Widerspruchslösung in Deutschland zu etablieren. Es ist
die wesentlich menschlichere Lösung, denn sie stellt das Leben in den
Vordergrund des Denkens und nicht den Tod. Jedes gespendete Organ ist
ein potenzieller Neuanfang für ein schwerkrankes Kind, oder eine Mutter
oder einen Vater, die vielleicht sonst keine Chance auf Überleben
hätten.“
Weiterführende Informationen zur Organspende und Herzgesundheit unter
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO).
Herzmedizin.de
Regina Iglauer-Sander Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstraße 58/59
10117 Berlin
Deutschland
Berlin
Telefon: 030/78890464
Fax: 030/78890465
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